Model Papis Loveday "Meine Hautfarbe war immer Thema"

Durch Zufall kam Papis Loveday zu seinem ersten Fotoshooting, galt schon bald als weltweit erfolgreichstes schwarzes Model. Für den Kampf gegen Rassismus kehrt er nun aus seinem Ruhestand zurück. Eine Begegnung mit einem Mann, der sich neu erfinden will.

Papis Loveday: "Ich will nicht als Schwarzer gesehen werden"
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Papis Loveday: "Ich will nicht als Schwarzer gesehen werden"

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Berlin - Eigentlich hatte er längst Schluss gemacht mit dem Modeln. Papis Loveday ist für Yves Saint Laurent, Gucci und Givenchy gelaufen, hat für Galliano, Dior, Armani geworben. Mehr geht nicht. Doch heute Abend steht er in einem abgewrackten Haus in Berlin-Mitte und präsentiert neben neun anderen dunkelhäutigen Models die neue Kollektion des Designers Patrick Mohr. Er bekommt keine Gage, es geht ihm auch nicht um die Entwürfe. Sondern um seine Hautfarbe. Und um den Start in sein drittes Leben.

Das erste begann vor 37 Jahren im Senegal. Loveday hieß damals noch Badji, seine Mutter war als Diplomatin viel unterwegs, sein Vater arbeitete als Arzt, hatte drei Frauen und insgesamt 26 Kinder. Badji wollte Profi-Leichtathlet werden, mit einem Sportstipendium zog er nach Paris, studierte dort Informatik und bereitete sich auf die Leichtathletik-WM vor. Es lief alles nach Plan. Bis zum Tag des Unfalls.

Ein Sturz, eine Operation, die Ärzte klangen nicht zuversichtlich. "Ich war abgefuckt, traurig. Konnte meine Beine kaum bewegen, hätte mein Visum verlieren können", sagt Loveday. Doch es war nur das Ende seines ersten Lebens.

Papis Loveday: "Ich bin eine Diva"
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Papis gilt als das erfolgreichste dunkelhäutige Männermodel. 15 Jahre ist er über Laufstege stolziert, hat für Fotografen gepost und Werbekampagnen umgesetzt.

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"Freiheit beschreibt die Fähigkeit des Menschen, willentlich zu handeln": Designer Patrick Mohr hat seine aktuelle Showinstallation dem Thema Rassismus in der Modebranche gewidmet. Er buchte zehn dunkelhäutige Models, darunter Papis Loveday.

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Letzter Feinschliff: Designer Patrick Mohr richtet den Hut eines Models während seiner Showinstallation. Man müsse sich die Frage stellen, warum überwiegend weiße Models gebucht werden, sagt Mohr. "Man kann die Branche durchaus als rassistisch bezeichnen."

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Papis Loveday und Patrick Mohr sind seit Jahren befreundet. "Papis ist ein sehr spezieller, wunderschöner und faszinierender Mensch", sagt Mohr. "Für mich bringt er etwas rüber, was kein Zweiter hat."

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In Berlin hat Loveday bisher noch nicht als Model gearbeitet, "dazu war nicht genug Geld da", sagt er. Er verdiente mehrere tausend Euro mit einem Auftritt. Der Job für Patrick Mohr sei ein Freundschaftsdienst. Außerdem unterstütze er dessen Botschaft. "Es müssen mehr schwarze Models auf den Laufsteg", sagt Loveday.

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Loveday ist auch durch seinen extravaganten Stil bekannt geworden. Designer lieben ihn, Fotografen lieben ihn, die Presse liebt ihn. Und Loveday liebt das Rampenlicht.

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Im Januar 2013 war Loveday zu Gast auf der Berliner Fashion Week. Dieses Mal will er sich keine Schauen ansehen, das sei Werbung für andere Designer. Und Loveday möchte selbst als solcher Erfolg haben. Seit wenigen Monaten gibt es Jeans seiner Marke.

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Vor drei Jahren ist Loveday nach München gezogen. Er wolle es ruhiger angehen lassen, sagt er. Hier posiert er 2011 in einer Angermaier-Tracht.

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Nach dem Ende seiner Modeltätigkeit hat Loveday ein Parfüm herausgebracht, einen Champagner und jetzt Jeans. Es gibt drei Schnitte für Männer, vier für Frauen und jeweils etwa 20 Waschungen. Er werde in Zukunft als Unternehmer mehr Geld verdienen als zu seinen Modelzeiten, sagt er. "Ganz sicher."

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Mit seinen Schwestern Coumba (l.) und Sally besuchte Loveday die vergangene Fashion Week in Berlin. Lovedays Vater hat 26 Kinder von drei Frauen.

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Loveday bezeichnet sich selbst als Diva: Das sei das Gefühl, "glamorous" zu sein, sagt er. Sich unantastbar zu fühlen. Das erreiche er durch sein Outfit. Hier ist Loveday im Juli 2013 während der Fashion Week Berlin zu sehen.

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Papis Loveday ist ein Künstlername, er hat ihn von einer Freundin übernommen, die tatsächlich Loveday heißt. "Es passt zu mir", sagt er.

Ein Fotograf hatte Badji auf der Rennbahn entdeckt, er schickte Freunden im italienischen Modebusiness die Aufnahmen. Als Badji eine Einladung zum Casting bekam - von Benetton, ausgerechnet - da sagte er ab. Wieso sollten die ihn wollen? Er mochte sich ja selbst nicht. Benetton buchte ihn trotzdem, ungesehen sozusagen, für eine weltweite Kampagne, das Unternehmen zahlte sehr gut. Und Badji nannte sich fortan Loveday, sein Künstlername.

Sein zweites Leben brachte ihn nach ganz oben. 60 Schauen im Jahr, pro Auftritt mindestens 1000 Euro, wenn er exklusiv gebucht wurde 5000 Euro am Tag. Er wurde zum erfolgreichsten schwarzen Model. "Die Bezeichnung habe ich verdient", sagt er. Es ist ein Kompliment. Und eine Einschränkung.

"Haben wir etwa nach Schwarzen gefragt?"

"Meine Hautfarbe war immer Thema", sagt Loveday über seine Karriere. Und erzählt von einem Casting in Mailand, neun Jahre ist es her, es ging um einen Job für ein großes italienisches Label. "Haben wir etwa nach Schwarzen gefragt?", habe der Castingdirektor zu seiner Assistentin gesagt, ohne zu wissen, dass Loveday Italienisch verstand. Er verlangte seine Modelmappe zurück und ging. "Ich will nicht als Schwarzer gesehen werden", sagt Loveday. "Sondern als Beauty."

Wegen des Geldes hat er mit dem Modeln angefangen, wegen des Geldes hörte er vor drei Jahren auf. In der Finanzkrise verdienten männliche Models immer weniger. Wenn er früher 2000 Euro für die Schau bekam, waren es nun nur noch 750.

Loveday stieg aus, München schien ihm der richtige Ort zu sein. Etwas Ruhiges, wo man die Krise nicht spürt, so nennt er das. Berlin? "Hat kein Geld und keinen Glamour. Ich brauche beides", sagt Loveday. Er brachte ein Parfum auf den Markt und organisierte in der Stadt einen wöchentlichen Stammtisch, eine Party mit ihm als Hauptattraktion. Es hätte funktionieren können, das Leben abseits des Laufstegs. Mit seinem Namen, der Geschichte, den Kontakten. Doch dann kam der Koks-Skandal dazwischen.

Champagner und Jeans

Im März 2012 stürmte die Polizei einen von Lovedays Stammtischen im Szene-Club Hanoi, sie fanden Kokain bei ihm. Sechs Monate lang zog er sich zurück, Projekte wurden auf Eis gelegt. Der Paradiesvogel hatte Federn gelassen. Er sagt: "Die Drogen waren Teil meines Lebens."

Ein Teil, mit dem er heute nichts mehr zu tun haben will. "Ich will die verrückte Zeit hinter mir lassen und vieles wieder gutmachen." Er will jetzt Geschäftsmann sein, kein Koks-Model. Das dritte Leben.

Er bringt nun Champagner auf den Markt. Und entwirft seit neuestem Jeans. Es geht ihm jetzt um die Marke Papis Loveday. Und die findet er in dem abgewrackten Haus in Berlin-Mitte gut aufgehoben: Die Anti-Rassismus-Installation von Patrick Mohr passt ins Konzept. In seinen 15 Jahren als Model hat sich Loveday nicht für das Thema stark gemacht. "Da war es vor allem wichtig, dass ich Jobs bekomme." Jetzt müssen andere Dinge wichtig sein.

Noch immer gebe es viel zu wenig Laufstegschauen mit schwarzen Models, sagt Loveday. "Die Designer haben Angst, dass sie dann weniger verkaufen." Es gebe natürlich Ausnahmen. Naomi Campbell beispielsweise sei eine ganz andere Liga. Und ja, er selbst auch. "Mich will jeder sehen."

Rassistisch seien nicht die Modeschöpfer, sagt Loveday. Sondern die Kunden. "Sie schränken sich im Kopf ein. Sie tragen keine Mode, die an Schwarzen vorgeführt wird. Sie denken, an ihnen würde es nicht so gut aussehen." Gold, silber, nude - dunkelhäutige Models könnten einfach alles tragen. "Das haben sie ihren weißen Kollegen voraus", sagt Loveday. Den Designern macht er keine Vorwürfe, sie müssten ihre Mode schließlich verkaufen.

Für Loveday ist nach der Schau von Patrick Mohr Schluss. Er reist zurück nach München, will sich keine anderen Kollektionen ansehen, nicht in der ersten Reihe sitzen und damit Werbung machen für einen anderen Designer. Einen Konkurrenten. "Lagerfeld sitzt auch nicht bei Galliano", sagt Loveday. Und: "Jetzt geht es um meine Marke."



insgesamt 6 Beiträge
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tom_ppp 17.01.2014
1. ich kenne
ihn aus München, netter Typ! Das er Probleme mit Drogen hatte, vor allem bei diesem Business wundert mich nicht. Hatten das nicht alle Models irgendwie?
Awesomeness 17.01.2014
2. Ich bin neidisch
Er sieht wirklich phantastisch aus. Und klug ist er genauso!
the_eagle 17.01.2014
3. Bei Obama ist die Hautfarbe auch immer Thema
aber ich kann nicht erkennen, dass es ihm geschadet hat. Wenn ich gerade in Nigeria arbeite oder nach Indien beordert werde ist auf einmal meine Hautfarbe ein Thema. Ich wüsste nicht, dass es mir geschadet hat. Ich hatte mal einen schwarzen Schulfreund, bei dem war die Hautfarbe nie Thema, weil er seit dem Kindergarten in meiner Gruppe integriert war. Dann - mit dem Wechsel auf die Realschule- wurde es mal Thematisiert, danach wurde ihm Deutschland fremd und er fühlte sich ständig diskriminiert. Es waren meistens die gleichen Mitschüler, die ihn mit seiner Hautfarbe konfrontierten. Disziplinarische Maßnahmen gegen die Rassisten haben nichts gebracht, ein paar Prügeleien auch nicht. Am Ende fühlte er sich nur noch unwohl in der Öffentlichkeit und ist ausgewandert. Ihm hätte es mehr geholfen, wenn man ihm beigebracht hätte, wie man sich gegen solche Anfeindungen wehrt und wie man trotzdem zurecht kommt. Idioten wird es immer geben. Man kann keine Idiotenfreie Gesellschaft fordern. Aber man kann dem Rest beibringen, wie man mit Idioten und Rassisten umgeht. Meine anderen schwarzen Freunde haben damit kein Problem, die können sogar mit mir umgehen.
pretty-in-green 17.01.2014
4. optional
Dichtung und Wahrheit. Selten lagen sie bei einem Spiegel-Artikel weiter auseinander, als in diesem Bericht über das angeblich erfolgreichste schwarze Männermodel. Eine Mär, die sich nur Branchenfremde von Lovedays überaus engagierten Manager auftischen lassen. Hätte sich die Schreiberin doch einfach mal die Mühe gemacht "male black models" bei Google einzugeben. Dann wüsste sie, dass lediglich der Amerikaner Tyson Beckford, und der Brite Rob Evans über den Status des "Supermodels" unter den männlichen "Black Beauties" verfügen. Die Biographie des Herrn Loveday ist so "fake" wie das Gesicht von Gina-Lisa und bewegt sich auch in Bezug auf seine beruflichen Referenzen in etwa auf demselben Niveau. Schnappschüsse von der Berlin Fashion Week als Beleg für eine internationale Karriere? Come on SPON! Und sonst? Ein eigenes Parfum, das es nirgends zu kaufen gibt, wie auch den Champagner nicht, und die wagemutige Behauptung, alle wollten Loveday sehen. Dabei lassen die meisten Einladungen zu den Schicki-Micki-Events seit dem Koks-Fund in dessen Handtäschchen besonders lange auf sich warten. Nun also der Einsatz gegen Rassismus. Zum Auftakt des Gutmenschentums in Kooperation mit "Designer" Patrick Mohr. Selbstlos und für die gute Sache, Na klar! Sind ja auch so "dicke" und "langjährige" Freunde, die beiden. Mann- oh-Mann SPON, das "Fashion-Biz" ist nicht gerade Eure Stärke!
loos 17.01.2014
5. guter Typ
Seit längerem verfolge ich die Kariere von Herrn Loveday... mit allen ups und downs. Eine wahrlich beeindruckende Lebensgeschichte einer beeindruckenden Persönlichkeit.
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