02. Februar 2013, 14:18 Uhr

"Fastnacht in Franken"

Sexbombe Söder

Die "Fastnacht in Franken" ist der Abend, an dem mancher bayerische Politiker die Sau raus lässt - oder genauer: die Sexbombe. Markus Söder beglückte den Saal in Veitshöcheim als Marilyn Monroe und verteilte fleißig Luftküsse. Die politische Konkurrenz setzte auf Comic-Helden.

Hamburg - Die Grünen spotteten einmal über Markus Söder, er spiele nur eine Rolle beim Fasching. Derlei Scharmützel aus dem gegnerischen Lager gehören zum alltäglichen politischen Theater, doch diese Finte wird Söder besonders wenig gejuckt haben - im Gegenteil: Was heißt hier "nur"? Kaum ein Protagonist des politischen Geschäfts weiß die Narrenzeit besser zu nutzen als Bayerns Finanzminister.

Im letzten Jahr brachte er selbst die linke "Tageszeitung" zum Jubeln: "So macht die Eurokrise Fun!" Söder war als Punk nach Veitshöchheim gekommen, einem fränkischen Ort am Main, in dem einmal im Jahr die "Fastnacht in Franken" gefeiert wird. Politiker, Kirchenleute, allmögliche Vertreter wichtiger Institutionen kommen mehr oder weniger verkleidet zusammen und lassen sich von Kabarettisten durch den Kakao ziehen.

Der Bayerische Rundfunk überträgt live, wer das verpasst, kann sich am Abend darauf die Aufzeichnung in voller Länge ansehen. Ein Großereignis!

Und die Geheimhaltung vor dem Fest ist strenger als im Bundessicherheitsrat: Der Überraschungseffekt der Verkleidung soll größtmöglich sein. Das ist auch in diesem Jahr wieder gelungen, und wieder war Söder die meiste Aufmerksamkeit sicher. Er kam als Marilyn Monroe, aufgeklebte Fingernägel, Schminke satt, allmöglicher Klunker, weiße Federboa. Verführerisch wollte er aussehen. Mit Betonung auf wollte.

Trotzdem: Söder hatte wieder einmal alle anderen übertrumpft. Vielleicht fiel die Wahl auf das Kostüm auch erst, nachdem der Herrenwitz über Rainer Brüderle die Runde machte. Söder jedenfalls wollte es auf die Aussage von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bezogen wissen, wonach die Zukunft der CSU weiblich sei. Das Humor-Duo Volker Heißmann und Martin Rassau verstand es so: "Die Transerapid von der CSU." Gut auch für Söder: CSU-Kollege, Ober-Narr und Verkleidungskünstler Günther Beckstein weilte im Urlaub.

Die politische Konkurrenz versuchte es mit zwar aufwendigen Kostümen, die aber recht plumpe Botschaften übermitten sollten: Christian Ude (SPD), der in diesem Jahr in Bayern die Herrschaft der CSU brechen will, kam als weiser Miraculix, sein Fraktionschef Markus Rinderspacher als Obelix, Generalsekretärin Natascha Kohnen als Asterix, Parteichef Florian Pronold als Majestix. Die Underdogs erobern das Reich - na gut.

Ob unter den Politikern die Geheimhaltung tatsächlich so gut funktionierte, schien fraglich, als Christine Haderthauer (CSU) mit ihrem Mann auftrat: Er ging als Cäsar, Bayerns Familienministerin als Kleopatra. So hätten sich Gallier und Römer eine schöne Schlacht liefern können, um die Gunst von Marilyn Söder zum Beispiel. Doch die Prügel kamen von den Kabarettisten, natürlich nur verbal.

Bernd Händel scherzte in Richtung Berliner Flughafen ("Leider ist die Pointe nicht rechtzeitig fertig geworden"), die schon genannten Heißmann und Rassau würdigten, dass Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wieder einmal als Cowboy auftrat: "Sie leiden auch nicht an Genialität." Was umso mehr für Horst Seehofer gelten dürfte: Er kam - ebenfalls wie immer - fast gar nicht verkleidet.

bim


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