Filmpremiere "Diana" Untergang im Kitsch

Was für eine Seifenoper! Regisseur Oliver Hirschbiegel hat Dianas Liebesbeziehung zu einem Herzchirurgen verfilmt, jetzt war Premiere in London. "Ich bin auf ein Schlachtfest vorbereitet", sagte der Deutsche vorher hellsichtig. Tatsächlich: Die Kritiken sind verheerend.

Von , London


Sie war rund um den Globus unter ihrem Vornamen bekannt. Er ein durchschnittlich verdienender Arzt im staatlichen Gesundheitssystem. Sie war eine der meistfotografierten Frauen der Welt. Er ein bescheidener Mann, der das Rampenlicht scheute. Sie war aus dem englischen Hochadel, er ein pakistanischer Muslim. Sie verliebten sich ineinander.

Die Geschichte von Prinzessin Diana und Hasnat Khan klingt so kitschig, sie schreit nach einer Hollywood-Verfilmung. Zu diesem Schluss kam auch Oliver Hirschbiegel, Regisseur aus Hamburg ("Der Untergang"), als er vor zwei Jahren das Drehbuch in die Hand bekam. Erst habe er gezögert, sagt er, weil Diana ihn nie interessiert habe. Doch dann sei er "total überrascht" gewesen, wie viel Potential in dieser Romanze stecke.

Am Donnerstagabend hatte der Film am Leicester Square in London Premiere. Hauptdarstellerin Naomi Watts ("Mulholland Drive") erschien im hautengen weißen Kleid auf dem roten Teppich. Sie habe es sich lange überlegt, bevor sie die Rolle angenommen habe, sagte sie. Aber es sei so eine "uplifting story".

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Filmpremiere in London: Royaler Schmalz
Und die geht so: Im September 1995, Diana lebt schon drei Jahre getrennt von Prinz Charles, lernt sie bei einem Krankenhausbesuch in London den Herzchirurgen Hasnat Khan kennen. Er kümmert sich nicht weiter um die prominente Besucherin, doch ihr Interesse ist geweckt. Jeden Tag besucht die Prinzessin fortan das Krankenhaus, als Vorwand dient ein kranker Freund. Khan zeigt ihr die Klinik, aus der Freundschaft wird Liebe. Das Paar trifft sich heimlich im Kensington Palace, wo Diana immer noch residiert, oder in der kleinen Wohnung des Doktors in Chelsea. Wenn sie ausgehen, etwa ins Ronnie Scott's, Londons bekanntesten Jazzclub, zieht Diana sich eine dunkle Perücke auf. Sie nennt ihn "Mr. Wonderful" und träumt davon, Mrs. Khan zu werden. Sie stellt ihn sogar ihren Söhnen vor, dem damals 14-jährigen William und dem elfjährigen Harry.

Erste Kritiken sind verheerend

Watts spielt die junge Prinzessin als labile Frau, die Halt sucht - und bei dem durch und durch normalen Khan eine gewisse innere Ruhe findet. "Er behandelt mich nicht wie eine Prinzessin", erklärt sie in einer Szene. Die Beziehung endet schließlich, weil die Reporter immer stärker in ihren Alltag eindringen und Khan das Leben in der Öffentlichkeit nicht aushält.

Die ersten Kritiken des Films sind verheerend. "Car Crash Cinema", urteilt der "Guardian" böse - in Anspielung auf Dianas Unfalltod. Die sentimentale Geschichte mit ihren bizarren Dialogen erinnere an eine schlechte Seifenoper. Der "Daily Telegraph" ist nicht minder entsetzt. Zwar spiele Watts Diana ganz passabel und ihre Frisur sei "erstklassig", aber die Handlung sei doch eher "bleiern". Vor allem schaffe es der Film nicht, die Widersprüche Dianas herauszuarbeiten.

Auch die Royalisten auf der Insel reagierten indigniert. Wieder würde mit Dianas Andenken gespielt, sagte Ingrid Seward, Chefredakteurin des "Majesty Magazine", dem Sender Sky News. Sie glaube nicht, dass Dianas Söhne sich den Film anschauen würden. "Es wäre zu schmerzhaft".

Khan: Film basiert auf "Klatsch"

Khan selbst hatte sich bereits vor einigen Wochen in der "Mail on Sunday" zu Wort gemeldet. Er werde sich den Film nicht ansehen, weil er der Beziehung nicht gerecht werde, sagte er. Das Werk basiere auf "Klatsch" von schlecht informierten Bekannten und Familienangehörigen. Er selbst hatte alle Anfragen der Produktionsfirma abgelehnt.

Regisseur Hirschbiegel hatte mit starkem Gegenwind gerechnet. "Ich bin auf ein Schlachtfest vorbereitet", sagte er der "FAZ". Die Person Diana sei eben immer noch mit vielen Emotionen verbunden. Er sei sich aber sicher, dass der Film Khan gefallen würde, schließlich werde er als Gentleman dargestellt.

Pünktlich zum Filmstart haben auch die zahlreichen Verschwörungstheorien wieder Konjunktur, die sich um Dianas Tod ranken. Die Prinzessin war am 31. August 1997 mit ihrem Liebhaber Dodi al-Fayed in Paris mit einem schwarzen Mercedes gegen eine Tunnelwand gekracht und tödlich verunglückt.

Die englischen Boulevardblätter zitieren nun wieder ehemalige Elitesoldaten, die behaupten, ein geheimes Kommando der Militäreinheit SAS habe den Fahrer des Wagens geblendet. Auch Dodis Vater, der frühere Harrod's-Besitzer Mohammed al-Fayed, vertritt seit Jahren die These, sein Sohn und Diana seien vom britischen Geheimdienst ausgeschaltet worden, damit kein Muslim in die Nähe des Throns komme. Alle bisherigen Untersuchungen haben jedoch die offizielle Unfallursache bestätigt: überhöhte Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer.

Hirschbiegels Film dürfte al-Fayed Senior kaum gefallen. Er basiert auf dem Buch "Diana: Her Last Love" von 2001, in dem Dodis Bedeutung im Leben der Prinzessin stark reduziert wird. Die Affäre mit dem milliardenschweren Playboy fängt sie demnach nur aus einem Grund an: Sie will ihren geliebten Herzchirurgen eifersüchtig machen und zurückgewinnen.

"Diana" läuft am 20. September in den britischen Kinos an. In Deutschland startet der Film am 9. Januar 2014.



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insgesamt 4 Beiträge
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freethefreedomofpress, 06.09.2013
1. Ellie Parker
Nach ihrer Rolle in "Movie 43" zählt Naomi Watts zu den gescheiterten Gesichtern unter den Hollywood "Idolen"
christian simons 06.09.2013
2.
Vergleichbar mit Roland Emmerich, der es sich mit seinen Filmen zur Lebensaufgabe gemacht hat, amerikanischer als die Amerikaner zu sein, zieht nun Hirschbiegel offenbar eine ähnliche Nummer mit den Briten ab. Nur sehr revanchistisch veranlagte Menschen bei uns genießen in diesem Zusammenhang die Rache für den anglo-amerikanischen Stauffenberg-Film mit Tom Cruise. :-)
Celegorm 06.09.2013
3.
Zitat von freethefreedomofpressNach ihrer Rolle in "Movie 43" zählt Naomi Watts zu den gescheiterten Gesichtern unter den Hollywood "Idolen"
Komische Haltung. Sind Hugh Jackman und all die anderen bekannten Namen, die in dieses Machwerk involviert waren, auch "gescheiterte Gesichter" (was auch immer das genau sein soll..)? Zumal für ein konzeptionelles Versagen eines Filmes zuerst einmal Regie, Drehbuch und Produktion die Verantwortung tragen, ein Darsteller kann da wenig ausrichten und dementsprechend höchstens für eine schlechte Rollenwahl kritisiert werden. Angesichts all der anderen Stars in dem spezifischen Film scheint es aber kaum ein offensichtlicher Flop gewesen zu sein - Idee und Ergebnis sind halt nicht immer identisch. Insofern ist es erst recht ein Unding, jemanden auf einen Film zu reduzieren, gerade wenn sonst durchaus einige sehr gute Leistungen vorliegen..
spassamarbeiten 06.09.2013
4.
Wir können vieles in Deutschland - aber wir können kein Film . Punkt. Oliver Hirschbiegel kann weder Bilder inszenieren, noch Geschichten erzählen, noch Spannung erzeugen - und ganz offensichtlich bei diesem grandiosen Rundumschlag vernichtender Kritiken aus einem Land die vieles nicht können, aber Film das können sie, wird er wieder zurück zum TV Bild kommen um Soko oder den Landarzt zu machen. Besser wärs
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