Finanzskandal: König Juan Carlos distanziert sich von Schwiegersohn

Iñaki Urdangarín muss draußen bleiben: Weil der Schwiegersohn von Spaniens König Juan Carlos in einen Finanzskandal verwickelt sein soll, darf er künftig nicht mehr an offiziellen Anlässen des Königshauses teilnehmen. Der frühere Handballprofi beteuert seine Unschuld.

Spanisches Königshaus: Urdangarín muss draußen bleiben Fotos
AFP

Madrid - Der Schwiegersohn von Spaniens König Juan Carlos, Iñaki Urdangarín, steht im Verdacht, als Präsident einer gemeinnützigen Stiftung etwa sechs Millionen Euro Steuergelder veruntreut zu haben. Damit ist der Herzog von Palma de Mallorca das erste Mitglied der königlichen Familie, das unter Anklage gestellt werden könnte.

So weit ist es zwar noch nicht. Doch schon jetzt bekommt der frühere Profi-Handballer die ersten Konsequenzen zu spüren: Urdangarín wird vorerst nicht mehr an offiziellen Aktivitäten des Königshauses teilnehmen. Darauf hätten sich der Monarch und der Ehemann der Königstochter Cristina verständigt, teilte der Zarzuela-Palast am Montag mit. Am Samstag hatte Urdangarín mitgeteilt, er bedauere den "Schaden", den die königliche Familie durch diesen Fall erlitten habe. Zugleich beteuerte er jedoch seine Unschuld.

Nach Ermittlungen der Sonderstaatsanwaltschaft für Korruptionsdelikte besteht der Verdacht, dass Urdangarín als Präsident der gemeinnützigen Stiftung mit einem Partner Millionensummen von den Regionalregierungen auf den Balearen und in Valencia kassiert haben soll. Die Stiftung soll Kongresse zu völlig überhöhten Preisen veranstaltet und fiktive Rechnungen für erfundene Dienstleistungen ausgestellt haben. Einen Teil der Einnahmen soll Urdangarín nach Angaben der Ermittler in eigene Firmen geschleust haben.

Der Verwaltungschef des Königshauses, Rafael Spottorno, bezeichnete das Verhalten Urdangaríns als "nicht vorbildhaft". Er kündigte an, dass der Palast bei seinen Finanzen künftig mehr Transparenz walten lassen werde - dies gilt in Spanien als Novum. Bislang war es ein Staatsgeheimnis, welche Mittel die einzelnen Mitglieder der königlichen Familie erhalten.

Finanzskandal als Gefahr für den Monarchen

Die Ankündigung, die wichtigsten Ausgabeposten künftig auf einer Homepage offenzulegen zeigt, wie sehr die Finanzaffäre um Urdangarín dem Monarchen zu schaffen macht. Seit Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem die Medien nicht über die Geschäfte des königlichen Schwiegersohns berichten. Einige Kommentatoren sehen in der Affäre gar eine Gefahr für die spanische Monarchie, deren Ansehen in letzter Zeit ohnehin gesunken ist. "Vielleicht wäre es das Beste, wenn der König zugunsten des Kronprinzen Felipe abdanken würde", meint der Schriftsteller Xavier Bru de Sala in einer Kolumne der Zeitung "El Periódico de Catalunya".

Die Affäre ist für das Königshaus auch aus einem anderen Grund heikel: Prinzessin Cristina, 46, ist Teilhaberin einiger Firmen, auf deren Konten Urdangarín Gelder geschleust haben soll. Die Justiz betonte jedoch kürzlich, die Ermittlungen richteten sich nur gegen Urdangarín und nicht gegen dessen Frau. Danach befragt, ob Cristina künftig ebenfalls keine offiziellen Termine für das Königshaus mehr wahrnehmen werde, sagte Spottorno: "Das wird man sehen."

Urdangarín ist seit 1997 mit Prinzessin Cristina de Borbón verheiratet, die beiden haben vier gemeinsame Kinder. Die Familie lebt momentan in Washington, wo Urdangarín bei der spanischen Telekommunikationsfirma Telefónica arbeitet. Von 1986 bis 2000 war der 43-Jährige als Handballspieler beim FC Barcelona aktiv. Mit seiner Mannschaft gewann er zweimal die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen.

aar/dpa/AP

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insgesamt 6 Beiträge
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1.
GinaBe 12.12.2011
Nun, es wird Zeit, daß prominente Europäer Korruption und Betrug öffentlich nicht mehr billigen und selbst innerhalb von Familie und Partei gegebenenfalls nicht mehr zu decken bereit sind. Nur so kann es doch noch möglich werden, ein neues Europa zu bauen mit einer funktionierenden Gesellschaft, in der nicht jeder in die eigene Tasche wirtschaftet auf Kosten der Allgemeinheit.
2. Da hat er...
fatherted98 12.12.2011
Zitat von sysopIñaki Urdangarín muss draußen bleiben: Weil der Schwiegersohn von Spaniens König Juan Carlos in einen Finanzskandal verwickelt sein soll, darf er künftig nicht mehr an offiziellen Anlässen des Königshauses teilnehmen.*Der frühere Handball-Profi beteuert seine Unschuld. Finanzskandal: König Juan Carlos distanziert sich von Schwiegersohn - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,803177,00.html)
...aber Schwein gehabt. Statt weiterhin an den irre langweiligen Offiziallien von hochnäßigen Königs teilnehmen zu müssen, kann er sich nun mit einem Drink an den Strand legen und sein Leben genießen...alles hat auch seine gute Seiten.
3. Los borbones
Stäffelesrutscher 12.12.2011
a los tiburones.
4. Fischfutter?
Emil Peisker 12.12.2011
Zitat von Stäffelesrutschera los tiburones.
Nur wegen des Wortspiels ?
5. Das ...
Stäffelesrutscher 12.12.2011
Zitat von Emil PeiskerNur wegen des Wortspiels ?
... müssen Sie die Spanier fragen, die damit seit Jahren gegen die Monarchie protestieren.
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