Manti Te'o: Falsche Freundin eines Footballstars

Manti Te'o: Getäuschter Footballstar Fotos
AFP

Manti Te'o gilt als eines der größten Football-Talente der USA. Sein Schicksal rührte die Nation - innerhalb eines Tages starben seine Oma und seine Freundin. Jetzt kommt heraus: Die vermeintliche Partnerin gab es gar nicht. Was steckt dahinter?

South Bend - Manti Te'o war eigentlich nur ein Student - und trotzdem ein Star. Der 21-Jährige spielte an der traditionsreichen Universität Notre Dame, erreichte das Finale um die College-Meisterschaft gegen die Universität von Alabama vor wenigen Tagen. Te'o gehörte zu den Finalisten bei der Wahl zum besten Uni-Footballer, galt auch wegen seines tiefen Glaubens als Vorbild für die Jugend Amerikas.

Doch das Bild des amerikanischen Posterboys hat Risse bekommen. Te'o ist jetzt bestenfalls noch ein allzu gutgläubiger Tölpel.

Die Geschichte von Te'os Fall beginnt im September. Notre Dame hatte einen überraschend guten Saisonstart hingelegt. Dann bekam Te'o am 12. September die Nachricht, seine 72-jährige Großmutter Annette Santiago sei tot. Wenige Stunden darauf wurde ihm mitgeteilt, seine Freundin Lennay Kekua sei an Leukämie gestorben.

Am 15. September zeigte Te'o beim 20:3-Sieg gegen Michigan State eine seiner besten Saisonleistungen. Er hatte seinen Trainer Brian Kelly über die Todesfälle informiert, und dieser hatte die Nachricht an die Medien weitergegeben. Sie griffen die rührselige Geschichte vom Football-Ass, das trotz persönlicher Schicksalsschläge alles für das Team gibt, dankbar auf.

Die vermeintliche Freundin existiert nur online

Football ist der beliebteste TV-Sport in den USA. Die Grenze zwischen Sport und Unterhaltung verschwimmt, auch im Milliardengeschäft College Football. Und Te'o verkörperte die perfekte Kombination von menschelndem Herzschmerz und sportlichem Helden. Am 2. Oktober sagte Te'o in einem Interview, Kekuas letzte Worte an ihn seien "Ich liebe dich" gewesen. Kekua sei "das schönste Mädchen gewesen, das ich je getroffen habe".

Te'os Geschichte war zu gut, um sie nicht zu glauben.

Nun ist sie in sich zusammengefallen. Die Website deadspin.com hat einen langen Artikel veröffentlicht, wonach Te'os vermeintliche Freundin gar nicht existiert. Über den Tod einer Lennay Kekua gebe es keine Unterlagen bei der Sozialversicherung, keine Begräbnisanzeige, keinen Nachruf. Die Uni Stanford, an der Kekua ihren Abschluss gemacht haben soll, hat keinerlei Unterlagen zu einer Person dieses Namens.

Die Universität Notre Dame und Te'o haben den Bericht bestätigt. Kekua habe lediglich online existiert, hieß es in einer Mitteilung der Hochschule. Sie habe sich bei Te'o beliebt gemacht, mit anderen konspiriert und ihn glauben lassen, sie sei an Leukämie gestorben. Laut Deadspin zeigen angebliche Fotos von Kekua tatsächlich eine ganz andere Frau, die keine Leukämie hat und der Te'o niemals begegnet ist.

Die Universität sieht Te'o als Opfer - und er sich selbst auch. Es habe sich um einen sehr ausgefeilten bösen Scherz gehandelt, dessen Gründe noch unklar seien, aber eine gewisse Grausamkeit aufwiesen, hieß es von Notre Dame. "Am traurigsten macht mich, dass er (Te'o, d. Red.) der vertrauenvollste Mensch ist, dem ich je begegnet bin", sagte Notre Dames Jack Swarbrick, zuständig für alle sportlichen Aktivitäten an der Uni. "Er wird nie wieder so vertrauen können. Das ist eine unglaubliche Tragödie."

"Schmerzhaft und demütigend"

Te'o teilte mit, er habe Kekua niemals persönlich getroffen. Aber er habe eine emotionale Verbindung zu ihr entwickelt. "Ich dachte, wir hätten eine authentische Beziehung, wir haben häufig online und am Telefon kommuniziert", heißt es in seiner Mitteilung. Es sei schmerzhaft und demütigend, Opfer eines kranken Witzes und ständiger Lügen geworden zu sein.

War Te'o wirklich bloß zu gutgläubig? Oder ist es zu einfach, ihn nur als Opfer einer bösen Verschwörung darzustellen?

Noch ist unklar, wer hinter Kekua steckt. Laut Deadspin könnte es Ronaiah Tuiasosopo sein. Er und Te'o tauschten sich über Twitter aus. Tuiasosopo ist ein ehemaliger Mitschüler der 22-Jährigen, deren Foto für Kekuas Twitter-Account verwendet wurde. Der Sender ESPN berichtete, eine Quelle an der Uni gehe nicht davon aus, dass Te'o beteiligt gewesen sei. Aber ein Freund Tuiasosopos sagte Deadspin, er sei sich "zu 80 Prozent sicher", dass Te'o eine Rolle gespielt und es auch auf Publicity abgesehen habe.

In dem obskuren Fall stellen sich viele Fragen.

  • Wie führt man eine Beziehung zu einer Frau, die man noch nie gesehen hat?
  • Wie telefoniert man mit ihr - wie es Te'o laut eigener Aussage tat -, wenn sie gar nicht existiert?
  • Und warum machten Te'o und die Universität den Fall erst öffentlich, nachdem Deadspin am Mittwoch darüber berichtet hatte?

Vieles sei noch unklar, schreibt die "New York Times" - etwa, ob Te'o veräppelt worden oder irgendwie an der Lügengeschichte über eine verstorbene Freundin beteiligt gewesen sei. Verwunderlich ist zumindest das Timing Te'os und der Universität. Es ist bekannt, dass sie bereits am 26. Dezember Bescheid wussten. Notre Dame leitete sofort eine Untersuchung ein, um mehr über den schlechten Scherz zu erfahren. Am 4. Januar lieferten die von der Uni beauftragten privaten Ermittler ihren Bericht ab. Er soll nicht veröffentlicht werden.

Und dennoch ließen die Universität und Te'o Medienanfragen und Berichte über die Geschichte unwidersprochen stehen - auch in der Woche vor dem College-Finale am 7. Januar, das Notre Dame gegen Alabama 14:42 verlor. Noch am 3. Januar wurde Te'o gefragt, ob ihm die Aufregung des bevorstehenden Endspiels helfe, die Schicksalsschläge zu vergessen. Seine Antwort: "Ich denke, immer, wenn man Football spielt, lenkt das von vielen Dingen ab."

Der Verdacht liegt zumindest nahe, dass die positive und emphatische Berichterstattung über den Footballstar den Beteiligten sehr gelegen kam. Swarbrick sagt, vor der Veröffentlichung des Deadspin-Artikels habe Te'os Familie geplant, in der kommenden Woche eine Mitteilung zu dem Thema herauszugeben. Es habe keinen Versuch gegeben, die Geschichte zu verheimlichen.

Rückblickend, so Te'o, "hätte ich viel vorsichtiger sein sollen". Seinem sportlichen Wert hat die Geschichte nicht geschadet. Er gilt noch immer als einer der begehrtesten Kandidaten im kommenden Draft, der Auswahl von Nachwuchsspielern durch Profiteams.

ulz/Reuters

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1.
vogel0815 17.01.2013
Zitat von sysopManti Te'o gilt als eines der größten Football-Talente der USA. Sein Schicksal rührte die Nation - innerhalb eines Tages starben seine Oma und seine Freundin. Jetzt kommt heraus: Die vermeintliche Partnerin gab es gar nicht. Was steckt dahinter? Footballer Manti Te'o unterhielt Beziehung zu fiktionaler Freundin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/footballer-manti-te-o-unterhielt-beziehung-zu-fiktionaler-freundin-a-878114.html)
Wieso schnüffelt man in seinem Privatleben umher? Dieser Mann soll durch seine spielerische Leistung überzeugen und nicht über Tächtelmächtel. Aber ich vermute, es handelt sich hier um gewisse "Verklemmungen" !
2.
HaioForler 17.01.2013
Emotionale Anteilnahme = Werbeeinnahmen. Mit Methode gefaked. Eine "Story" halt. Wie damals Paul Potts. Als dieser an jenem Abend bei Britains got talent sang, sah der kritische Beopbachter, dass es abgesprochen war und die freudige Ueberaschung der "Juroren" nur gespielt. Man schaue sich nur die Blicke des "Juroren" an. Wie hiess nochmal die russische Girlieband, die auf lesbisch tat? War von vornherein ziemlich durchsichtig, dass damit nur ein Trend fuer die Gazetten konstruiert werden sollte.
3.
John.Wuk 17.01.2013
Ähem? Dient dieser Artikel dazu, die freie Zeit zwischen zwei Dschungel-Camp-Folgen zu füllen?
4. optional
twister-at 17.01.2013
Wie führt man eine 'Beziehung zu einer Frau, die man noch nicht gesehen hat? Dss das eine Frage ist, zeigt, dass das Internet und Co. wohl bei manchen noch nicht angekommen sind - für emotionale Bande benötigt man kein persönliches Treffen. Wenn das virtuelle Gegenüber Empathie zeigt und man sich sympathisch ist, entstehen Bindungen, auch wenn der andere sich nicht zeigt. Wenn dann herauskommt, dass der andere letztendlich nur einen blöden Scherz mit einem vornahm ist das, gelinde gesagt, enttäuschend und auch sehr traurig. Das bezieht sich jetzt nicht auf den Fall spezifisch, aber die Frage erscheint mir komisch
5. No business like showbusiness
zappa99 17.01.2013
Fakes auf allen Ebenen, das ist doch ein alter Hut.
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