Fotograf Toscani Schock-Kampagne gegen Magersucht

Aufregung in Italien: Der durch seine umstrittenen Benetton-Werbekampagnen berühmt gewordene Fotograf Oliviero Toscani sorgt mit Schockfotos zum Thema Magersucht für Trubel. Denn das Bild stößt selbst bei Betroffenen auf Kritik.


Rom - Eine heute von der Zeitung "La Repubblica" auf zwei Seiten veröffentlichte Anzeige der italienischen Modemarke "No-l-ita" zeigt den völlig ausgemergelten nackten Körper eines magersüchtigen jungen Mädchens. Die von Toscani fotografierte Kampagne gegen Anorexie soll später mit Unterstützung des Gesundheitsministeriums in den Städten auf Plakatwänden fortgesetzt werden.

Anzeige gegen Magersucht: "Übertrieben krass"
AFP

Anzeige gegen Magersucht: "Übertrieben krass"

"Seit Jahren schon interessiere ich mich für das Problem. Wer ist für die Magersucht der Mädchen verantwortlich? Die Medien allgemein, das Fernsehen, die Mode. Umso interessanter ist es, dass ausgerechnet eine Modemarke das Problem begreift, es angeht und diese Kampagne unterstützt", sagte Toscani der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.

Als "übertrieben krass" kritisierte hingegen Fabiola De Clercq, die Präsidentin eines Verbandes zur Erforschung der Magersucht, die Aufnahme: "Diese Kampagne macht so keinen Sinn", sagte sie. Ein derart krankes Mädchen gehöre in die Therapie. Die Werbung zeige die Schwere des Leidens nicht und könne keine positive Wirkung haben.

Nach dem Hungertod eines Models hatten Regierung, Modeverbände und die Organisatoren der italienischen Modenschauen Ende vergangenen Jahres ein Manifest gegen Magersucht verfasst. Es verbietet unter anderem die Teilnahme von Models unter 16 Jahren an den italienischen Modeschauen und verlangt von allen Teilnehmerinnen ein ärztliches Attest, dass sie unter keiner Essstörung leiden.

jdl/AFP/dpa



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