Französische Schauspielerinnen in #MeToo-Debatte "Es ist Zeit zu handeln"

Erst "Time's Up", jetzt "Now We Act": Mehr als hundert Schauspielerinnen und Filmschaffende aus Frankreich haben eine Initiative für die Opfer sexueller Belästigung ins Leben gerufen.

AP

Kurz nach Gründung der Hollywood-Kampagne "Time's Up" wollen französische Schauspielerinnen und Filmschaffende den Opfern sexueller Gewalt nun ebenfalls ihre Loyalität aussprechen. Die Initiative "Now We Act" ist ein Spendenaufruf für Frauen, die unter sexueller Belästigung leiden und so nun die Möglichkeit bekommen sollen, juristisch gegen die Täter vorzugehen.

Mehr als hundert Frauen sind an der Kampagne beteiligt, darunter Clemence Poesy, Julie Gayet, Vanessa Paradis and Diane Kruger. Kruger stammt zwar nicht aus Frankreich, lebt aber zeitweise dort. Um den Opfern ihre Loyalität zu zeigen, wollen die Frauen diese Woche auf einer Preisverleihung weiße Bänder an ihren Kleidern tragen.

"Es ist Zeit zu handeln", heißt es in dem Aufruf. "Lasst uns diejenigen unterstützen, die konkrete Schritte unternehmen, so dass niemand mehr #MeToo sagen muss."

Antwort auf Catherine Deneuve

"Now We Act" wirkt wie eine Antwort auf einen offenen Brief, den Filmstar Catherine Deneuve und 99 weitere Schauspielerinnen in der Zeitung "Le Monde" veröffentlicht hatten. Darin beklagen die Frauen einen neuen "Puritanismus" und attackieren die Urheberinnen der #MeToo-Debatte: Die Veröffentlichung von Männernamen führe dazu, dass viele auf eine Stufe mit Sexualstraftätern gestellt würden. Die "Freiheit zu belästigen" sei aber "unerlässlich für die sexuelle Freiheit".

"Vergewaltigung ist ein Verbrechen", heißt es in dem Text. "Aber eine beharrliche oder ungeschickte Anmache ist nicht strafbar." Heute würden Männer "zur Kündigung gezwungen, deren einziges Vergehen es ist, ein Knie berührt oder einen Kuss erhascht zu haben".

Deneuve entschuldigte sich danach zwar bei den Opfern sexueller Belästigung, verteidigte aber zugleich die Aussagen, die sie und die anderen Frauen in dem offenen Brief getätigt hatten.

Die "Time's Up"-Kampagne war in den USA nach dem Weinstein-Skandal ins Leben gerufen worden. Bei der Verleihung der Golden Globes hatten Frauen auf dem roten Teppich schwarz getragen, um ihre Anteilnahme auszudrücken.

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Roter Teppich der Golden Globes: Women in Black

Die Kampagne "Now We Act" geht mit einer Debatte in Frankreich einher, ob Geldstrafen für sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum verhängt werden sollten, etwa das sogenannte Catcalling. Laut einem Antrag der Gleichstellungsministerin Marlene Schiappa, der am Mittwoch der Regierung vorgelegt werden soll, müssten Täter bis zu 90 Euro Strafe zahlen.

vik/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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manbleibtman 28.02.2018
1. Frau Deneuve
spricht es endlich mal aus. Blöde, peinliche oder ungeschickte Anmache muss man aushalten. Männer überings auch. Vergewaltigung muss bestraft werden.
Horst-Güntherchen 28.02.2018
2. Schöne neue Welt
Wenn sich dieser Gesetzesentwurf, angetrieben durch diese heuchlerischen, selbstgefälligen "Stars" durchsetzt, bekommt Frankreich amerikanische Verhältnisse, in denen man als Mann sich nicht mehr traut, allein in einem Raum mit einer Frau zu sein oder einen längeren Blickkontakt als 2 Sekunden zu halten.
frank.huebner 01.03.2018
3. Neues gesellschaftliches Pflichtspiel?
Mir scheint, dass die Teilnahme an solchen Aktionen inzwischen ein gesellschaftlicher Pflichttermin für Schauspielerinnen bzw Prominenten ist. Klar, wenn es Vergewaltigungen gab müssen, diese gerichtlich verfolgt werden. Aber bitte, nicht erst jetzt, nach teils 10 oder 20 Jahren. Wenn die Frau es als Verbrechen empfunden hat, dann sollte es selbstverständlich sein, dass sie zur Polizei geht. Ach nein, das hätte die Karriere zerstört? Nun, wenn man die eigene Karriere für wichtiger erachtet als die Verfolgung eines Verbrechens, dann ist die Priorität ja klar. Und nun möge der Shitstorm über mich hereinbrechen....
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