Verbaler Fehltritt Co-Trainer Flick empfiehlt "Stahlhelme" gegen Freistöße

Vor Kriegsmetaphern im Fußball wird gewarnt. Jetzt hat Hansi Flick diesen Ratschlag mit Blick auf das Spiel gegen Portugal offenbar vergessen. Gegen Freistöße des Gegners empfahl der Co-Trainer von Joachim Löw: "Stahlhelme aufsetzen, groß machen."

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Danzig - Hansi Flick ist wahrlich nicht als Sprücheklopfer bekannt. Der Co-Trainer der Fußballnationalmannschaft gilt eher als ein Mann im Hintergrund, als stiller, aber sehr akribischer Arbeiter. Bei der Pressekonferenz vor der Abreise des deutschen Teams von Danzig ins ukrainische Lwiw vergriff er sich nun jedoch bei seiner Wortwahl.

Eigentlich ging es einem Journalisten bei der Pressekonferenz am Freitag nur um die Frage, wie sich die deutsche Mannschaft bei ihrem EM-Auftaktspiel gegen Portugal am Samstag gegen Freistöße in der Nähe des Tors wappnen will. Bei seiner Antwort schlug Flick indes sehr martialische Töne an. "Stahlhelme aufsetzen, groß machen", heißt es dem Co-Trainer zufolge, falls Superstar Cristiano Ronaldo doch antreten sollte.

Am Nachmittag veröffentlichte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Entschuldigung von Flick: "Es tut mir leid, wenn Irritationen durch eine unglückliche Bemerkung von mir entstanden sind. Es war ein Versprecher, der keine falschen Eindrücke aufkommen lassen sollte." Es sei sonst nicht seine Art, sich mit militärischem Vokabular zu sportlichen Sachverhalten zu äußern, so Flick. "Ich entschuldige mich für meine Ausdrucksweise bei der Pressekonferenz und ärgere mich selbst am meisten darüber, weil ich weiß, wie sensibel wir mit dieser Thematik umgehen."

Kriegsmetaphern sind ohnehin mit Vorsicht zu gebrauchen - aber besonders ein Deutscher in Polen sollte sich der Tragweite einer solchen Äußerung und der historischen Hintergründe bewusst sein und besser auf seine Wortwahl achten.

Zudem hat der Begriff politische Bedeutung. Der Stahlhelm wurde nicht nur von deutschen Soldaten getragen, es war auch der Name eines paramilitärischen Verbands, der nach Ende des Ersten Weltkriegs gegründet worden war. Der Wehrverband stand in eindeutiger Opposition zum politischen System der Weimarer Republik. 1934 wurde er organisatorisch in die Sturmabteilung (SA) eingegliedert.

Bislang zeigten die DFB-Delegation sich sehr bemüht um einen sensiblen Umgang mit der Vergangenheit. Eine Gruppe hatte vor einer Woche der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Vertreter des DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL) besuchten am 1. Juni die Holocaust-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Neben Bundestrainer Joachim Löw nahmen unter anderem Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm, Miroslav Klose und Lukas Podolski teil. Sie legten einen Kranz vor der ehemaligen Todeswand ab, an der die Nationalsozialisten Tausende politische Häftlinge erschossen hatten. In Birkenau wurden während des Zweiten Weltkriegs rund 1,3 Millionen Menschen ermordet, die meisten von ihnen Juden.

siu/sid



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