G20-Unterkunft des US-Präsidenten Trumps Tempel

Eine Villa an der Hamburger Außenalster wird beim G20-Gipfel wohl das Zuhause des US-Präsidenten. Im Senatsgästehaus nächtigten schon etliche Besucher von Weltrang, die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm.

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Die Adresse klingt vielversprechend: Schöne Aussicht 26. Eine schöne Aussicht auf die Außenalster bietet die dort stehende Kaufmannsvilla in der Tat. Und in wenigen Tagen darf sie wohl auch der US-Präsident genießen: Donald Trump, darauf deutet alles hin, wohnt während des G20-Gipfels im Gästehaus des Hamburger Senats.

Offiziell bestätigen will das niemand, wenngleich Deutschlands Protokollchef für den Gipfel zumindest indirekt die letzten Zweifel zerstreut: "Das Hamburger Gästehaus des Senats ist so verblieben, wie es ist", sagte Jürgen Christian Mertens zuletzt in einem Interview. Die amerikanische Seite schätze die großzügige Geste des Senats sehr, das Haus zur Verfügung zu stellen. Schon seit Tagen patrouillieren rund um die klassizistische Villa schwer bewaffnete Polizisten - zu Lande und zu Wasser.

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Hamburger Senatsgästehaus: Wo der US-Präsident wohnt

Das auf zweieinhalb Stockwerken mit repräsentativen Räumen ausgestattete Gästehaus liegt an einem Nebenbecken der Außenalster, dem Feenteich. Seit 1965 ist es der "Unterbringung hoch- und höchstrangiger Gäste der Stadt" gewidmet, 1986 wurde es für knapp 2,5 Millionen Mark grunderneuert - federführend soll die damalige Bürgermeistergattin Christa von Dohnanyi gewesen sein. Im ersten Obergeschoss gibt es vier Schlafzimmer, im zweiten Obergeschoss drei weitere.

In den Genuss der hell möblierten Räume, der Stuckornamente und Kronleuchter kamen in der Vergangenheit vor allem Besucher von Weltrang. Im Durchschnitt gibt es laut Senatssprecher Jörg Schmoll zwei Übernachtungsbesuche pro Monat, im vergangenen Jahr etwa von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Hinzu kommen demnach etwa drei Veranstaltungen pro Woche. Die ersten Staatsgäste waren vor 52 Jahren die britische Queen Elizabeth und ihr Mann Philip, es folgten seitdem unter anderem:

Die Menge der Anekdoten aus den vergangenen Jahrzehnten ist enorm, wie unter anderem eine Recherche der "Welt" ergeben hat: Demnach musste etwa für den viereinhalb Zentner schweren König von Tonga einst das Bett verstärkt werden; und während der Kanzlerschaft von Helmut Schmidt soll es im Gästehaus häufig Geheimtreffen mit Politikern gegeben haben.

Erbaut wurde das Haus 1868 nach Plänen des Hamburger Architekten Martin Haller für den Baumaterialienhändler Friedrich Krogmann. Heute dient es nicht nur der Übernachtung wichtiger Gäste: Unternehmer werden dort zu Investitionen bewegt, Kulturschaffende für Hamburg begeistert, Journalisten über Pläne des Senats informiert, Ehrenbürger mit Lobeshymnen überhäuft. Im November vergangenen Jahres etwa würdigte die Stadt dort Uwe Seeler zum 80. Geburtstag mit einem Senatsfrühstück - einem traditionellen Festmahl unter der Leitung von Bürgermeister Olaf Scholz.

Für Trump bietet sich das Gebäude aus Sicherheitsaspekten an: Da es auf einer Landzunge zwischen Außenalster und Feenteich steht, kann sich kaum jemand unerkannt nähern. Die US-Sicherheitskräfte und deutsche Polizisten können es besser schützen als ein Hotel in der Innenstadt, wo mit Krawallen von Gipfelgegnern gerechnet wird.

Der einzige Wasserweg zum Feenteich ist der Uhlenhorster Kanal, ihn sollen während des Gipfels laut "Bild"-Zeitung Spezialeinheiten sichern. Auf der Außenalster sollen zudem Polizeiboote kreuzen. Auf der gegenüberliegenden Uferseite befindet sich das US-Generalkonsulat, dort wird demnach Trumps Stab untergebracht.

Deutlich näher liegt hingegen das Generalkonsulat eines anderen G20-Teilnehmers: Die Vertretung Russlands liegt direkt auf der anderen Seite des Feenteichs. Wie passend, will Trump seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin ja ohnehin während des Gipfels erstmals zum persönlichen Gespräch treffen.

mxw



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