Treffen mit Syrien-Flüchtlingen in Berlin Wir Clooneys sind auch nur Migranten

George und Amal Clooney haben in Berlin Flüchtlinge aus Syrien getroffen und jetzt ein Video davon veröffentlicht. Es sind bewegende Berichte.


Bomben, Folter, Flucht: Anlässlich des fünften Jahrestages des Syrienkonfliktes wollte die Flüchtlingshilfsorganisation International Rescue Committee (IRRC) auf die Nöte und Sorgen der Migranten aufmerksam machen.

Dafür holte sie sich prominente Unterstützung: US-Schauspieler George Clooney und seine Frau, die Menschenrechtsaktivistin und Anwältin Amal Clooney, trafen sich während ihres Aufenthalts in der deutschen Hauptstadt mit syrischen Flüchtlingen und ließen sich dabei filmen.

Zwanglos kam man im kleinen Kreis zusammen, entdeckte Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die Berichte der Flüchtlinge ließen aber schnell jede Leichtigkeit im Gespräch schwinden. Ein Syrer berichtete, wie er als politischer Gefangener in einem Gefängnis von Diktator Assad festgehalten und gefoltert wurde, "Elektroschocks, Schläge und so weiter". Er habe auch Drohungen via Facebook erhalten, "dass man mich köpfen will".

Eine Frau berichtete in bewegenden Worten von einer Bombardierung. "Ich saß in einer Ecke und bereitete mich darauf vor zu sterben", sagte sie. Ihre beiden Kinder hätten gezittert, sie habe versucht sie zu beruhigen. "Alles, worauf ich in diesem Moment hoffte, war, dass wir durch Kugeln sterben und nicht geköpft werden. Das wäre Gottes Gnade gewesen."

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Clooney treffen Flüchtlinge: "Elektroschocks, Schläge und so weiter"

"Schockierend ist nicht, dass es passiert, sondern, dass es weiterhin passiert, seit fünf Jahren", sagte George Clooney über die Situation in Syrien. Seine Frau Amal berichtete, dass sie selbst in den Achtzigerjahren mit ihrer Familie aus dem Libanon nach Europa fliehen musste. Glücklicherweise seien sie dort aufgenommen worden. Ihr Vater lebe inzwischen wieder in Beirut, sagte Clooney an die Flüchtlinge gewandt. "Ich hoffe, dass auch Sie eines Tages sicher in ein freies Syrien zurückkehren können."

Clooney betonte, seine Familie sei irischer Herkunft und habe daher in den USA ebenfalls Migrantenstatus gehabt. "Das ist es, was unser Land ausmacht - es ist ein Land der Migranten." Diese Tatsache müsse man sich immer wieder vor Augen führen.

Eineinhalb Stunden sprachen die Clooneys mit den Flüchtlingen, die Begegnung wurde aufgezeichnet und nun ein Video davon im Netz veröffentlicht. Man wolle eine Botschaft der Hoffnung senden, hieß es auf der Facebook-Seite des Veranstalters International Rescue Committee (IRRC), einer internationalen Hilfsorganisation für Flüchtlinge und Kriegsopfer, die in mehr als 30 Staaten aktiv ist. Präsident des IRRC ist der ehemalige britische Außenminister David Miliband, der ebenfalls in Berlin dabei war.

Im Gespräch mit dem Ex-Politiker sagte Clooney: "Es ist einfach, gewaltige Zahlen von Flüchtlingen wegzuschicken, aber es ist sehr hart, ein kleines Kind wegzuschicken, das auf dem Boden sitzt und weint, wenn seine Mutter die Geschichte der Flucht erzählt, wie sie nach ihrer Tochter gegriffen und gesagt hat: 'Wenn ich sterbe, möchte ich durch eine Kugel sterben, weil das schneller geht'."

Die Clooneys hatten sich Mitte Februar im Berliner Kanzleramt überraschend mit Angela Merkel getroffen, um über die Flüchtlingspolitik zu sprechen. Der Schauspieler äußerte sich dabei positiv über Merkels Ansatz: "Ich bin absolut einverstanden damit." Die USA allerdings müssten sich mehr engagieren.

ala

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