Gérard Depardieu Freie Fahrt mit Fahrverbot

Gérard Depardieu bleibt mobil. Der Schauspieler akzeptiert seine Verurteilung wegen Trunkenheit am Steuer, Entzug des Führerscheins inklusive. Denn fahren kann der 65-Jährige offenbar weiterhin - ein juristischer Trick macht es möglich.

DPA

Paris - Diese Strafe dürfte Gérard Depardieu locker verschmerzen können: Der Anwalt des Schauspielers hat vor einem Gericht in Paris offiziell die Berufung gegen einen Gerichtsbeschluss aus dem vergangenen Jahr zurückgenommen.

Depardieu war zu einer Geldstrafe von 4000 Euro und sechs Monaten Führerschein-Entzug verurteilt worden - seine dritte Strafe wegen Trunkenheit am Steuer. Bereits 1990 und 1998 hatte er nach Alkoholfahrten Bewährungsstrafen bekommen. Damals hatte er mit bis zu 2,55 Promille schwerere Unfälle gebaut und war selbst verletzt worden.

Das nun verhängte Fahrverbot umgeht der 65-Jährige laut Verteidiger Eric de Caumont mit einem Trick. Depardieu hat seinen Wohnsitz in Belgien. Dort ließ er sich einen in Frankreich nicht einziehbaren Führerschein ausstellen. Mit diesem könne er trotz der Verurteilung weiter Auto und Motorroller fahren, sagte de Caumont.

"Herr Depardieu, der sich in Belgien niedergelassen hat, besitzt schon seit einem Jahr keinen französischen Führerschein mehr", sagte der Anwalt. "Er hat ihn gegen einen belgischen Führerschein eingetauscht." Das in erster Instanz verhängte Fahrverbot sei nicht auf einen ausländischen Führerschein anwendbar.

Das Verfahren war mehrfach verschoben worden, zuletzt im Dezember 2013. Depardieu erschien zu keinem der Gerichtstermine persönlich. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete dies als frustrierend - vor allem, weil dieser die Alkoholvorwürfe über seinen Anwalt abstreiten ließ. Sie plädierte neben einer Geldstrafe von 4000 Euro auf zehn Monate Führerscheinentzug.

Grund für das Verfahren war ein Unfall Depardieus im November 2012. Der Filmstar war in Paris mit 1,8 Promille Alkohol im Blut von seinem schweren Motorroller gestürzt. Erlaubt sind im französischen Straßenverkehr lediglich 0,5 Promille. Niemand wurde verletzt.

Ende 2012 war bekannt geworden, dass Depardieu sich ein Haus in Belgien gekauft hatte. In Frankreich löste das einen Sturm der Entrüstung aus: Dem Schauspieler wurde vorgeworfen, seinen Wohnort aus steuerlichen Gründen zu wechseln. Im Zuge der erregten Debatte nahm Depardieu die russische Staatsbürgerschaft an.

ulz/dpa/AFP



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