Gerichtsanhörung: Michael Jacksons Leibarzt versagte bei Erster Hilfe

Muss sich Michael Jacksons Leibarzt wegen fahrlässiger Tötung verantworten? Eine gerichtliche Anhörung offenbart: Der Mediziner konnte nicht fachgerecht reanimieren und wartete mehr als 20 Minuten lang mit dem Notruf, als der "King of Pop" sterbend vor ihm lag.

Michael Jacksons Leibarzt Conrad Murray: "Panisch und hilflos" Zur Großansicht
dpa

Michael Jacksons Leibarzt Conrad Murray: "Panisch und hilflos"

Los Angeles - Die Details, die bei der Anhörung vor dem Superior Court in Los Angeles ans Licht kamen, sind verwirrend: Demnach soll der Herzspezialist und Leibarzt von Pop-Legende Michael Jackson nicht in der Lage gewesen sein, eine einfache Herz-Lungen-Massage durchzuführen.

"Panisch und hilflos" habe sich Conrad Murray angesichts der akuten Notlage gebärdet, sagte Jacksons damaliger Chefleibwächter. "Kann einer CPR?", soll er zwei ebenfalls anwesende Leibwächter gefragt haben. Die "cardiopulmonary resuscitation", die Herz-Lungen-Reanimation, lernt in den USA jeder Fahrschüler. "Ich habe Alberto angeschaut, weil wir Dr. Murray als Herzspezialisten kannten, und wir waren schockiert", sagte Jacksons Sicherheitschef Faheem Muhammed über sich und Leibwächter Alberto Alvarez.

Als er gefragt wurde, ob Murray vielleicht einfach nur um Hilfe gebeten habe, sagte Muhammed: "So, wie er gefragt hat, wusste er nicht, wie CPR geht." Für ihn sei Jackson zu dem Zeitpunkt auch schon tot gewesen, sagte der Chefleibwächter, weil der 50-Jährige dagelegen habe "mit offenem Mund und offenen Augen".

Schon der Staatsanwalt hatte Murray vorgeworfen, die Herz-Lungen-Reanimation völlig falsch gemacht zu haben. Er habe nur eine Hand benutzt, und Jackson habe dabei auf einer weichen Matratze gelegen. Stattdessen müsse man beide Hände benutzen und den Patienten auf eine harte, nicht mitfedernde Unterlage legen.

Für ein Gehalt von angeblich 150.000 Dollar im Monat sollte Conrad Murray den Sänger kurieren, doch der berühmte Patient starb in seiner Obhut. Der 57-Jährige soll Jackson das Narkosemittel Propofol gegen chronische Schlaflosigkeit gespritzt haben.

"Paris war auf dem Flur auf Händen und Knien"

Mehr als 20 Minuten soll Murray mit dem Notruf gewartet haben. "Wir müssen den Schluss ziehen, dass Michael Jackson schon tot war, als die Rettungshelfer eintrafen", sagte Staatsanwalt David Walgren. Zeugen erklärten zudem, dass Jacksons Kinder den Tod des Vaters hautnah miterlebt hätten. Prince und Paris, damals zwölf und elf Jahre alt, sollen während des Dramas in der Tür des Schlafzimmers gestanden und alles beobachtet haben. Über die Tochter sagte Muhammed: "Paris war auf dem Flur auf Händen und Knien, und sie weinte einfach." Den Kindern sei zwei Stunden später im Krankenhaus gesagt worden, dass ihr Vater gestorben sei.

Jacksons Choreograf sagte vor Gericht, der "King of Pop" sei sechs Tage vor seinem Tod krank gewesen und habe deswegen eine Probe abgesagt. "Er sah überhaupt nicht gut aus", so Tanzleiter Kenny Ortega. Wegen des Gesundheitszustands seines Stars sei er mit dessen Leibarzt Conrad Murray aneinandergeraten.

Jacksons Familie erklärte, der Sänger habe in den letzten Wochen seines Lebens Todesangst gehabt. "Die bittere Ironie ist, dass Michael kurz vor seinem Tod seiner Mutter erzählte, er fürchte, umgebracht zu werden", sagte ein Sprecher der Familie. "Michael hat sich nicht selbst getötet!"

Jackson war am 25. Juni 2009 im Alter von 50 Jahren an Herzversagen gestorben. Murray erklärte, er sei "nicht schuldig" an Jacksons Tod. Im Falle eines Schuldspruchs drohen ihm vier Jahre Haft.

Der erste Tag vor dem Superior Court in Los Angeles war der Auftakt einer Anhörung, die sich zwei Wochen hinziehen könnte. Erst danach entscheidet das Gericht, ob dem Arzt der Prozess gemacht wird. Bis dahin sollen 20 bis 30 Zeugen aussagen. Murray bleibt nach Zahlung einer Kaution von 75.000 Dollar bis auf weiteres auf freiem Fuß.

ala/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Leute
RSS
alles zum Thema Michael Jackson
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback