Götz Alsmann: "Vor Lachen fast in die Hose gemacht"

Er ist eine der auffälligsten Figuren im deutschen Fernsehen: "Zimmer Frei"-Matador Götz Alsmann. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt der Entertainer, warum er sich gern mit Sahnetorten bewerfen lässt - und Dieter Bohlen in seiner Show singen müsste.

SPIEGEL ONLINE: Herr Alsmann, im Internet kursieren kompromittierende Bilder von Ihnen.

Alsmann: Wie bitte?

SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrer Homepage gibt es eine Aufnahme, die Sie beim Segeln zeigt. Auf dem Foto tragen Sie einen schwarzen Kapuzenpullover - und brechen so mit Ihren modischen Standards. Sind Ihnen die Anzüge ausgegangen, oder hat man Sie zu dem sportlichen Outfit gezwungen?

Alsmann: Ach so, nein, nein, ich habe mir schlichtweg diese Extravaganz gegönnt. Der Pullover, der aus meiner Zeit als passionierter Jogger stammt, erschien mir die angemessene Bekleidung für meine ersten Segelversuche. Es gab jedoch erstaunlich viel Resonanz darauf.

SPIEGEL ONLINE: Wie waren die Reaktionen?

Alsmann: Hauptsächlich entsetzt und hämisch.

SPIEGEL ONLINE: Tweedjacket, Bügelfalten, Budapester: Sie sehen aus, als seien Sie gerade aus einem Schwarz-Weiß-Film gehüpft, nur eben in Farbe. Gibt es einen Alsmann-Stil?

Alsmann: Eigentlich ist es ganz einfach: Ich bin altmodisch - in jeglicher Hinsicht.

SPIEGEL ONLINE: Nämlich?

Alsmann: Zum Beispiel schreibe ich alle meine Arrangements noch auf Notenpapier und nicht am Computer, ich kaufe nur beim Herrenausstatter ein und bin mit moderner Kommunikationstechnik - gelinde gesagt - nicht sehr vertraut. Ich lebe da in meiner eigenen kleinen Welt und nehme viele Dinge gar nicht wahr. Neue Entwicklungen kommen bei mir meist erst mit großer Verspätung an.

SPIEGEL ONLINE: Alsmann ist altmodisch, ist er auch eitel?

Alsmann: Ja, klar. Das ist mir sozusagen in die Wiege gelegt worden. Meine Mutter hatte ein Faible dafür, dass ihre beiden Söhne sich als optisch auffällige Figuren etablierten. Das war wohl der entscheidende Faktor.

SPIEGEL ONLINE: Und Ihr Vater hat nicht gesagt: Junge, wie läufst du denn rum?

Alsmann: Nein, nie. Der war absolut entspannt und in jungen Jahren selbst ein guter Dresser. Als Maurerpolier trug er die ganze Woche über schmuddelige Klamotten, und am Wochenende hat er sich deshalb richtig in Schale geworfen. Anzug und Krawatte, auch wenn er bloß in der Wohnung saß. Er ist da in eine andere Haut geschlüpft.

SPIEGEL ONLINE: Sie leben im Gegensatz zu vielen anderen Prominenten noch in Ihrer Heimatstadt, in Münster. Warum?

Alsmann: Abgesehen von meiner großen Verbundenheit zu dieser Stadt liegt Münster für das Konzertgeschäft geradezu ideal. Stellen Sie sich vor, ich würde im hanseatischen Norden wohnen, dann wäre jede Reise nach Rheinland-Pfalz eine Weltreise. Außerdem ist Münster natürlich eine wunderbare Stadt für Familien, die Welt ist hier noch ein bisschen in Ordnung. Viele Menschen glauben, Münster sei wie Tübingen - nur mit schlechtem Wetter. Da ist vielleicht etwas dran.

SPIEGEL ONLINE: Erkennen Sie an sich typische Eigenarten des Westfalen?

Alsmann: Ich bin ja nur ein halber Westfale, meine Mutter stammte vom Balkan. Dickschädelig sollen die Münsteraner sein. Nein, das bin ich nicht. Nur ausdauernd.

SPIEGEL ONLINE: Das kommt aufs Gleiche raus.

Alsmann: Nicht ganz. Der Dickschädel erweckt nicht den Eindruck, dass er auf die Meinung anderer Leute hört. Ich erwecke zumindest den Eindruck. (grinst) Grundsätzlich stelle ich fest, dass ich mit fortschreitendem Alter immer westfälischer werde, also behäbiger.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie ein bodenständiger Mensch?

Alsmann: Wenn Sie meine Nachbarn fragten, würden die entschieden "Nein" sagen. Aber wenn "bodenständig" bedeutet, dass ich in meiner Freizeit nicht gern reise und am liebsten zuhause bin, dann bin ich bodenständig.

SPIEGEL ONLINE: Was würden Ihre Nachbarn denn über Sie sagen?

Alsmann: Der hat sie doch nicht alle!

SPIEGEL ONLINE: In den neunziger Jahren haben Sie für RTL die "Gong-Show" moderiert, heute sind Sie in Radio und Fernsehen streng öffentlich-rechtlich ausgerichtet. Schauen Sie bei Ihrem ehemaligen Arbeitgeber noch ins Programm?

Alsmann: Ich habe sehr gerne "Monk" gesehen. Sehr gerne. Und war überrascht, eine solche Serie bei RTL zu finden.

SPIEGEL ONLINE: Und das so genannte Dschungelcamp oder "Deutschland sucht den Superstar"?

Alsmann: Dafür ist mein Leben einfach zu kurz.

SPIEGEL ONLINE: Wäre Dieter Bohlen ein Kandidat für "Zimmer Frei"?

Alsmann: Sicher.

SPIEGEL ONLINE: Was würden Sie mit ihm singen?

Alsmann: Ich würde ihn einfach gerne singen lassen. Ganz egal was. Ich finde, die Leute müssten ihn mal wieder singen hören. (grinst)

SPIEGEL ONLINE: "Zimmer Frei" ist eine der ältesten Unterhaltungssendungen im deutschen Fernsehen. Wann ist Schluss?

Alsmann: Darüber entscheiden die Zuschauer. Ich habe nach wie vor große Freude daran, mir alberne Hüte aufzusetzen, mich mit Sahnetorten bewerfen zu lassen und mich in Wannen voll Seifenschaum zu werfen. Denn aus schlechter Stimmung entsteht einfach keine gute Unterhaltung.

SPIEGEL ONLINE: Ihr neuestes Projekt ist das Hörbuch der "Hund von Baskerville", das im April erscheinen soll und demnächst vorgestellt wird.

Alsmann: Ja, ich verehre Sherlock Holmes. Ich finde es zum Beispiel extrem faszinierend, wie er - bis zu den Knien im Moor stehend - stets scharf rasiert und mit frischen Krägen auftritt. Und ehrlich gesagt, so bin ich auch.

SPIEGEL ONLINE: Das Wasser bis zum Hals, aber immer gut angezogen?

Alsmann: Genau.

SPIEGEL ONLINE: In "Zimmer frei" geben Sie den lauten, anarchischen Kasper. Ist das nur eine Rolle, die Sie spielen, oder sind Sie auch privat so?

Alsmann: Oft. Wir machen viel praktischen Blödsinn zuhause. Ich bin ja selbst in einer sehr humorvollen Familie aufgewachsen. Ich erinnere mich daran, dass mein Vater etwa seine Klamotten auf links trug und Quatsch mit dem Essen vollführte. Mein Bruder und ich haben uns vor Lachen fast in die Hose gemacht, woraufhin mein Vater immer mehr aufdrehte. Und anstatt, dass meine Mutter dem Treiben Einhalt gebot, legte sie noch eins drauf. Wir waren eine Familie mit sehr schrägen, humorbereiten Individuen.

SPIEGEL ONLINE: Fällt es Ihnen schwer, als Vater streng zu sein? Schließlich kennt Ihr 17-jähriger Sohn Sie doch auch als TV-Clown.

Alsmann: Ich bilde mir manchmal ein, streng sein zu können, aber die meiste Erziehungsarbeit ist doch längst getan. Gut, er hat sich seine Haare nun bis zu den Ellenbogen wachsen lassen und trägt einen gotischen Mantel, aber ist das etwa schlimm? Soll ich ihm sagen, alberne Frisuren haben in diesem Haus keinen Platz?

Das Interview führte Jörg Diehl

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