Foster bei Golden Globes: Ein kleines bisschen Coming-out

Jodie Foster spielte mit dem Publikum, setzte kunstvolle Pausen - und sagte bei den Golden Globes dann doch nicht den Satz, auf den alle warteten. Mit Absicht. Für ihr Coming-out werde sie keine Pressekonferenz abhalten, sagte die Schauspielerin. Und dankte ihrer langjährigen Partnerin.

Beverly Hills - Jodie Foster liebt Frauen. Das war in den vergangenen Jahren kein Geheimnis. Doch bei der Verleihung der Golden Globes machte Foster ihre Homosexualität zum ersten Mal öffentlich selbst zum Thema. Die Schauspielerin wurde für ihr Lebenswerk ausgezeichnet und begann ihre Dankesrede mit dem Hinweis, sie habe etwas Wichtiges bekanntzugeben: "Ich glaube, ich muss unbedingt etwas sagen, das ich niemals öffentlich zu sagen imstande war und das mich ein wenig nervös macht." Pause. "Ich sag' das jetzt einfach, laut und stolz." Pause. "Ich werde eure Unterstützung brauchen." Pause. "Ich bin, ähm..." Pause. "Single".

Sie hoffe, das Publikum nicht zu enttäuschen, aber es werde keine große Coming-out-Rede geben, sagte Foster auf der Bühne. "Ich hatte mein Coming-out schon vor tausend Jahren, in der Steinzeit." Heutzutage werde von Prominenten erwartet, dass sie ihre Homosexualität "mit einer Pressekonferenz, einem eigenen Duft und einer Reality-Show zur besten Sendezeit" bekannt gäben, sagte die 50-Jährige. "Nein. Tut mir leid. So bin ich einfach nicht."

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Jodie Foster: "Coming-out in der Steinzeit"
Aus ihrer Beziehung zu der Filmproduzentin Cydney Bernard hatte Foster nie ein Geheimnis gemacht, sie aber auch nicht extra in die Öffentlichkeit getragen. Gemeinsam hatten sich die beiden um Fosters Söhne gekümmert, im Mai 2008 trennten sie sich. In ihrer Dankesrede fand Foster nun dennoch liebevolle Worte und bezeichnete Bernard als "mein heldenhaftes Mit-Elternteil, meine Ex-Partnerin in der Liebe, aber aufrichtige Seelenschwester im Leben".

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Golden-Globe-Mode: Die perfekte Welle
Warum sie ausgerechnet diesen Moment gewählt hatte, um sich über ihr Privatleben zu äußern, erklärte Foster später hinter der Bühne so: "Die Rede spricht irgendwie für sich...Das ist ein großer Moment. Ich wollte das sagen, was mir am meisten am Herzen liegt."

In der Vergangenheit hatte sich Foster mit Äußerungen über ihr Liebesleben zurückgehalten: "Wenn Sie von klein auf eine öffentliche Person gewesen wären, wenn Sie hätten kämpfen müssen für ein Leben, das sich trotz alledem echt und ehrlich und normal anfühlt, dann wäre Ihnen vielleicht auch eine Privatsphäre mehr wert als alles andere", sagte die Schauspielerin in ihrer Dankesrede.

Tatsächlich trat Foster ab ihrem dritten Lebensjahr in Werbespots und -filmen auf, beispielsweise für Sonnencreme als "Miss Coppertone". Der internationale Durchbruch gelang ihr 1976 an der Seite von Robert De Niro: In "Taxi Driver", dem Kultfilm von Martin Scorsese, übernahm Foster die Rolle einer zwölfjährigen, naiv-durchtriebene Prostituierten.

Später spielte Foster unter anderem in "Das Schweigen der Lämmer", "Panic Room" und "Die Fremde in dir". Sie ist zweifache Oscar-Gewinnerin. Ihr Sohn Charles kam 1998 auf die Welt, sein Bruder Kit 2001. Über den Vater wurden jeweils keine Angaben gemacht.

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Golden Globes 2013: Das sind die Gewinner

aar/dapd/Reuters

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Eine sehr kluge Frau
widower+2 14.01.2013
Und eine phantastische Schauspielerin.
2. Guter Zeitpunkt
hirnimkopf 14.01.2013
Da in Frankreich gerade mal wieder die Homophobiker Amok laufen und eine längst überfällige Gleichstellung verhindern möchten (Frigide Barjot), hat Frau Foster den Zeitpunkt für klare Worte sicher gut gewählt. Ich werde nie begreifen, weshalb Heterosexuelle so panisch auf Homosexuelle reagieren müssen. Es ist, als würde eine Fachdisziplin wie die Mathematik die Addition als unzulässig verbannen und nur die Subtraktion erlauben. Völliger Unsinn. Frau Foster ist eine couragierte Person.
3. eh immer übertrieben
stalkingwolf 14.01.2013
das Leute meinen sich outen zu müssen. Wenn es so ist, ist es so. Aber wie kann man sein Kind Kit nennen?
4.
kfp 14.01.2013
Zitat von hirnimkopfIch werde nie begreifen, weshalb Heterosexuelle so panisch auf Homosexuelle reagieren müssen.
Vielleicht weil es zu wenige Homosexuelle wie Frau Foster gibt, die weder ein Geheimnis noch ein Drama aus ihren Neigungen machen und stattdessen einfach selbstverständlich und -bewusst ihr Leben leben. Genauso wie es vermutlich in den USA weniger Rassenprobleme gäbe, wenn es mehr Schwarze wie Obama gäbe, die einfach sachlich ihren Weg gehen (selbst wenn der ihnen unfairerweise manchmal unnötig schwer gemacht wird, was natürlich sehr bedauerlich ist), anstatt ihr Opferdasein zum ständig-präsenten und beherrschenden Charakterzug überzugewichten und ständig anderen auf die Nase zu binden (sogar denen, die ursprünglich nicht einmal auf die Idee gekommen wären, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, sexuellen Neigungen o.ä. zu unterscheiden)... Ich habe persönlich schon erlebt, wie offen Homosexuelle problemlos in stockkonservativen Gruppen vollen Respekt genossen. Aber leider deutlich mehr Fälle, in denen Homosexuelle auch ihre engsten Freunde über kurz oder lang verprellten, weil sie selbst denen so lange homophobische Verhaltensweisen unterstellten, bis die irgendwann genug davon hatten (und durch solche Erfahrungen vermutlich in vielen Fällen selbst anschließend umso stärkere Vorbehalte entwickelten).
5. Outen? Gääähn...
zack34 14.01.2013
Leute, es ist euere private Sache. Mir persönlich ist es, zumindest solange alles unter Erwachsenen, freiwillig und ohne Gewalt (ab)geht... völlig egal, wer was mit wem. Daher verstehe ich die inflationären Outings ebenso wenig wie manche homophobe Argumentation.
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