Meryl Streep über Donald Trump "Gewalt animiert zu Gewalt"

Donald Trump war eines der bestimmenden Themen bei der Golden-Globe-Gala in Hollywood. Meryl Streep rührte ihre Kollegen zu Tränen, Moderator Jimmy Fallon versuchte es mit Humor.


Es war ein Hochfest der Filmbranche, ein Treffen unzähliger Superstars - und trotzdem ein Abend voller Trauer und Frust: Bei der Verleihung der Golden Globe Awards in Los Angeles haben sich unzählige Hollywoodschauspieler zum letzten Mal in Barack Obamas Amtszeit als US-Präsident getroffen. Kein Wunder, dass dessen umstrittener Nachfolger eines der prägenden Themen des Abends war.

Das lag vor allem an Meryl Streep. Die Schauspielerin hielt bei der Gala eine engagierte Rede gegen Donald Trump. "Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle", sagte die 67-Jährige unter Tränen bei der Entgegennahme des Cecil-B.-Demille-Preises für ihr Lebenswerk.

Die eindrücklichste Szene des Jahres sei für sie nicht in einem Film gewesen, sondern als Trump in einer Wahlkampfrede die Bewegungen eines körperlich Behinderten nachgeäfft habe. "Es hat mein Herz gebrochen, als ich das gesehen habe, und ich kann es noch immer nicht aus meinem Kopf bekommen", sagte Streep.

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"Dieser Instinkt, andere zu demütigen, wird unser aller Leben durchdringen." Denn ein solches Verhalten gebe anderen vermeintlich das Recht, dasselbe zu tun: "Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein, Gewalt animiert zu Gewalt." Unter zustimmenden Rufen aus dem Publikum rief Streep die Medien dazu auf, die Mächtigen weiterhin für "jeden Frevel" zur Verantwortung zu ziehen.

Zuvor hatte Streep bereits über die Herkunft vieler der nominierten Stars gesprochen. In Hollywood "wimmelt es von Außenseitern und Ausländern". "Wenn wir sie alle aus dem Land werfen, gibt es für uns nichts mehr zu schauen außer Football und Mixed Martial Arts", sagte Streep über den Kampfkunstsport, von dem Trump ein großer Fan ist.

Die Galagäste im Saal hörten gebannt zu. Viele reagierten sichtlich gerührt, einige hatten Tränen in den Augen. Auf Twitter lobten viele Streeps Auftritt: "Ein überwältigender Moment, wie wir ihn selten im Fernsehen sehen", schrieb Regisseur Michael Moore über Streeps "leidenschaftliche Golden-Globe-Rede".

"Alles zertifiziert von Ernst & Young und Putin"

Schauspielerin Julianne Moore bedankte sich auf Twitter für die Rede, und ihre Kollegin Juliette Lewis schrieb auf dem Nachrichtendienst: "Meryl Streep sagt alles, was gesagt werden muss, auf sehr profunde und elegante Weise." Danny Glover twitterte: "Ich kann immer darauf setzen, dass Meryl etwas Signifikantes sagt."

Trump äußerte sich wenig später in einem Telefoninterview mit der "New York Times" zu Streeps Rede. Er sei von ihrer Kritik "nicht überrascht", sagte er und bezeichnete die Schauspielerin als "eine Hillary-Freundin". Er habe die Verleihung der Golden Globes zwar nicht gesehen. Er sei aber schon früher von "liberalen Filmleuten" attackiert worden.

Trump war bereits zu Beginn des Abends Thema: Moderator Jimmy Fallon, Nachfolger von Ricky Gervais, nahm sich den künftigen Präsidenten in seinem Eröffnungsmonolog vor. Die Hauptfigur in der Komödie "Florence Foster Jenkins", so Fallon, sei die schlechteste Opernsängerin aller Zeiten gewesen. "Und selbst sie hat es abgelehnt, bei Donald Trumps Amtseinführung aufzutreten."

Die Verleihung sei "einer der wenigen verbleibenden Orte, an denen Amerika das direkte Wahlergebnis würdigt", sagte Fallon mit Blick auf die Tatsache, dass Hillary Clinton trotz fast drei Millionen Stimmen mehr die US-Wahl verlor. Zuschauer bräuchten sich über eine korrekte Auszählung aber nicht zu sorgen, sagte Fallon und spielte damit auf die angebliche Einflussnahme Russlands auf die Wahl an. Man habe eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeschaltet: "Alle Ergebnisse wurden zertifiziert von Ernst und Young & Putin."

Der britische Schauspieler Hugh Laurie, der für seine Nebenrolle in dem Krimi "The Night Manager" ausgezeichnet wurde, sagte, er fühle sich geehrt, zu den Siegern der letzten "Golden-Globe-Verleihung in der Geschichte" zu gehören. Er wolle nicht pessimistisch sein, witzelte Laurie, müsse aber daran erinnern, dass die Gala im Titel die Begriffe "Hollywood", "Ausland" und "Presse" trage - die Golden Globes werden vom Verband der Auslandspresse vergeben.

Bei den Golden Globes räumte vor allem das Musical "La La Land" ab, der Film erhielt insgesamt sieben Auszeichnungen - das ist neuer Rekord bei des Globes. Bislang hielten "Einer flog über das Kuckucksnest" und "Midnight Express" die Bestmarke mit je sechs Trophäen. Der Preis gilt als trendbestimmend für die Oscarverleihung Ende Februar.

mxw/dpa/AFP



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