Hamburg - Nach all den dunklen Wolken und all dem Regen der vorangegangenen Tage ging am Sonntagabend beim Glastonbury-Festival doch noch die Sonne auf: In goldenem Jacket, Hotpants und Netzstrumpfhose trat Beyoncé Knowles vor rund 170.000 Musik-Begeisterten auf - und wies Skeptiker in die Schranken. Die Sängerin bewies in ihrem Konzert ihr musikalisches Format.
"Ich will, dass ihr alle wisst, dass ihr Zeugen meines Traums werdet", rief die Sängerin dem Publikum zu. "Ich wollte schon immer ein Rockstar sein, und heute Abend sind wir alle Rockstars. Verliert euch in dieser Musik."
Musikalisch startete die 29-Jährige mit dem Song "Crazy in Love", dann "powerte sie sich ihren Weg" durch Hits wie "Single Ladies" und "Naughty Girl", lobte MTV. Für den Song "Baby Boy" bekam Beyoncé Verstärkung von Rapper Tricky aus Bristol - eine Combo, die das riesige Publikum überraschte. Knowles coverte "The Beautiful Ones" von Prince, "Sex On Fire" von den "Kings Of Leon's" und ein Medley aus Hits ihrer ehemaligen Band Destiny's Child an, darunter "Independent Women", "Bootylicious" und "Say My Name".
"Ein Pop-Spektakel dieser Art hat Glastonbury noch nicht gesehen", jubilierte der " Belfast Telegraph". AOL.music.com schrieb von einem "historischen" Headline-Set. "Das werde ich nie vergessen. Sie ist einfach unglaublich", schwärmte Studentin Lettie Popplewell, 21.
Die derzeit wohl prominenteste R&B-Sängerin der Welt ist die erste Headlinerin seit rund 20 Jahren bei dem Festival und hatte sich Berichten zufolge extrem intensiv auf ihren Auftritt als Schlussakt vorbereitet - schließlich besteht das Publikum überwiegend aus Rockmusik hörenden Briten.
"Intensivste Erinnerung wird der Schlamm sein"
Zum Aufwärmen hatte die US-Sängerin auf einer kleinen Frankreich-Tournee ein Glastonbury angemessenes Medley gesungen - auf "Bohemian Rhapsody" von Queen folgten "The Beautiful Ones" von Prince und schließlich "Sex On Fire" von den Kings of Leon. Doch ausgerechnet bei dem Queen-Klassiker geriet die R&B-Königin mit dem Text durcheinander.
Mit ihrem Glastonbury-Auftritt folgte Knowles dem Vorbild ihres Mannes Jay-Z: Er hatte dort vor drei Jahren sein Debüt gegeben und auch damals gegen Zweifel angesungen. Mit seinem Auftritt brachte er HipHop ins Spektrum des Festivals. Einige Fans hatten diesmal auf ein Duett von Beyoncé und Jay-Z gehofft. Doch der Gatte gab sich mit der Rolle des Zuschauers zufrieden.
In diesem Jahr mussten die Besucher wahre Leidensfähigkeit beweisen. Bereits vor Beginn kam das Gelände einer Matschgrube gleich. In weiten Teilen erinnerte das größte Open-Air-Festival Europas stark an eine Show für Outdoor-Kleidung: Bikinis wurden von Regenjacken verdeckt, Flipflops durch Gummistiefel ersetzt. "Ich glaube, die intensivste Erinnerung wird in diesem Jahr der Schlamm sein", sagte Festivalbesucher Matt Bennett. Sobald die Sonne am Samstag und Sonntag herauskam, zeigten die meisten Gäste sofort ihr Flower-Power-Bikini-Outfit und genossen die trockenen und hellen Momente.
Überschattet wurde das Festival vom Tod eines engen Freundes des britischen Premierministers David Cameron. Die Leiche des Mannes war am Sonntagmorgen in einer Toilette gefunden worden. Dem Festivalleiter zufolge hat der Geschäftsmann und Politiker Selbstmord begangen. Nach dem Vorfall wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft.
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