Gutenachtgeschichten von Flüchtlingen "Vor langer Zeit war es in Syrien sehr schön, mein Sohn"

Gutenachtgeschichten vermitteln Geborgenheit und Nähe. Doch was erzählen Menschen ohne Haus und Heimat ihren Kindern? Geschichten voller Hoffnung und Wärme. In Teil 4: "Paradies auf Erden".

Yara Said/ DER SPIEGEL

Von Brindusa Nastasa, Annabella Stieren und Yara Said  (Illustrationen)


    Gute-Nacht-Geschichten lassen uns eintauchen in eine Welt voller Abenteuer und Geheimnisse. Manchmal nehmen wir sie sogar mit in unsere Träume. Die kuschelige Decke, die beruhigende Stimme des Erzählers machen die Geschichte zu einem wichtigen abendlichen Ritual. Aber was erzählt man seinen Kindern, wenn eines Tages die Decke weg ist und man in einem Zelt auf dem Boden zwischen Fremden schläft?

    Die Journalistinnen Annabella Stieren und Brindusa Nastasa haben sich in der Türkei und Griechenland auf die Suche nach Gute-Nacht-Geschichten gemacht. Vier der Geschichten haben sie mit nach Deutschland genommen, wo sie von der syrischen Illustratorin Yara Said bebildert wurden.

Das erste was einem auffällt, wenn man Robeen trifft, ist seine permanente gute Laune. "Das ist der beste Hummus, den ich je gegessen habe!", ruft er während er über die Zeltlandschaft am Dock E2 im Hafen von Athen schaut. In den Händen hält er einen Pappteller mit einer undefinierbaren gelben Masse, die das griechische Militär als Abendessen an die Flüchtlinge verteilt hat.

Robeen ist ein Geschichtenerzähler, der auf seine ganz eigene Weise versucht, den psychischen Problemen der Kinder zu begegnen. Als wir ihn im März in Griechenland treffen, lebt er seit einer Woche hier. Die Grenze nach Mazedonien ist geschlossen. Robeen möchte aber nach Deutschland, um Star bei Bayern München zu werden. In Syrien spielte der Mittelfeldspieler professionell für den Klub Al-Karama in Homs.

Robeens selbst gedichtete "Almania"-Adaption eines syrischen Pophits ist berühmt im Piraeus-Camp. Ständig summt es jemand in der Schlange zu den Toiletten und Kinder streiten sich über die richtige Version des Textes.

Robeen: Profifußballer, Geschichtenerzähler, Clown
Brindusa Nastasa/ DER SPIEGEL

Robeen: Profifußballer, Geschichtenerzähler, Clown

Robeen ist der Clown auf der syrischen Seite des Zeltlagers, er grölt lauthals die Nationalhymnen aller arabischen Nationen bis die Nachbarn sich beschweren, und er versucht ständig, die Kinder im Camp aufzuheitern.

Wenn abends der Regen auf die dünnen Zeltwände prasselt, erzählt er den Nachbarskindern Gutenachtgeschichten. Mal ist es "Leyla und der Wolf" (die syrische Version von "Rotkäppchen"), mal "Cinderella", meistens jedoch versucht er, den Kindern mit Geschichten die Situation zu erklären, in der sie nun alle sind.

Yara Said/ DER SPIEGEL


insgesamt 4 Beiträge
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Datenscheich 27.12.2016
1. Und wenn sie nicht gestorben sind...
Man sollte nicht vergessen, daß Großsyrien das Land der Hochkulturen ist - was bedeutet: Über 7.000 Jahre Krieg und Frieden. Und deshalb ist mit absoluter Sicherheit zu sagen: Auch dieses mal wird das Land wieder aufgebaut - und zwar schöner als je zuvor. Schon im vergangenen September lief während meines Besuches in Damaskus die '1. Messe für den Wiederaufbau'. Und DAS ist kein Märchen...
voiceecho 27.12.2016
2. Syrien wird wieder aufblühen!
Auch wenn viele sich das nicht vorstellen können, Syrien wird wieder blühen, auch wenn es lange dauert! Syrien blickt auf eine sehr lange bewegte und bewegende Geschichte, wurde so oft zerstört und wieder aufgebaut. Syrien gilt immer noch als die "Wiege der Zivilisation", das Land mit dem ersten Alphabet von Ugarit, Königreich der legendären Zenobia, das einzige Land, indem es immer noch die Sprache Jesus bis heute gesprochen wird, das Land der "Seidenstraße", das Land der Hochkulturen. Und es gibt nur ein Syrien und es wird kein zweites geben, auch in Deutschland nicht, Schade, dass nur wenige Menschen über dieses Land was wissen!
andihh75 28.12.2016
3. Überschrift
Zerstören und wieder aufbauen, so funktioniert Kapitalismus! Mit so einem (versuchten)Regime Change,lässt sich nachher ordentlich Geld verdienen!Ist nicht das das Hauptziel,wenn es um Vermittlung westlicher Werte geht? Nicht die Menschlichkeit! Oh,du heuchlerischer Hegemon SAG ich da nur!
Leto13 29.12.2016
4. hm
Fuer Terroristen aller Couleur wird es hoffentlich nie schön in Syrien. Solche Personen müssen ausgerottet werden, damit Syrien multikulturell, multireligiös und in Frieden in die Zukunft gehen kann. Manche dieser Personen gehen natürlich gerne als Flüchtlinge gen Westen und erzählen ihren Kindern Maerchen.
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