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06. Oktober 2017, 18:23 Uhr

Weinsteins Entschuldigung

"Dämonen in den Griff bekommen"

Nach Belästigungsvorwürfen nimmt Hollywoodproduzent Harvey Weinstein eine Auszeit. Er entschuldigt sich - und verspricht eine Therapie.

Der einflussreiche Hollywoodproduzent Harvey Weinstein will nach den Vorwürfen wegen sexueller Belästigung eine Auszeit nehmen. Weinstein entschuldigte sich in einer Erklärung für sein "Benehmen gegenüber Kolleginnen in der Vergangenheit", das zu viel Leid geführt habe. Er wolle nun seine "Dämonen" in den Griff bekommen, teilte Weinstein mit.

Zuvor hatte die "New York Times" über die Vorwürfe mehrerer Frauen berichtet, wonach sich Weinstein jahrzehntelang immer wieder anzüglich gegenüber Frauen geäußert und einige von ihnen sexuell belästigt haben soll - darunter die Schauspielerin Ashley Judd. Manche Vorfälle reichen demnach fast drei Jahrzehnte zurück. Mit mindestens acht Frauen habe er sich außergerichtlich geeinigt. Die mutmaßlichen Opfer sollen überwiegend junge Frauen gewesen sein, die auf eine Karriere in der Filmindustrie hofften.

Ashley Judd hatte der Zeitung gesagt, dass der Filmmogul sie vor 20 Jahren zu einem Arbeitsfrühstück in sein Hotelzimmer gebeten habe, wo er sie im Bademantel empfangen habe. Weinstein habe sie dann gefragt, ob sie ihm eine Massage geben oder ob sie ihm beim Duschen zusehen könne.

Zwei frühere Assistentinnen des Erfolgsproduzenten sowie ein italienisches Model erhoben ähnliche Vorwürfe gegen den Oscarpreisträger. Weinsteins nach eigenen Angaben ebenfalls betroffene Mitarbeiterin Lauren O'Connor schrieb in einem Memo an mehrere führende Mitarbeiter der Produktionsfirma, es herrsche "ein giftiges Klima für Frauen in diesem Unternehmen".

Auf den Produzenten gehen zahlreiche erfolgreiche Filme zurück, darunter "Pulp Fiction", "Der englische Patient" und "Shakespeare in Love" - für den Weinstein 1999 den Oscar als Produzent gewann. Mit seinem Unternehmen Miramax , das er zusammen mit seinem Bruder Bob unter dem Dach von Disney betrieb, förderte er die Karrieren von Schauspielern und Regisseuren. 2005 gründeten sie die neue Produktionsfirma The Weinstein Company.

Der 65-jährige Weinstein hob in seiner Erklärung an die "New York Times" hervor, dass er in den Fünfzigern und Sechzigern aufgewachsen sei, in denen die Verhaltensregeln und das Arbeitsumfeld anders gewesen seien. "Das war die Kultur damals." Auch wenn er versuche, sich zu bessern, wisse er, dass dies ein langer Weg sei. Er wolle sich nun "in erster Linie um dieses Problem kümmern". Weinstein, seit 15 Jahren in zweiter Ehe mit der Modeschöpferin Georgina Chapman verheiratet, habe bereits Therapeuten.

Weinsteins Anwältin Lisa Bloom teilte in einer Erklärung mit, ihr Mandant weise "viele der Vorwürfe" zurück. "Er hat Fehler zugegeben, die er gemacht hat", schrieb sie. "Er liest Bücher und geht zur Therapie. Er ist ein alter Dinosaurier, der neue Wege lernt." Ein anderer Anwalt von Weinstein, Charles Harder, drohte der "New York Times" mit einer Klage. Ihr Bericht sei "voller falscher und diffamierender Feststellungen".

Andere brachten ihre Unterstützung für die mutmaßlichen Opfer zum Ausdruck. Die Schauspielerin und Feministin Lena Dunham twitterte, es sei mutig, gegen Weinstein auszusagen. Die Frauen hätten Achtung verdient. Schauspielerin Rose McGowan, die von der Zeitung als eines von Weinsteins Opfern genannt wurde, schrieb, sie würde zu dem Fall gerne "die Filmrechte kaufen".

apr/AFP

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