Rose McGowan über Harvey Weinstein "Ich war diejenige, die bestraft wurde"

US-Schauspielerin Rose McGowan gehört zu den Frauen, die Hollywood-Produzent Harvey Weinstein der Vergewaltigung beschuldigen. In einem neuen Buch berichtet sie nun von der mutmaßlichen Tat.

AP

Im ersten Moment klingt es etwas abenteuerlich, was Schauspielerin Rose McGowan in ihrem heute erschienenen Buch "Brave" beschreibt. Abenteuerlich, wären da nicht die Berichte über mutmaßliche sexuelle Übergriffe durch Harvey Weinstein - den mächtigen Hollywood-Produzenten, den eine Reihe von Frauen der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung beschuldigen.

Die US-amerikanische Schauspielerin schreibt von israelischen Spionen, lästigen Anwälten, "bösen Menschen", die sie auf Schritt und Tritt verfolgen.

Zum ersten Mal beschreibt die Schauspielerin auch, was genau Weinstein, den sie laut einer Rezension der "New York Times" nur "das Monster" nennt, ihr 1997 bei einer Begegnung während des Sundance Film Festivals in Utah angetan haben soll.

Treffen in die Hotelsuite verlegt

Damals war McGowan 23 Jahre alt. Sie wurde von Weinstein zu einem morgendlichen Treffen gerufen, das in einem Hotelrestaurant in Park City stattfinden sollte, dann aber in Weinsteins Zimmer verlegt wurde. "Ich war sicher, wir würden für viele Jahre zusammenarbeiten, und seien hier, um meine große Karriere zu planen", schreibt die Schauspielerin.

Fotostrecke

12  Bilder
Rose McGowan: Vergangenheitsbewältigung mit Buch

Aber anstatt mit ihr Pläne zu schmieden, soll Weinstein sie in ein Zimmer mit Whirlpool gestoßen und sie entkleidet haben. "Ich erstarre - wie eine Statue", beschreibt McGowan den Moment. Dann soll Weinstein sie auf den Rand des Whirlpools gesetzt haben, in den Pool gestiegen sein und Oralsex bei ihr durchgeführt haben, während er sich selbst befriedigte.

Von einer ähnlichen Situation hatte Schauspielerin und Regisseurin Asia Argento dem "New Yorker" berichtet. Auch McGowan sagte, sie habe Gefallen vorgetäuscht - in der Hoffnung, dass es so schneller zu Ende sei. "Er stöhnt laut; durch meine Tränen sehe ich sein Sperma über den Wasserbläschen treiben."

Keine Anzeige, weil ihr niemand glauben würde

Kollegen aus der Filmbranche sollen ihr nach dem Vorfall geraten haben, "es als etwas anzusehen, dass meiner Karriere langfristig helfe", berichtet McGowan über die Zeit nach dem Vorfall. Ein Anwalt, mit dem sie gesprochen habe, weil sie Anzeige erstatten wollte, sagte ihr, man würde ihr niemals glauben. "Ich habe mich so schmutzig gefühlt. Ich wurde so schlimm verletzt und war zutiefst traurig", zitieren Medien aus dem Buch der heute 44-Jährigen.

Fotostrecke

47  Bilder
Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung: Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein

In der Zeit nach der mutmaßlichen Vergewaltigung soll Weinstein laut McGowan herumtelefoniert haben, um Kollegen aus der Branche zu sagen, man solle sie nicht engagieren. "Es schien, als wüsste jeder Widerling in Hollywood von meinem wehrlosesten und schlimmsten Moment", schreibt die Schauspielerin. "Und ich war diejenige, die dafür bestraft wurde."

Ihre Filmkarriere schien am Ende. Jahre später feierte sie Erfolge mit der Serie "Charmed", in der sie eine Hexe spielte. McGowan beschuldigte bereits im Herbst 2016 über Twitter einen Studioboss, sie vergewaltigt zu haben. Heute ist klar, dass sie damit Weinstein meinte, der ihr 100.000 Dollar für ihr Schweigen gezahlt haben soll.

Fotostrecke

15  Bilder
Sexuelle Belästigung und Gewalt - Vorwürfe gegen Prominente: Sie alle

In den vergangenen Wochen haben mehr als hundert Frauen Weinstein sexuelle Übergriffe vorgeworfen, mehrere berichteten auch über Vergewaltigungen. Weinstein verlor seinen Job, gegen ihn laufen mehrere Ermittlungsverfahren. Er selbst hat Fehlverhalten zugegeben, weist die Vergewaltigungsvorwürfe aber zurück.

win



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.