Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs Staatsanwaltschaft lässt einen Vorwurf gegen Harvey Weinstein fallen

Harvey Weinstein hat vor Gericht einen Sieg errungen: Die New Yorker Staatsanwaltschaft ist von einem Teil ihrer Vorwürfe gegen den Filmproduzenten abgerückt.

Harvey Weinstein
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Harvey Weinstein


Die New Yorker Staatsanwaltschaft hält die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein im Fall von Lucia Evans nicht weiter aufrecht. Ein Gericht ließ die Anklage fallen. Es ging um den Vorwurf, Weinstein habe Evans 2004 sexuell missbraucht.

Als Grund für ihren Entschluss nannte die Staatsanwaltschaft Erkenntnisse, die man während der Ermittlungen gewonnen habe. An den anderen Vorwürfen gegen Weinstein halte man fest.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft akzeptiert, dass der Anklagepunkt aufgrund von Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Zeugin gestrichen wird. Mehrere US-Medien berichteten, dass sich das mutmaßliche Opfer nach eigener Aussage freiwillig mit Weinstein eingelassen habe, um eine Rolle zu ergattern.

Evans hatte vor einem Jahr angegeben, Weinstein habe sie 2004 gezwungen, ihn oral zu befriedigen. Der Übergriff soll sich tagsüber in Weinsteins New Yorker Büro zugetragen haben. Evans bestätigte der Zeitschrift "New Yorker" damals, dass sie Strafanzeige erstattet habe.

"Ich habe ihm immer wieder gesagt 'Ich will das nicht tun, hör auf'", beschrieb Evans ihre Erinnerung an jenen Tag 2004. "Ich habe versucht zu fliehen, vielleicht nicht entschieden genug. Ich wollte ihn nicht treten oder mit ihm kämpfen."

Evans gehörte im vergangenen Herbst zu den ersten Frauen, die mit Vorwürfen gegen Weinstein an die Öffentlichkeit gingen. Weinstein wurde innerhalb eines Jahres wegen sechs Sexualdelikten angeklagt, unter anderem wegen Vergewaltigung, erzwungenen Oralsexes und sexueller Tätlichkeit. Der Fall Evans fällt mit der Entscheidung des Gerichts nun weg.

Weinstein ist derzeit gegen eine Kaution auf freiem Fuß. Der 66-Jährige plädiert weiter auf nicht schuldig. Er hatte im Zuge der Vorwürfe Fehlverhalten eingeräumt, aber Vorwürfe von nicht einvernehmlichem Sex zurückgewiesen sowie Vergewaltigungen bestritten.

Weinsteins Anwalt Ben Brafman forderte erneut die Niederschlagung der gesamten Anklage. "Wenn einer der Hauptvorwürfe in dieser Anklage auf einer Falschaussage basiert, ist das eine sehr große und wichtige Entwicklung", sagte Brafman. Der Fall sei nicht mehr aufrechtzuerhalten. Er werde im November entsprechende Anträge einbringen.

Bereits im August hatte Brafman die Einstellung des Verfahrens verlangt. Er legte damals E-Mails vor, die belegen sollen, dass der Sex zwischen dem Filmproduzenten und einer Frau, die ihn der Vergewaltigung beschuldigt, einvernehmlich war.

Die ersten Vorwürfe sexueller Übergriffe und Gewalt gegen Weinstein waren vor einem Jahr laut geworden. Seither warfen ihm mehr als hundert Frauen derartige Taten vor, darunter Stars wie Salma Hayek, Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow. Der Hashtag #MeToo wurde in diesem Zusammenhang zum Sammelruf für den Kampf gegen sexuelle Gewalt.

sen/AP/Reuters/AFP



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