Havarie im Eis Kapitän gibt Passagierschiff auf

Es gibt keine Hoffnung mehr: Kapitän und Erster Offizier haben das Kreuzfahrtschiff verlassen, das in den Eisgewässern der Antarktis leckgeschlagen ist. Jetzt wird bekannt: Die "MV Explorer" war bereits früher durch Mängel aufgefallen.


Hamburg - Langsam versinkt die "MV Explorer" in den eisigen Fluten - in der Nähe der King-George-Insel, die zu den südlichen Shetland-Inseln gehört. Stunden nachdem das Kreuzfahrtschiff einen Eisberg rammte, liegt das Schiff nun auf der Seite, die Eismassen schließen das Wrack langsam ein.

91 Passagiere und neun Besatzungsmitglieder wurden nach Angaben des kanadischen Veranstalters "Gap Adventures" in Sicherheit gebracht. Das Schiff "Endeavour" nahm sie an Bord und brachte sie auf die King-George-Insel. Unter den Passagieren der "MV Explorer" befanden sich unter anderen 23 Briten, 17 Niederländer, 13 Amerikaner und ein Deutscher. Allen Reisenden gehe es gesundheitlich gut, sagte Arnvid Hansen, Kapitän der "Endeavour", die die Geretteten aufgenommen hatte.

Nach Angaben der BBC war die "MV Explorer" im Frühjahr bei der letzten Inspektion durch eine britische Behörde mit insgesamt fünf Mängeln aufgefallen. Wasserdichte Türen seien in nicht ausreichendem Zustand gewesen, Notfallpläne hätten gefehlt und es habe Schäden an Rettungsbooten gegeben, berichtet der Sender.

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"Es wird damit gerechnet, dass die 'MV Explorer' in Kürze sinkt", sagte ein Sprecher der britischen Küstenwache in Falmouth. Marketing-Chefin Susan Hayes von der Firma "Gap Adventures", eines von mehreren Reiseunternehmen, die Passagen auf dem Spezialkreuzfahrer anbieten, sagte der BBC: "Die 'MV Explorer' hat heute Morgen vor der King-George-Insel einen kleinen Eisberg gerammt und einen faustbreiten Riss im Rumpf davongetragen."

Die britische Küstenwache hat zusammen mit der US-Küstenwache und den argentinischen Behörden die Rettungsarbeiten koordiniert. Andy Cattrell von der Küstenwache Falmouth erklärte, die Wetterbedingungen seien für diese Jahreszeit "recht gut", aber es sei sehr kalt.

"Es würde bei diesen Wassertemperaturen nicht lange dauern, bis die Menschen unterkühlt sind", sagte Stephen Davenport vom Wetterdienst MeteoGroup. Zwar seien die Wetterbedingungen "recht gut" gewesen, doch "man will da jetzt mit Sicherheit niemanden im Wasser haben".

Die "Explorer" ist das erste Passagierschiff, das zur Antarktis reiste und die berühmte Nordwestpassage durchquerte. Wegen seiner Farbe wird es auch "Das kleine rote Schiff" genannt.

Die Urlauber waren am 11. November vom argentinischen Hafen Ushuaia zu der 19 Tage langen Tour aufgebrochen. Ziel war die Drakestraße, die Wasserstraße zwischen der Südspitze Südamerikas und der Nordspitze der antarktischen Halbinsel. Für die Anreise nach Argentinien und die Tour zahlten die Passagiere umgerechnet rund 6250 Euro.

Die Südlichen Shetland-Inseln befinden sich rund 120 Kilometer nördlich der antarktischen Halbinsel. Sie sind seit 1962 Teil des britischen Antarktis-Territoriums, obwohl auch Chile und Argentinien Anspruch auf das Gebiet erheben.

jdl/ala/dpa/AP/Reuters



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