"Hitler ein netter Kerl" Heesters fühlt sich von TV-Sender betrogen

Johannes Heesters fühlt sich "hereingelegt": Das holländische Fernsehen hatte den 104-Jährigen gefragt, ob Hitler ein "netter Kerl" war - der Schauspieler verstrickte sich in ungeschickte Antworten. Die Worte seien ihm in den Mund gelegt worden, wirft seine Frau dem Sender vor.


Berlin/Amsterdam - Er will an diesem Freitag seinen 105. Geburtstag feiern - doch eine unbedachte Wortwahl vor laufender Kamera könnte für Bühnenlegende Johannes Heesters zum Alptraum werden. Im Interview mit einem holländischen Fernsehsender hat sich der betagte Schauspieler offenbar in ungeschickte Aussagen zur NS-Zeit verstrickt.

Schauspieler Heesters: "Ich wollte nichts mit den Herren Goebbels, Göring zu tun haben"
DPA

Schauspieler Heesters: "Ich wollte nichts mit den Herren Goebbels, Göring zu tun haben"

Nach Angaben seiner Frau Simone Rethel-Heesters hatte Heesters auf die Frage "War Hitler ein netter (guter) Kerl?" (Was Hitler een aardige man?) unter anderem geantwortet: "...für seine Soldaten war er aardig (gut), die fanden ihn gut".

Jetzt fühlt sich der Schauspieler von der Fernsehanstalt "hereingelegt". Seine Frau betonte in einer der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch übermittelten Presseerklärung, ihr Mann sei in dem Gespräch des TV-Senders Vara "überfallartig" mit Fragen nach Hitler und Stalin konfrontiert worden.

Sie sei überzeugt, dass die ungeschickte und "schreckliche Antwort" ihrem Mann "in den Mund gelegt" worden sei, sagte Simone Rethel-Heesters. Sie selbst habe die "perfide Frage" des Interviewers nicht verstanden, weil sie in Holländisch gestellt wurde.

"Mein Mann hat leider immer wieder versucht, die Frage nach 'Hitler, dem guten Mann' zu beantworten, indem er sich immer wieder ungeschickt und für ihn entsetzlich verfänglich ausdrückte", heißt es in der Erklärung.

"Versuch, das Leben meines Mannes zu zerstören"

Die Ehefrau des betagten Schauspieler machte dem TV-Sender in der Erklärung schwere Vorwürfe: Mit der Ausstrahlung dieses Interviews, "das von einem jungen Mann geführt wurde, der gar nicht auf die Schwierigkeiten eines sehr, sehr alten, blinden Mannes einging, zynische Fragen stellte, die ein 105-Jähriger nicht mehr durchschaute, versucht man zweifellos, das Leben meines Mannes zu zerstören".

"Mein Mann äußerte sich während des Interviews sehr wohl gegen das Regime, etwa mit den Worten: 'Ich war nicht in der NSDAP. Ich war kein Parteimitglied, ich wollte nichts mit den Herren Goebbels, Göring zu tun haben.'", verteidigte Simone Rethel-Heesters ihren Mann. "Dass dies nicht gezeigt wurde, lässt auf einiges schließen."

Der aus Holland stammende Heesters setzt sich zurzeit vor dem Berliner Landgericht gegen Behauptungen zur Wehr, er sei bei einem Besuch zusammen mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters 1941 im KZ Dachau dort auch aufgetreten. Das Urteil soll am 16. Dezember verkündet werden.

Sie sei überzeugt davon, betonte Simone Rethel-Heesters weiter, "dass Jopies Lebensleistung nicht durch einen einzigen unglücklichen Satz in einem Interview geschmälert wird. Mein Mann ist im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen immer auf Distanz zu den braunen Machthabern geblieben und hat in der Vergangenheit hundertfach in Interviews zum Ausdruck gebracht, dass er für Hitler und seine Gefolgsleute stets nur Verachtung übrig hatte."

Für sie und ihren Mann, der sich so sehr auf die Feiern zu seinem 105. Geburtstag gefreut habe, sei die momentane Situation "eine Katastrophe", sagte die Ehefrau des Schauspielers. "Er ist zurzeit praktisch nicht mehr in der Lage, seine Rolle zu spielen, und würde bei nochmalig auftretenden Bühnenschwierigkeiten aufhören müssen." Heesters spielt noch bis zum 18. Januar in Hamburg den Kaiser Franz Joseph in der Operette "Im weißen Rössl".

amz/dpa



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