Interview mit Jon Flemming Olsen Der Fritten-Humboldt

In der Kult-Comedy "Dittsche" spielt Jon Flemming Olsen den Stoiker Ingo, der in der Imbissbude hinter der Theke steht und bei den Gags seines Partners keine Miene verziehen darf. Im wahren Leben nimmt er's lockerer - doch die Fritte bleibt seine Leidenschaft.

Von


SPIEGEL ONLINE: Herr Olsen, Sie arbeiten an einem Buch über deutsche Imbissbuden, werden zur Recherche demnächst in ganz Deutschland unterwegs sein. Aber wer, bitteschön, soll sich so ein Buch kaufen?

Jon Flemming Olsen: Ich schreibe keinen Gastronomieführer, sondern ein Lesebuch über das Phänomen deutscher Imbiss. Mich interessiert nicht die Qualität von Wurst oder Pommes, sondern die besondere Atmosphäre dieser Läden, das Zwischenmenschliche, Skurrile oder Abseitige. Eben die Geschichten, die man nur dort findet. Das alles möchte ich festhalten, bevor das voranschreitende Imbisssterben es dahinrafft.

SPIEGEL ONLINE: Wie ermitteln Sie - inkognito oder als "Ingo"?

Olsen: Inkognito. Ich werde als eine Art Fritten-Humboldt durchs Land reisen und mich als Praktikant einen Tag hinter den Tresen stellen, und viel mit den Wirten sprechen. Die wissen natürlich, wer ich bin - den Kunden werde ich es nicht auf die Nase binden. Das Authentische ist wichtig: Was sind das für Leute, und warum kommen sie ausgerechnet hierher.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Adressen stehen bereits auf Ihrer Liste?

Olsen: Ich habe bis jetzt circa 130 Tipps gesammelt, einige sehr vielversprechende Buden sind schon dabei. Nordrhein-Westfalen ist natürlich die Imbisshochburg, aus Rheinland-Pfalz habe ich dagegen erst einen einzigen Hinweis. Dönerbuden, Croqueläden oder Pizzerien fallen übrigens definitiv nicht in mein Untersuchungsgebiet.

SPIEGEL ONLINE: Seit genau zehn Jahren spielen Sie "Dittsches" Gegenüber, den Imbisswirt Ingo - mit Vokuhila-Perücke. Privat tragen Sie Glatze ...

Olsen: Eine Kein-Haar-Frisur! Wir wollten nicht, dass der Wirt womöglich politisch in eine Ecke gestellt werden könnte.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie auf der Straße erkannt?

Olsen: Angenehm selten. Haare machen unheimlich viel aus.

SPIEGEL ONLINE: Als "Ingo" bewirteten Sie in der "Dittsche"-Show bereits Uwe Seeler, Thomas Gottschalk, Günther Jauch. Welcher Promi-Besuch hat Sie am meisten beeindruckt?

Olsen: Rudi Carrell war toll. Ich bin Jahrgang '64, für mich gehört der zu meiner Kindheit wie Nutella und Sandmännchen.

SPIEGEL ONLINE: Die Beziehung zwischen Ingo und seinem nervigen Stammgast Dittsche ist sehr symbiotisch - und lebensnah: Sie gehen einander auf die Nerven, aber ohne einander können Sie auch nicht.

Olsen: Ja, das ist unser Dreh- und Angelpunkt: Dittsche soll Ingo auf unterhaltsame Weise nerven. Ingo ist ein genügsamer Mensch, der am Ende des Tages ein großes Herz hat - die zwei, drei Bier, die Dittsche am Abend bei ihm trinkt, braucht Ingo ja eigentlich nicht für seinen Umsatz, dennoch lässt er seinen seltsamen Stammkunden nicht hängen ...

SPIEGEL ONLINE: ... aber ein Ingo braucht auch Einfühlungsvermögen.

Olsen: Absolut. Er versucht ja immer wieder, Vernunft und Ordnung in das Hirn dieses Mannes zu bringen - was natürlich nicht möglich ist! Die Idee des Formats hat etwas Wahres: Es gibt genug Dittsches da draußen, auch wenn sie keinen Bademantel tragen.

SPIEGEL ONLINE: Oft können Sie sich in der Live-Sendung das Lachen nicht verkneifen ...

Olsen: Natürlich. Richtig gut sind wir immer dann, wenn wir hören, wie die Kollegen von der Technik, die am Mischpult in einem Hinterzimmerkabuff sitzen, anfangen zu prusten. Als Ingo habe ich es vergleichsweise einfach und darf mich auch mal ausschütten.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind seit mehr als 20 Jahren eng mit Olli Dittrich befreundet, spielen zusammen bei "Texas Lightning". Worin besteht der Vorteil, ein solches Improvisationsformat mit einem Menschen zu machen, den man so gut kennt?

Olsen: Das spielt eine immens große Rolle, anders würde es gar nicht funktionieren. Wir stehen auf einer imaginären Bühne und wissen genau, wie der andere funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Wie muss man sich die Situation nach der Sendung vorstellen: Gehen Dittsche, Schildkröte und Ingo sofort getrennte Wege?

Olsen: Nein, im Gegenteil: Das komplette Team geht nach jeder Sendung noch auf ein Bier in eine Kneipe in der Nähe und lässt den Arbeitsabend entspannt ausklingen.

SPIEGEL ONLINE: Es heißt, Olli Dittrich findet nur schwer aus seinen Rollen heraus und brauche ein paar Stunden, um die Figur Dittsche abzulegen. Geht Ihnen das auch so?

Olsen: Nein, wenn ich die Perücke abnehme, ist Ingo weg.

Am 1. März startet die 11. Staffel "Dittsche", 23.30 Uhr, WDR



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Porgy, 27.02.2009
1. Ist Jon Flemming Olsen eigentlich dänischer Herkunft?
Sein Name klingt doch ein wenig so.
peterbruells 27.02.2009
2. Nein, ist er nicht
Zitat von PorgySein Name klingt doch ein wenig so.
http://www.jfolsen.de/
PML, 27.02.2009
3. Primitiv und humorfrei
@SPON: ---Zitat--- In der Kult-Comedy "Dittsche" ---Zitatende--- Ich bin zweimal auf diese "Kult-Comedy" gestoßen. Das ist doch das Ding, wo ein Typ im Bademantel als "arbeitslose Labertasche" in einer Frittenbude steht? Das Ding ist nicht nur abwegig und primitiv, sondern vor allem: zum Erbrechen langweilig. Noch die primitivste US-Comedy-Serie hat dagegen Esprit, Witz und Charme. Man sollte sich in diesem Genre lieber an US-Ausnahme-Formaten wie "Frasier" oder "4 x Herman" orientierten als am US-Mainstream a la "Wer klopft denn da?".
Demosthenes, 27.02.2009
4. Das war ja wohl nix...
Zitat von PML@SPON: Ich bin zweimal auf diese "Kult-Comedy" gestoßen. Das ist doch das Ding, wo ein Typ im Bademantel als "arbeitslose Labertasche" in einer Frittenbude steht? Das Ding ist nicht nur abwegig und primitiv, sondern vor allem: zum Erbrechen langweilig. Noch die primitivste US-Comedy-Serie hat dagegen Esprit, Witz und Charme. Man sollte sich in diesem Genre lieber an US-Ausnahme-Formaten wie "Frasier" oder "4 x Herman" orientierten als am US-Mainstream a la "Wer klopft denn da?".
LOL! Klar sind Geschmäcker verschieden. Ist auch gut so. Man muss Dittsche auch nicht mögen. Es bleibt ja jedem unbenommen... Aber wer anfängt, Dittsche mit Fraiser zu vergleichen *schüttel*, der hat das Format der Sendung von vorn bis hinten nicht verstanden. Zumal ich nicht verstehe, wieso man überhaupt irgendwas mit US-Formaten vergleichen sollte. Sprich: Thema verfehlt. Setzen. Sechs.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.