Interview mit Kader Loth "Fragen Sie mich was anderes, sonst leg ich auf!"

Sie zog sich aus für "Penthouse" und wohnte im "Big Brother"-Container - jetzt dient Kader Loth als Frauenbeauftragte der Pauli-Partei. Im Interview kündigt die 36-Jährige an, die gesellschaftliche Stellung der Frauen verbessern zu wollen. Und rügt: "Die Männer haben meistens wenig Zeit für uns."


SPIEGEL ONLINE: Frau Loth, Ihre politische Karriere war nun ja relativ kurz.

Kader Loth: Warum das denn?

SPIEGEL ONLINE: Weil die Partei von Gabriele Pauli, in der Sie Frauenbeauftragte sind, gar nicht zur Bundestagswahl zugelassen worden ist.

Loth: Ja, das ist schade. Aber es war von Anfang an zu befürchten, dass die Zeit nicht ausreichen würde, genügend Unterschriften zusammenzubekommen.

SPIEGEL ONLINE: Es scheiterte aber vor allem an einer Unterschrift, nämlich der von Frau Pauli selbst auf Unterlagen für den bayerischen Landeswahlleiter.

Loth: Das ist natürlich ärgerlich und hätte nicht passieren dürfen. Aber Frau Pauli ist auch nur ein Mensch. Jetzt wird sie erst recht motiviert sein weiterzumachen. Dafür hat sie ja nun viel Zeit.

SPIEGEL ONLINE: Bleiben Sie in der Freien Union, auch wenn jetzt kein Bundestagsmandat winkt?

Loth: Natürlich. Ich werde unabhängig von Frau Pauli weitermachen. Ich bin im Landesverband Berlin - was Frau Pauli auf Bundesebene macht, ist natürlich etwas anderes. Ich habe einige Projekte an Land gezogen.

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Loth: Ich werde Charity-Projekte machen, Konzerte und Galas. Dabei soll Geld zusammenkommen, das ich dann Frauenhäusern spenden werde.

SPIEGEL ONLINE: Das sind Ihre Aufgaben als Frauenbeauftragte?

Loth: Ja, unter anderem. Aber das ist alles noch am Anfang. Ich möchte die Dinge konkretisieren, die bisher nicht in Angriff genommen worden sind.

SPIEGEL ONLINE: Was genau ist bisher zu kurz gekommen in der Frauenpolitik?

Loth: Nun ja, ich möchte eben vor allem durch meinen Bekanntheitsgrad auf die Sorgen und die Belange der Frauen aufmerksam machen. Das ist ein riesiger Komplex.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie konkreter werden?

Loth: Um all das zu besprechen, müssten wir uns mehr Zeit nehmen.

SPIEGEL ONLINE: Aber Ihnen werden doch ein paar Beispiele einfallen.

Loth: Das Bild der Frau in unserer Gesellschaft soll verbessert werden. Frauen sollen zum Beispiel häufiger in Führungspositionen gelangen. Auch in der Familie spielt unser Geschlecht immer noch eine schwache Rolle, weil die Männer meistens wenig Zeit für uns haben.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie schon etwas umgesetzt?

Loth: Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Lassen Sie uns da in acht Wochen noch einmal miteinander sprechen.

SPIEGEL ONLINE: Dann sind die Bundestagswahlen aber vorbei.

Loth: Schneller geht es eben nicht.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Partei ist laut Ihrer Chefin in einer Krise, die Zeit haben Sie doch gar nicht.

Loth: Nein, das würde ich nicht sagen. Es gab in der Partei ein paar Unstimmigkeiten und auch Personen, die für schlechte Stimmung gesorgt haben. Aber die sind jetzt nicht mehr dabei.

SPIEGEL ONLINE: Sie sprechen es gerade an: Frau Pauli hat einige unliebsame Mitglieder aus der Partei geworfen. Geht man so mit Kritikern um?

Loth: Ich bin da nicht so sehr im Thema, als dass ich mir da eine Einschätzung erlauben dürfte. Frau Pauli ist eine gute Politikerin, eine Frau mit wahren Inhalten. Wenn sie das gemacht hat, dann wird sie ihre Gründe dafür gehabt haben.

SPIEGEL ONLINE: Einige Delegierte der Partei sagen, Sie seien nie gewählt oder als Frauenbeauftragte berufen worden.

Loth: Ich bin offiziell vom Landesverband Berlin ernannt worden. Ich denke, man sollte mir diese Frage nicht mehr stellen.

SPIEGEL ONLINE: Warum nicht?

Loth: Ich finde das diskriminierend. Frau Pauli steht nicht für Unwahrheiten.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Nachfrage muss doch erlaubt sein, wenn es unterschiedliche Informationen dazu gibt.

Loth: Das ist aber eine Beleidigung. Nicht nur für mich, sondern auch Frau Pauli, der man dadurch unterstellt, nicht die Wahrheit zu sagen.

SPIEGEL ONLINE: Politisch engagiert waren Sie bisher ja noch nicht. Was gefällt Ihnen an der Freien Union?

Loth: Das stimmt, ich war bisher keine politisch aktive Person. Jahrelang habe ich überlegt, welche Partei die richtige für mich ist. Dann habe ich viel von der Freien Union gesehen und gelesen - und dachte mir: Jetzt will ich meine Popularität für etwas Sinnvolles einsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Welche politischen Fragen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Loth: Ich bin, wie Frau Pauli, auch für eine Direktwahl des Bundeskanzlers und des Bundespräsidenten. Die Distanz zwischen den Bürgern und den Politikern ist durch die indirekte Wahl zu groß.

SPIEGEL ONLINE: Wissen Sie denn eigentlich, wer den Bundespräsidenten momentan wählt?

Loth: Das wissen Sie doch genauso gut wie ich. Weshalb stellen Sie mir so eine Frage?

SPIEGEL ONLINE: Weil ich gerne wüsste, ob Sie das wissen.

Loth: Das finde ich nicht in Ordnung. Sie wissen die Antwort und fragen mich trotzdem. Das ist eine Verarschung. Fragen Sie mich etwas anderes, sonst lege ich auf!

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie müssen sich als Politikerin doch solche Fragen gefallen lassen.

Loth: Natürlich. Das überlasse ich am Ende Ihnen. Man würde sicher einer Politikerin, die studiert hat, mehr abkaufen als einer Kader Loth. Aber ich glaube, auch die Damen, die studiert haben, haben als Frauenbeauftragte in Deutschland nicht viel erreicht.

SPIEGEL ONLINE: Wo hakt es da?

Loth: Naja, so ganz generell.

SPIEGEL ONLINE: Sie waren Miss Penthouse und die Alm-Königin: Kann Gabriele Pauli noch von Ihnen lernen?

Loth: Nein, hier will niemand von dem anderen was lernen. Sie ist sicherlich ein Vorbild für mich, denn sie hat etwas geleistet. Sie ist eine Macherin.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind auch eine Macherin. Verträgt die Freie Union zwei von der Sorte?

Loth: Ich bin keine Macherin. Und auch keine Politikerin. Das Wort will ich auch gar nicht missbrauchen.

SPIEGEL ONLINE: Aber wie wollen Sie für eine Partei arbeiten und keine Politikerin sein?

Loth: Vielleicht bin ich auf dem Weg dahin - jetzt bin ich es aber noch nicht. Ich bin die Leiterin des Arbeitskreises für Frauenrechte. Das muss reichen. Ich muss mich auch erst einarbeiten. Für eine Politikerkarriere bin ich auch sicherlich nicht ausreichend vorgebildet. Aber das weiß man ja alles. Frau Pauli wird mir zur Seite stehen und mich unterstützen. Irgendwann wird etwas dabei herauskommen.

SPIEGEL ONLINE: War es ein Kindheitstraum von Ihnen, einmal Politikerin zu sein?

Loth: Nein, aber bei all den Vorbehalten, die man immer gegen mich hat, wird es Zeit, den Leuten zu zeigen, was ich draufhabe. Gegen diese Vorurteile will ich ankämpfen und mich weiterentwickeln. Gerade Frauen wie ich, die außergewöhnlich sind und in der Öffentlichkeit stehen, die oft auch in eine bestimmte Schublade gesteckt werden, sind am Ende viel motivierter, sich für etwas einzusetzen als eine normale Frau, die hinterm Kochtopf steht.

Anmerkung der Redaktion: In dem Gespräch war zunächst davon die Rede, die Horst-Schlämmer-Partei trete zur Bundestagswahl an. Das ist nicht der Fall. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Das Interview führte Hannah Lucas

insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
semper fi, 07.08.2009
1. -
Zitat von sysopSie zog sich aus für "Penthouse" und wohnte im "Big Brother"-Container - jetzt dient Kader Loth als Frauenbeauftragte der Pauli-Partei. Im Interview kündigt die 36-Jährige an, die gesellschaftliche Stellung der Frauen verbessern zu wollen. Und rügt: "Die Männer haben meistens wenig Zeit für uns." http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,641109,00.html
Soso, Frau Loth will mit ihrem Bekanntheitsgrad etwas ausrichten. Ich kenne die Tussi nicht.
berkr 07.08.2009
2. Wozu Interview?
Ein Interview das die Welt nicht braucht. Haben Reporter heute nichts besseres zu tun? Selbst die Fragestellungen an Frau Loth sind absolut sinnlos.
mirrormirror, 07.08.2009
3. Frau Loth, Sie sind enttarnt.
Das Ende des Interviews ist entlarvend und zeigt, was die "Frauenbeauftragte" Kader Loth tatsächlich über ihre Geschlechtsgenossinnen denkt. "Gerade Frauen wie ich, die außergewöhnlich sind und in der Öffentlichkeit stehen, die oft auch in eine bestimmte Schublade gesteckt werden, sind am Ende viel motivierter, sich für etwas einzusetzen als eine normale Frau, die hinterm Kochtopf steht." oder anders: Die normale Frau steht hinterm Kochtopf und ist nicht motiviert genug. Da gibt es natürlich noch viel Arbeit für Frau Loth.
doyle78 07.08.2009
4. Lotheratur
Oh Fr. Loth kenne ich sehr wohl. Allen denen, für die Fr. Loth eine Unbekannte ist, sei Kalkofes Mattscheibe u.A. mit den Beiträgen "Lotheratur" empfohlen. Da wird man sich auch über das vorhandene intellektuelle Niveau von Fr. Loth im Klaren.
psycho_moni 07.08.2009
5. Macht nichts ...
Zitat von semper fiSoso, Frau Loth will mit ihrem Bekanntheitsgrad etwas ausrichten. Ich kenne die Tussi nicht.
Da hast du nicht allzuviel verpasst, die Frau ist ziemlich dumm - dass sie nicht wusste wer den Bundespräsidenten wählt, überrascht mich nicht, es überrascht mich allerdings dass sie teilweise vernünftige Antworten gegeben hat. Kader Loth ist total selbstverliebt und hat irgendwann mal im Interview gesagt dass sie ja einen "Nobelpreis" (das ist korrekt zitiert) verdient hat für das, was sie ist ... leider weiß sie nicht wofür ein Nobelpreis überhaupt verliehen wird.
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