Debatte über 007-Kandidaten "James Bond kann nicht schwarz sein"

James Bond muss cool und smart sein. Aber auch weiß? Seit Idris Elba als nächster 007 gehandelt wird, wird darüber debattiert. Für Yaphet Kotto, den ersten schwarzen Bond-Bösewicht, wäre alles andere als ein weißer Darsteller eine Fehlbesetzung.

Corbis

Idris Elba gilt als hervorragender Schauspieler, ist anerkannt, sieht sportlich aus, macht im Smoking eine hervorragende Figur und gibt auch einen überzeugenden Womanizer ab: Beste Voraussetzungen, um James Bond zu spielen - sollte man meinen. Denn eine Eigenschaft disqualifiziert Elba in den Augen mancher Kritiker als Darsteller von 007. Elba ist schwarz.

Nun läuft die Debatte darüber, ob die Hautfarbe ein Ausschlusskriterium sein sollte. Erst äußerte sich der ehemalige Bond-Darsteller Roger Moore zum Thema. Bond sollte "English-English" sein, sagte er in einem Interview. Ein schwarzer Bond sei eine interessante Idee, aber unrealistisch.

Viele interpretierten das als Votum gegen einen schwarzen 007-Darsteller - konkret gegen Elba, der bei britischen Buchmachern als ein Favorit auf die Nachfolge von Daniel Craig gilt. Moore stellte allerdings klar, dass seine Aussage keinesfalls konkret auf Elba bezogen gewesen, sondern in dem Fall aus dem Zusammenhang gerissen worden sei.

Jetzt hat sich Yaphet Kotto in die Debatte eingeklinkt. In einem Interview mit "Big Issue" wurde der 75-Jährige auf Moores Aussagen angesprochen. Kottos Wort lässt sich in der Frage nicht einfach beiseite wischen. Er spielte den ersten schwarzen Bösewicht der Bond-Geschichte: Dr. Kananga alias Mr. Big in "Leben und sterben lassen" aus dem Jahr 1973.

"James Bond", sagte Kotto, "kann nicht schwarz sein. Zum Teufel mit der politischen Korrektheit, wir müssen bei dem bleiben, was buchstäblich korrekt ist".

Schwarze sollten aufhören, Rollen zu spielen, die von Weißen erschaffen wurden. "Diese Rollen sind nicht für schwarze Männer geschrieben." Es gebe doch die Möglichkeit, sich Rollen auszudenken, für die es noch keine etablierten Vorbilder gebe.

Ian Fleming habe James Bond als weiße Figur erschaffen, die von weißen Schauspielern verkörpert werden sollte, sagte Kotto. Schwarze könnten "003 oder 006 sein, aber nicht 007". Es sei lächerlich, alles spielen zu wollen. "Wenn ich sage, dass ich JFK spielen will, sollte ich ausgelacht werden."

Der aktuelle Bond-Darsteller Daniel Craig hat bislang keine Absichten kundgetan, als 007-Darsteller aufzuhören. Sein vierter Agentenfilm "Spectre" soll im November in die Kinos kommen. Regie führt Sam Mendes, die Rolle des Schurken übernimmt Christoph Waltz, als Bond-Girl ist Monica Bellucci vorgesehen.

Am Dienstag äußerte sich auch Elba zu den Spekulationen über seine Rolle als Agent mit der Lizenz zum Töten. Das Gerücht habe sich selbst erledigt, sagte der 42-Jährige laut "Hollywood Reporter". "Wenn es jemals eine Chance gab, dass ich Bond spiele, ist sie verschwunden." Gespräche mit den Produzenten habe es ohnehin nie gegeben.

Laut Elba war Craig selbst der Ursprung für die Spekulationen. Dieser habe vor vier Jahren mal gesagt, Elba würde einen guten Bond abgeben. "Da begann das Gerücht", sagte Elba nun und fügte im Spaß hinzu: "Ich mache Craig dafür verantwortlich."

ulz



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