Jared Leto "Ein Schwuler hätte nicht die gleichen Chancen"

Homosexuelle Darsteller haben es schwer in Hollywood. Findet jedenfalls Jared Leto. Der Schauspieler wurde selbst kritisiert, nachdem er die Rolle einer Transfrau gespielt hatte.

DPA

Vielleicht ahnt Jared Leto, was es heißt, als Homosexueller diskriminiert zu werden. Seine Rolle als Transfrau Rayon im Film "Dallas Buyer Club" spielte er jedenfalls so überzeugend, dass es Filmpreise hagelte - darunter ein Oscar und ein Golden Globe. Allerdings steckte Leto auch Kritik ein: Ein schwuler oder transsexueller Schauspieler hätte den Charakter darstellen sollen, hieß es aus der LGBT-Community (lesbisch, schwul, bi- und transsexuell).

"Das ist immer noch ein sehr konservatives Geschäft", sagte Leto nun in einem Interview mit dem Magazin "GQ Style". Homosexuelle Darsteller hätten kaum Chancen auf einen großen Durchbruch in Hollywood. "Ein schwuler Hauptdarsteller hätte nicht die gleichen Chancen wie ein heterosexueller", so Leto. "Ich weiß nicht, ob das beleidigend ist oder nicht, aber so denke ich. Es sollte nicht so sein."

Wie der "Guardian" berichtet, hatte schon Matt Damon 2015 das Schicksal seines Kollegen Rupert Everett beklagt, der trotz großen Talents nie die Berühmtheit Damons erlangte. Damals habe Damon erklärt: "Du bist ein besserer Schauspieler, je weniger die Leute über dich wissen, und Sexualität ist ein großer Teil davon. Die Leute sollten nicht wissen, ob du hetero oder schwul bist, denn das ist eines der Geheimnisse, die du spielen können solltest."

Jared Leto fühlt sich in diesem Zustand der Ungewissheit anscheinend selbst ganz wohl, wie er jetzt sagte: Es sei gerade eine interessante Zeit, in der Menschen mit verschiedenen Identitäten spielen würden - nicht nur bezogen auf die klassischen Geschlechter. "Ich selbst habe nie eine besondere Vorstellung von Männlichkeit gehabt", sagte Leto. "Ich denke, es ist in Ordnung, du selbst zu sein, egal was das beinhaltet."

cnn



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Afrojüdischer_Sozi-Sinti 05.08.2016
1. die Massen wollen belogen werden
"Ich selbst habe nie eine besondere Vorstellung von Männlichkeit gehabt", sagte Leto. "Ich denke, es ist in Ordnung du selbst zu sein, egal was das beinhaltet." Im Grunde genau die richtige Einstellung. Aber die unselbständigen Massen verlangt es nach Fast-Food Identität nach Industrie-Standard aus der Konserve. Deshalb ist die Mehrheit auch häufig konservativ. Religion, Nation und Geschlecht bietet genormte Einheits-Identitäten zum Nulltarif. Man muss dazu überhaupt nichts besonderes können oder leisten. Ein (an für sich immer unverbindliches) Glaubensbekenntnis, der richtige Eintrag im Pass oder schlimmstenfalls eine bestimmte Haut- oder Haarfarbe oder eben die sexuelle Orientierung werden als Massenkult billig und bequem zum identitätsstiftenden Merkmal. Viele der wenigen Menschen die sich ihrer Einzigartigkeit bewusst sind, leben zum großen Teil auch von diesen unselbständigen Massen. Das alles spiegelt sich eben auch in den ökonomischen Verhältnissen wieder: Es gibt selbständige Unternehmer auf der einen und unselbständige (abhängige) Arbeitnehmer auf der anderen Seite. Und wenn die ganze Kiste aufgrund der dazu gehörenden zunehmenden ökonomischen Ungleichheit nicht mehr läuft, wird auf diese Discounter-Identitäten zurückgegriffen um die Massen gegeneinander aufzuwiegeln, anstatt den Zustand der Abhängigkeit und Unselbständigkeit der Massen als Kern des Problems zu thematisieren. Aus Angst vor Verlust des Status Quo und vor Konkurrenz.
global player 05.08.2016
2. Vermarktungswert
Ich glaube, der Grund dafür ist ganz einfach: Männliche Schauspieler ziehen weibliche Fans an. Wenn die Frauen aber wissen, dass ein Schauspieler schwul ist, schwärmen sie nicht mehr so für ihn, weil sie in ihrer Phantasie nicht mehr als potentielle Partnerin infrage kommen und fallen als Kinogänger weg. Es geht also alles nur auf den Vermarktungswert zurück.
kayakclc 05.08.2016
3. Missverständnisse
Schwule, lesbisch oder hetro von Darstellern ist doch völlig sekundär in Hollywood. Es zählt allein, was den größte Gewinn verspricht. Damit zählt für Hollywood nur, was für die Zuschauer wichtig ist. Man kann das auch schon an den gezeigten Filmen in unterschiedlichen Stadtvierteln von L.A. selbst ablesen. Die werden nach der lokalen Zielgruppe ausgewählt.
EaronnEaronn 05.08.2016
4. Dann dürften die Männer
Zitat von global playerIch glaube, der Grund dafür ist ganz einfach: Männliche Schauspieler ziehen weibliche Fans an. Wenn die Frauen aber wissen, dass ein Schauspieler schwul ist, schwärmen sie nicht mehr so für ihn, weil sie in ihrer Phantasie nicht mehr als potentielle Partnerin infrage kommen und fallen als Kinogänger weg. Es geht also alles nur auf den Vermarktungswert zurück.
ja auch keine lesbischen Schauspielerinnen sehen wollen. Und nun schauen wir uns mal den Pornomarkt dafür an... ;) Ich denke mal, die meisten Frauen sind durchaus nicht so bescheuert, einen Film nicht anzusehen, nur weil der Hauptdarsteller wg Homosexualität "nicht verfügbar" ist. Gesteht uns ein klein wenig Verständnis der Realität doch zu. Oder ist das bei euch Männern so? M.E. ist galoppierende Homophobie da eine viel wahrscheinlichere Erklärung.
blob123y 05.08.2016
5. Purere Unsinn
die ueberwaeltigende Mehrheit da drueben sind Homosexuelle und zwar sowohl als Saenger als auch als Schauspieler. Woher ich das weiss? Weil ich da bei ein paar Filmen mit gespielt habe und zwar als es noch mit Zelluloid ging.
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