Rap-Marathon im Museum: Ist das Jay-Z oder kann das weg?

Rapper Jay-Z: Vom Pimp zum Picasso-Protz Fotos
Youtube

Eine Mischung aus Installation und gesprungener Schallplatte: Sechs Stunden lang performte Jay-Z in einer New Yorker Galerie einen Song aus seinem neuen Album. Mit einer ermüdenden Botschaft. Er wünscht sich einen "Picasso, Baby".

New York - Selten hat ein Musiker so viel auf sich genommen, um ein Album zu promoten: Jay-Z hat in einer New Yorker Galerie offenbar sechs Stunden lang einen einzigen Song performt, wie die Magazine "People" und "Entertainment Weekly" berichten.

Weißes Hemd, enge Jeans, Sneakers, um Hals und Armgelenk blinken die üblichen Rapper-Insignien: Videos, die Besucher der Pace Gallery bei YouTube und Twitter posteten, zeigen Jay-Z rappend und tanzend auf einer weißen Bühne, um ihn herum Dutzende Zuschauer.

Das Einzige, was in der Sammlung des 43-Jährigen an Statussymbolen noch fehlt, ist demnach ein berühmtes Gemälde. "I just want a Picasso in my casa, ca ca Picasso, Baby", singt er mal mehr, mal weniger enthusiastisch seinen eigenen Song mit. Wieder und wieder, Stunde um Stunde. Die Performance soll angeblich Teil seines Videos für die Single "Picasso Baby" werden.

Eine Proll-Show für ein Proll-Album: "Magna Carta Holy Grail" heißt sein neues Werk. Selbstverständlich sorgte Jay-Z für den ihm eigenen Exklusiv-Charakter. "Entertainment Weekly" zufolge waren die Gäste zuvor gezielt ausgewählt worden. Einladungen gingen an Vertreter der Kunst und Medienszene; einige wenige an jene, die eine Mitgliedskarte für Jay-Zs Club "40/40" besitzen. Die rund hundert Fans, die vor der Galerie vergeblich auf Einlass warteten, wurden demnach vom Sicherheitspersonal in Schach gehalten.

Weniger ist mehr, scheint die Strategie von seinem PR-Team zu sein. Schon vor Veröffentlichung des Albums hatte er einer Million Samsung-Galaxy-Nutzern erlaubt, die Tracks vorab kostenlos herunterzuladen. Ein Coup, der ihm aus dem Stand eine Platin-Auszeichnung für eine Million verkaufte Platten einbrachte.

Mit dieser Art von Werbung scheint er bei seinen Fans jedoch nicht anzuecken. "Die Zeit wird zeigen, dass es eines der besten Jay-Z-Alben ist", sagte ein wartender Fan "Entertainment Weekly". Einlass wurde ihm trotzdem nicht gewährt.

gin/gam/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Was für ein Artikel?
who_dares_wins 11.07.2013
Warum schreibt ausgerechnet ein Redakteur, der offensichtlich wenig Sympathie und Verständnis für diese Kultur hat, einen Artikel über Jay-Z's Projekt. Man lässt doch einen autohassenden Fahrradfahrer doch auch nicht über die Premiere der neuen S-Klasse schreiben, oder?
2. .
frubi 11.07.2013
Zitat von who_dares_winsWarum schreibt ausgerechnet ein Redakteur, der offensichtlich wenig Sympathie und Verständnis für diese Kultur hat, einen Artikel über Jay-Z's Projekt. Man lässt doch einen autohassenden Fahrradfahrer doch auch nicht über die Premiere der neuen S-Klasse schreiben, oder?
Wer die Rap(Hip-Hop)-Kultur liebt, muss eigentlich das kalte Kotzen bekommen wenn er sieht, wie Jaz-Z seine Musik durch einen Großkonzern vermarkten lässt. Es muss ja nicht immer 2-Turntable-1-Mic sein aber diese Kommerzschiene ist schon ziemlich eklig. Da höre ich mir doch lieber ein Reflection Eternal oder Planet Asia Album an. Den alten Hova mochte ich. Den Mogul Jay absolut nicht.
3. Hip hop
Nobody Niemand 11.07.2013
find ich ok, dass man sich mal mehr Zeit nimmt. Mal ne Abwechslung zu sonst teuren Konzerten die mitlerweile nach 80min rum sind.
4.
Bronko 11.07.2013
Zitat von frubiWer die Rap(Hip-Hop)-Kultur liebt, muss eigentlich das kalte Kotzen bekommen wenn er sieht, wie Jaz-Z seine Musik durch einen Großkonzern vermarkten lässt. Es muss ja nicht immer 2-Turntable-1-Mic sein aber diese Kommerzschiene ist schon ziemlich eklig. Da höre ich mir doch lieber ein Reflection Eternal oder Planet Asia Album an. Den alten Hova mochte ich. Den Mogul Jay absolut nicht.
Weil man gute Musik allein durchs Vermarkten diskreditiert? Wieviele Alben dürfen denn dann ihrer Meinung nach "echte" Musiker pressen? Fängt bei 1000 Platten und einer Anzeige der Kommerz an? Oder dürfen es auch 5000 und dann nur Flyer sein? Ich kann grundsätzlich nachvollziehen, dass ein zu viel an Vermarktung schnell den Eindruck einer maschinellen Investitionsabfertigung erwecken kann. Aber das muss man nun mal bei der Musikindustrie der letzten 100 Jahre von dem Inhalt/ dem eigentlichen Produkt trennen. Vom Rapstil gefällt mir Reasonable Doubt auch besser als der neuere Jay Z, aber das hat für mich nichts mit der Größe seiner Marke zu tun - und das sollte es auch nicht.
5. optional
LapOfGods 11.07.2013
6h hat der Schnösel seinen "Song" gequaselt. Wow, so ein Filibuster muss phantastisch gewesen sein. So viel Egozentrik haben sich selbst Jimmy Page und Ritchie Blackmore vor 40 Jahren nicht gegönnt. Und die konnten wenigstens was.
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