TV-Moderator Jean Pütz wünscht sich Grabstein mit QR-Code

"Dankeschön, es war ein wunderbares Leben": Diese Botschaft möchte der langjährige Moderator und Autor Jean Pütz, 82, auf seinem Grabmal verbreiten - mithilfe digitaler Technik.

Jean Pütz (Archivbild)
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Jean Pütz (Archivbild)


Jean Pütz, Fernsehmoderator und Wissenschaftsjournalist, möchte mittels eines QR-Codes auf seinem Grabstein auch nach seinem Tod noch zu Menschen sprechen. "Wenn Sie ihn mit dem Smartphone erfassen, lädt ein Video, das ich noch aufnehmen werde, bevor ich abkratze", sagte der 82-Jährige dem Apothekenmagazin "Senioren Ratgeber".

In dem Video möchte er dem Bericht zufolge den Leuten sagen: "Dankeschön, es war ein wunderbares Leben. Mein Schicksal hat mir vieles gebracht, was ich nie für möglich gehalten hätte." Wann er das Video drehen will, sagte Pütz nicht. Eile scheint er nicht zu haben: Er fühle sich nicht wie 82, sondern wie 65, sagte er dem Blatt.

Die Idee mit dem QR-Code hatte Pütz nicht als Erster: Bereits vor einigen Jahren entwickelten die ersten Steinmetze Verfahren, um solche Codes in Grabsteine einzuarbeiten.

Grabstein mit QR Code (Archivbild)
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Grabstein mit QR Code (Archivbild)

Das löste allerdings eine Debatte darüber aus, ob und wie die hinterlegten Inhalte kontrolliert werden sollen, da sie auch nachträglich noch verändert werden können. Der Deutsche Städtetag gab 2013 eine Handlungsempfehlung zum Umgang mit QR-Codes auf Friedhöfen heraus.

Grundsätzlich könnten Friedhofsverwaltungen QR-Codes nicht verbieten, da sie als "Element der Grabgestaltung" gesehen werden könnten, heißt es darin. Allerdings müssten die Hinterbliebenen alle Inhalte offenlegen, wenn sie das Aufstellen des Grabmals beantragen. Auf dem Antrag müssten sie bestätigen, dass sie für den Inhalt verantwortlich seien und während der gesamten Nutzungszeit blieben - um der Friedhofsverwaltung die Verantwortung für inhaltliche Änderungen zu nehmen.

Wie lange die Codes noch populär bleiben, vermag niemand zu sagen. Hätte Pütz der Nachwelt in den Achtzigerjahren ein Video vermachen wollen, hätte er wohl eine VHS-Kassette als Datenträger gewählt.

lov/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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paradonym 10.03.2019
1. Andere Ideen nicht änderbarer QR-Codes
Codes mit URL sind änderbar. Es sei denn sie enthalten data:video/filetype;base64, Daten. Bei einem Video kann man allerdings mit dem daraus resultierenden QR-Code gerne mal ein Haus vollständig tapezieren... Damit hätte man die Änderbarkeit auf Vandalismus beschränkt, aber die Größe für Grabsteine nicht mehr gegeben. Deshalb nimmt man URL-QRs für solche Zwecke. - Eine einfache Textnachricht wäre dennoch viel einfacher.
Papazaca 10.03.2019
2. Die QR-Codes - ein Beispiel für Vergänglichkeit
Andere haben Pyramiden gebaut, Jean Pütz kämpft gegen das Vergessen mit Modernität, die ziemlich sicher bald überholt ist. Der Versuch ehrt, ist aber ziemlich sicher vergeblich. Wo er dann aber doch sehr normal ist ist sein Hinweis, das er sich nicht wie 82 sondern wie 65 fühle. Das sagen und denken viele. Besser wäre gewesen, er hätte gesagt, das er sich wie 150 fühle. Oder wie 9. Aber Pütz nimmt das Alter und den Tod doch ziemlich ernst. Ohne Ihn ironisch zu brechen. Was kann man dem Guten empfehlen? Mein Spezialmittel, ein Glas Buttermilch? Besser wäre eine gesunde Portion Blödheit und viel Lachen. Aber sicher keine QR-Codes.
Leser161 10.03.2019
3. Versteh ich nicht
Ich würde zu meinem Tod ein Statement setzen wollen, das ein bisschen überdauert. Ich meine einen 150 Jahre alten Grabstein mit Schrift kann jeder lesen, ganz im Gegensatz zu einem mit Morsecode. Morsecode ist halt out. QR-Code wird es irgendwann auch sein.
Otto Müller 10.03.2019
4. "Isch habb da ma was vooorbereitet..."
Jean Pütz ist avantgarde - jede seiner Ideen war und ist zumindest amüsant. Deshalb: Nachmachen! Wo bleibt der Hobbytip, Jean?
lomax3030 10.03.2019
5.
Leser161: " Ich meine einen 150 Jahre alten Grabstein mit Schrift kann jeder lesen" Ihrer, meiner und der Grabstein von Jean Pütz werden nicht 150 Jahre stehen. Nach 20 bis spätestens 35 Jahren wird abgeräumt und Platz für den nächsten gemacht. Dann erinnern sich vielleicht noch ein paar Enkel oder Urenkel. Ein paar Jahre später erinnert isch an Sie, mich und Jean Pütz niemand mehr. Wir sind alle nur Staub.
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