Jennifer Lawrence reagiert auf Kritik Mein Kleid, meine Entscheidung

An einem Londoner Wintertag posierte Jennifer Lawrence in einem freizügigen Kleid für Fotos - umringt von männlichen Schauspielkollegen in Wintermänteln. Für Kritiker fand die 27-Jährige nun deutliche Worte.

Getty Images

Jennifer Lawrence hat einen Film gedreht, dieser Film kommt demnächst in die Kinos, dieser Film will also beworben werden. Die Schauspielerin ist derzeit gemeinsam mit Kollegen in London unterwegs, um über den Agententhriller "Red Sparrow" zu sprechen, da gehören auch Termine mit Fotografen dazu. Am Dienstag stand eine Londoner Dachterrasse auf dem Programm.

Lawrence und ihre Kollegen - Francis Lawrence, Matthias Schoenaerts, Joel Edgerton und Jeremy Irons - trafen sich dort im Freien, der Himmel war grau, die Temperaturen so, wie man sie Ende Februar in London erwarten würde. Lawrences Kollegen posierten in Winterjacken und langen Hosen für den Fotografen. Und die einzige Frau in der Runde? Die trug ein schulterfreies Abendkleid mit tiefem Ausschnitt und hohem Beinschlitz, dazu High Heels.

Fotostrecke

8  Bilder
Jennifer Lawrence: "Ich bin extrem gekränkt"

Dieser Unterschied bei der Kleiderwahl kam bei Beobachtern nicht gut an. "Wahre Gleichberechtigung bedeutet, dass Jennifer Lawrence entweder einen Mantel bekommen müsste - oder Jeremy Irons mit nacktem Hintern in Chaps für den Fotografen posieren müsste", schrieb die Londoner Journalistin Helen Lewis. Chaps sind die lederne Beinbekleidung, die Cowboys beim Reiten tragen.

Die australische Journalistin Stephanie Peatling schrieb via Twitter, es sei kalt genug gewesen, dass die Männer in der Runde Mäntel und Schals getragen hätten, "und die arme Jennifer Lawrence trug ein Fetzchen Stoff, das einige vielleicht ein Kleid nennen würden."

Lawrence ist bekannt dafür, dass sie sich gegen die ungleiche Behandlung von Männern und Frauen einsetzt. Doch für die jüngsten Kommentare zu ihrer Kleiderwahl hat sie offenbar kein Verständnis. "Wow. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll in dieser Debatte um 'Jennifer Lawrence trägt in der Kälte ein freizügiges Kleid'", schrieb die Schauspielerin nun bei Facebook.

Die Debatte sei "absolut lächerlich, ich bin extrem gekränkt". Das Versace-Kleid sei wunderbar gewesen: "Glaubt ihr wirklich, ich würde das wunderschöne Kleid mit einem Mantel und einem Schal bedecken?"

Sie sei gerade einmal für fünf Minuten im Freien gewesen. Für dieses Kleid hätte sie sich aber auch in den Schnee gestellt, schreibt Lawrence, "weil ich Mode liebe und das meine Entscheidung war." Die Kommentare dazu seien sexistisch und lächerlich und übertrieben gewesen, es habe mit Feminismus überhaupt nichts zu tun. Die Debatte würde nur von wirklich wichtigen Dingen ablenken. "Reißt euch zusammen, Leute!"

Alles, was sie trage, sei ihre Entscheidung, schreibt Lawrence zum Schluss, und ergänzt in Großbuchstaben: Selbst, wenn sie in der Kälte stehen wolle, dann sei auch das ihre Entscheidung.

aar/Reuters

insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
jorgeG 22.02.2018
1. Tolle Frau
Tolles Kleid. Stay as you are, Jennifer.
wolfgang4430 22.02.2018
2. Mein Gott..
Worüber sich manche aufregen können. Natürlich war es ein ausgesprochen sexy Kleid und Lawrence hat recht dies auch zu zeigen. Was soll das Ganze Geschwafel?
geotie 22.02.2018
3.
Meine Frau hatte mir gerade über die Schulter geschaut und meinte, ich lese jetzt auch schon die Regenbogenpresse. Aber wenn ich mir das wirklich so anschaue, schönes Kleid getragen von einer schönen Frau, aber ansonsten ist das wirklich ein unwichtiges Thema. Naja, vielleicht für meine Frau nicht!
Antidarwinist 22.02.2018
4.
Liebe Feministinnen, bitte verwendet weibliche Eitelkeit nicht gegen Männer.
Larnaveux 22.02.2018
5. Aus dem anstrengenden Leben eines Sittenwächters
Wie belastend muss doch so ein Leben sein... Das Leben eines Gleichberechtigungs-Sittenwächters. Da muss man wirklich auf alles achten. Was Leute anhaben, wie sie da stehen, welche Frisur sie haben, wer wie oft geschminkt oder nicht geschminkt ist und auch wer mit wem in welchem Abstand nebeneinander steht. Und überall lauert der Geist der Ungleichbehandlung. Jetzt also wieder mal bei einem Fototermin. Man fragt sich immer: Wie sähe denn ein gleichberechtigtes Bild aus? Männer auch in High Heels? Vermessung der unbedeckten Körperstellen und dementsprechender Abgleich auf den Quadratzentimeter exakt? Und was ist überhaupt mit der Haarlänge? Sollte man da nicht noch schauen, dass alle gleich viel Haar zeigen? Ganz echt (auch wenn mir das Kleid übrigens nicht gefällt, aber das ist Geschmacksache): Wie krank sind Menschen, die sich über wirklich JEDEN Schrott den Kopf zerbrechen (Leute, das ist ein simpler Fototermin...) und praktisch überall eine böse, böse Ungleichbehandlung vermuten? Ich postuliere mal: KEIN Foto, KEINE Kleidung würde die strengen Zensoren zufriedenstellen, denn die Ungleichheit ist so böse, dass wir Gleichheit noch lange nicht erreicht haben. Selbst wenn Frau Lawrence und die Männer exakt dasselbe getragen hätten, würde es Punkte zur Kritik geben. Hier mal einige Beispiele, die vermutlich leider nicht mal unrealistisch sind (man lernt ja von unseren Sittenwächtern): Nur eine Frau mit vier Männern. Die Frau ist kleiner. Sie ist unangenehm in der Mitte präsentiert, quasi als Opfer von männlicher Dominanz. Oder auch, ihre Mundwinkeln zeigen an, dass sie sich unwohl fühlt, nur nicht mutig genug ist, gegen das Patriarchat während des Fototermins aufzubegehren. Ich werde derzeit in unangenehmster Weise an die chinesische Kulturrevolution erinnert. All die Kritiker, die jetzt Stofflängen ausmessen und vermutlich bald wieder einen Zwickelerlass einführen wollen, wären bei Mao glänzende Mitglieder der Roten Garden gewesen, die kontrollierend durchs Land zogen und sofortige Maßnahmen ergriffen, wo sie nur den Anruch einer abweichenden Meinung vermuteten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.