Jennifer Lopez in Turkmenistan: Ein Ständchen für den Autokraten

Jennifer Lopez in Turkmenistan: Zu Gast bei Autokraten Fotos
AFP

Der Autokrat lädt ein und der Superstar kommt: Jennifer Lopez hat "Happy Birthday, Mr. President" für Turkmenistans Machthaber Gurbanguly Berdymuchammedow gesungen. Eine Kollegin hätte Lopez sagen können, dass das keine besonders gute Idee war.

Awasa - Was tut man als autokratischer Herrscher, wenn man sich zum Geburtstag etwas Besonderes gönnen möchte? Man könnte eine Parade abhalten, eine lange Rede halten - oder sich einen Star einkaufen, in der Hoffnung, von dessen Glanz möge ein wenig auf einen selbst abstrahlen. Turkmenistans Machthaber Gurbanguly Berdymuchammedow hat letztere Variante gewählt und sich zum 56. Geburtstag von Jennifer Lopez ein Ständchen singen lassen.

Nach einem für turkmenische Verhältnisse ungewöhnlich lasziven Auftritt in knapper Jacke und Glitzerstrumpfhose trat die Sängerin in Landestracht vor den Präsidenten und sang gemeinsam mit Stars aus Russland, China, der Ukraine und der Türkei "Happy Birthday, Mr. President". Zu der gigantischen Feier im neuen Badeort Awasa am Kaspischen Meer waren Minister, Botschafter und mehrere Chefs von Staatsunternehmen geladen, doch kein einziger turkmenischer Künstler.

Die gigantische Sause fand im neuen Badeort Awasa statt. Der Bau der Retortenstadt hat seit 2007 rund zwei Milliarden Dollar gekostet. Bis 2020 soll Awasa jährlich bis zu 20.000 Touristen aufnehmen können.

Muss so ein Auftritt sein? Es ist ja nun nicht gerade so, als sei Lopez unbedingt auf die Gage angewiesen. Sie hätte es sich leisten können, sich nicht von einem Machthaber alimentieren zu lassen, dessen Regime nach Angaben von "Human Rights Watch" zu den repressivsten der Welt gehört. Lopez hätte beispielsweise ihre Prominenz nutzen können, um auf die Verhältnisse in Turkmenistan aufmerksam zu machen. Im vergangenen Jahr war sie laut "Forbes" immerhin der einflussreichste Promi der Welt, in diesem Jahr landete sie in der Liste auf Rang zwölf.

Ohnehin wäre Lopez vermutlich schon aus PR-Gründen gut beraten gewesen, auf den Auftritt zu verzichten. Es dauerte nur einige Stunden, ehe sich ihr Management äußerte. Hätte die Sängerin von den Menschenrechtsproblemen in dem Land gewusst, wäre sie dort nicht aufgetreten, hieß es. Ohnehin sei die Feier offiziell von einer Firma veranstaltet worden und habe keinen politischen Hintergrund gehabt. Der Wunsch nach dem Ständchen für den Präsidenten sei erst in letzter Minute an Lopez herangetragen worden und sie habe ihm aus Höflichkeit entsprochen.

Das klingt verdächtig nach der Verlautbarung, die Hillary Swank 2011 veröffentlichte. Damals war die Schauspielerin gemeinsam mit anderen Stars - Geigerin Vanessa-Mae, Actionheld Jean-Claude Van Damme und Sänger Seal - bei Tschetscheniens Machthaber Ramsan Kadyrow aufgetreten und hatte ihm ein Geburtstagsständchen gesungen.

Das mag sich zwar finanziell gelohnt haben, aber fürs Image war es eher abträglich. Menschenrechtsorganisationen werfen Kadyrow etwa Verstrickungen in Auftragsmorde und Verschleppungen vor. "Wenn ich volle Einsicht gehabt hätte, worum es bei dieser Veranstaltung offenbar ging, wäre ich nie hingegangen", hatte Swank gesagt. Von den Vorwürfen gegen den Präsidenten habe sie nichts gewusst.

ulz/AFP/AP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. wie kann es sein...
schelmig13 30.06.2013
dass ein Star so naiv in die Politfalle stolpert, wo doch soviele angebliche Berater in derren Management tätig sind? Es geht scheinbar doch nur um Dollars. Und auch J.L. könnte sich vor ihrem Auftritt über das jeweilige Land kundig machen. Aber vielleicht ist sie halt doch nur ein Dummchen.
2. Human Rights watch
AusVersehen 30.06.2013
Zitat von sysopDer Autokrat lädt ein und der Superstar kommt: Jennifer Lopez hat "Happy Birthday, Mr. President" für Turkmenistans Machthaber Gurbanguli Berdimuchamedow gesungen. Eine Kollegin hätte Lopez sagen können, dass das keine besonders gute Idee war. Jennifer Lopez singt beim Geburtstag von Turkmenistans Präsident - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/leute/jennifer-lopez-singt-beim-geburtstag-von-turkmenistans-praesident-a-908601.html)
Was sagt denn Human Rights Watch zu Ständchen für Obama oder Cameron? Darf sie da auch nicht singen? Illegale Foltergefängnisse Entführungen und die größten Spione der Welt, die nichtmal vor ihren Verbündeten halt machen. Da darf JLo doch ganz sicher singen, oder? Ich definiere die Achse des Bösen jedenfalls anders und da gehören auch und vor allem so mancher Freidensnobelpreisträger dazu! Und damit unsere zu neugierigen "Freunde" auch mitlesen: Frau Obama im weißen Haus sieht wie eine Bombe aus.
3. hätte hätte
foxl 30.06.2013
Fahrradkette? Das Management von JLo sah wahrscheinlich nur das Geld!
4.
Frau Mau 30.06.2013
Zitat von schelmig13dass ein Star so naiv in die Politfalle stolpert, wo doch soviele angebliche Berater in derren Management tätig sind? Es geht scheinbar doch nur um Dollars. Und auch J.L. könnte sich vor ihrem Auftritt über das jeweilige Land kundig machen. Aber vielleicht ist sie halt doch nur ein Dummchen.
Vielleicht ist sie einfach nur ganz banal, gierig
5. Alles ist relativ
coyote38 30.06.2013
Wie sagte der römische Kaiser Vespasian mit sein fiskalischen Scharfsinn doch so treffend: "Pecunia non olet" - "Geld stinkt nicht". Und ich glaube nicht, dass sich "La Lopez" über sonst irgendetwas Gedanken macht ... denn die Allerhellste ist sie ja nun bekanntermaßen WIRKLICH nicht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Leute
RSS
alles zum Thema Jennifer Lopez
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 38 Kommentare