Satire gegen Waffenlobby Jim Carrey als "dreckiger Feigling" beschimpft

In einem bitterbösen Video hat Jim Carrey Waffennarren aufs Korn genommen. Der Comedian spottet vor allem über den verstorbenen Charlton Heston, Oscar-Gewinner und ehemals Mann an der Spitze der mächtigsten US-Lobbygruppe. Die Beschimpfungen ließen nicht lange auf sich warten.

Funny or Die

Hamburg - Schon der Titel des umstrittenen Videos ist eine Anspielung. "Cold Dead Hand with Jim Carrey", heißt der sechsminütige Sketch, der seit kurzem auf der Online-Plattform "Funny or Die" zu sehen ist. Der Film dreht sich um Waffenbesitz in den USA und einen seiner berühmtesten Verfechter: Charlton Heston, für seine Rolle als Ben Hur mit einem Oscar ausgezeichnet, fünf Jahre lang Präsident der mächtigen Lobbygruppe National Rifle Asssociation (NRA), verstorben im April 2008.

Jener Charlton Heston hatte in einer Rede einst gesagt: Wer den Amerikanern die Freiheit auf Waffenbesitz wegnehmen wolle, müsse sie aus seinen kalten toten Händen reißen. Dazu reckte er ein Gewehr über den Kopf. Für diese markigen Worte bekommt Heston von Carrey nun ordentlich sein Fett weg.

In dem Sketch tritt Carrey zunächst selbst als Heston auf: Mit strengen Gesichtszügen, tiefer Stimme und vorgeschobenem Kinn ist er in der TV-Sendung "Hee Haw" zu Gast. Das Format gab es tatsächlich: Die Sendung lief mit großem Erfolg Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre in den USA und widmete sich den Vorzügen des Landlebens und der Countrymusik.

Entsprechend sieht es auch in dem Sketch auf "Funny or Die" aus: Heston bedankt sich, an diesem Ort Gottes zu Gast sein zu dürfen. Rednecks sitzen auf Heuballen herum. Und dann spielt eine Countryband namens "Lonesome Earl (Carrey) and the Clutterbusters". Am Kontrabass: Abraham Lincoln. An der Gitarre: John Lennon. An der Rassel: Mahatma Gandhi.

Lonesome Earl singt davon, dass niemand mehr Hestons Filme sehen wolle. Dass der Schauspieler nicht gerade gut bestückt sei und das mit einer großen Knarre ausgleichen wolle. Dass Heston nicht in den Himmel komme, weil die Engel die Waffe nicht aus seiner kalten toten Hand nehmen könnten.

Untermalt wird das ganze mit Versuchen des falschen Heston, auf den Sänger zu schießen. Doch sein Gewehr hat Ladehemmungen. Am Ende schießt er sich selbst in den Fuß - und alle Anwesenden lachen sich kaputt.

Zwischendurch schlüpft Carrey auch noch in die Rolle des Schauspielers Sam Elliot, der unter anderem im Kultfilm "Big Lebowski" als allwissender Erzähler auftritt. Als ob er seine Kritiker warne wollte, sagt Carrey alias Sam Elliot: "Biting social satire goes down smooth". Das kann man etwa so verstehen: Bissige Sozialsatire, gut bekömmlich.

"Trauriger kleiner Freak"

Wütende Reaktionen auf Carreys Video ließen trotzdem nicht lange auf sich warten. Wenig überraschend, dass es vor allem im konservativen TV-Sender Fox hoch her ging. "Carrey ist ein trauriger kleiner Freak", sagte Moderator Greg Gutfeld. "Ein dreckiger Feigling. Ich hoffe, seine Karriere ist vorbei."

Carrey greife das ländliche Amerika an und einen toten Mann, der sich nicht wehren könne, argumentiert Gutfeld. Die einhellige Meinung der Talkrunde: Heston sei ein Mann mit großen Verdiensten, Carrey wolle nur seine Karriere ankurbeln und sich interessant machen.

Auf Twitter äußert sich Carrey immer wieder kritisch über Waffenbesitz in den USA. Nach der Veröffentlichung von "Cold Dead Hand" wandte er sich erneut an seine Gegner. Er habe sich nie so verachtet und gleichzeitig frei gefühlt, schrieb der Comedian. "Es war mir ein Vergnügen." Sein Video wurde bislang rund 800.000-mal angeschaut.

hut

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