Jim Carrey kritisiert Impfungen Immun gegen Argumente

Impfungen verursachen Autismus - immer wieder vertreten Impfgegner diese längst widerlegte Behauptung. In Jim Carrey haben sie einen Unterstützer. Die Mutter eines autistischen Kindes gab ihm nun Kontra.

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Kalifornien hat ein neues Gesetz. Demnach ist es verboten, aus persönlichen oder religiösen Gründen Impfungen zu unterlassen. Einigen Leuten passt das überhaupt nicht, und Jim Carrey gehört dazu. Der Schauspieler wetterte auf Twitter gegen das Gesetz und bediente sich mehr als zweifelhafter Methoden - und mehr als dürftiger Argumente.

Seinen mehr als 14 Millionen Twitter-Followern schrieb Carrey: "Kaliforniens Gouverneur [Jerry Brown, -Red.] sagt Ja dazu, Kinder mit Quecksilber und Aluminium in Zwangsimpfungen zu vergiften." Brown, der mit seiner Unterschrift das Gesetz absegnete, sei ein "Firmenfaschist", der gestoppt werden müsse.

Er habe nichts gegen Impfungen, schrieb Carrey. Aber gegen "Neurotoxine" in Impfstoffen. Carrey witterte gleich eine Verschwörung von Impfstoffherstellern und staatlichen Kontrollstellen.

Teile seiner Twitter-Tirade illustrierte der Schauspieler mit Fotos autistischer Kinder. Damit stellte er eine Verbindung seiner Aussagen zum Irrglauben her, Impfungen würden Autismus verursachen. Dass dies seit Langem grundlegend widerlegt ist, stört diese Community nicht.

Umso verärgerter war nun eine Mutter aus Oregon. Carrey hatte ein Foto ihres Sohnes in einem Tweet benutzt. Die Mutter heißt Karen Echols, ihr Sohn Alex ist 14.

Carrey habe viele Anhänger und stelle das Foto in einen falschen Zusammenhang, wenn er es für seine Anti-Impf-Tirade benutze, schrieb sie an die US-Website Buzzfeed.

Alex hat Tuberöse Sklerose. Die Familie hatte seine Erkrankung öffentlich gemacht, um mehr Unterstützung für Betroffene zu bekommen. Auf Instagram schrieb Karen Echols, sie sei angewidert, dass ein Prominenter solch ein Foto nutze, um sich über Impfungen ihres Sohnes lustig zu machen. "Selbst wenn das nicht die Absicht war, ist es geschehen." Carrey hat das Foto inzwischen entfernt - Echols hatte sich an Carrey und mit einer Urheberrechtsbeschwerde an Twitter gewandt.

Carrey und Jenny McCarthy waren viele Jahre liiert. McCarthys Sohn Evan ist Autist. Als das Paar noch zusammen war, traten Carrey und McCarthy häufig als Vertreter der Theorie auf, Autismus und Impfungen seien miteinander verknüpft. Damit stellten sie sich in eine Reihe mit Impfgegnern, die sich auf eine wissenschaftliche Untersuchung berufen, die aufgrund unrichtiger Behauptungen 2010 zurückgezogen werden musste.

Der britische Arzt Andrew Wakefield hatte 1998 eine Studie durchgeführt, die einen Zusammenhang zwischen dem Impfstoff gegen MMR (Masern, Mumps, Röteln) und Autismus feststellte. Diese Schlussfolgerung war aber nicht nur falsch, der Mediziner hatte auch unethische Forschungsmethoden angewendet. Er hatte verschleiert, dass er selbst das Patent für einen alternativen MMR-Impfstoff hielt und mit Anwälten verbandelt war, die Eltern autistischer Kinder vor Gericht in Prozessen vertreten wollten.

Wakefield musste sich vor dem britischen "General Medical Council" verantworten, das konstatierte, sein Verhalten sei in vielerlei Hinsicht unethisch und unehrlich gewesen. Inzwischen haben mehrere Untersuchungen belegt, dass MMR-Impfung und Autismus nicht zusammenhängen.

ulz/hei



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