Schöpfer von "Eiskönigin", "Findet Nemo" "Ungewollte Umarmungen" - Trickfilmchef John Lasseter verlässt Disney

Im vergangenen Jahr entschuldigte sich Disney-Trickfilmvorstand John Lasseter für unangemessenes Verhalten gegenüber Angestellten. Nun verlässt der 61-Jährige den Konzern.

John Lasseter
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John Lasseter


Disney-Trickfilmvorstand John Lasseter ist infolge eines Skandals um "ungewollte Umarmungen" zurückgetreten. Der 61-Jährige wird den Konzern zum Jahresende verlassen. Bis dahin werde Lasseter als Berater arbeiten, teilte Disney mit. Wer Lasseters Posten übernehmen soll, ist offen.

Der Schöpfer von Filmen wie "Zootopia", "Die Eiskönigin" oder "Findet Nemo" hatte bereits eine sechsmonatige Auszeit genommen, nachdem im vergangenen Herbst Berichte über Grenzüberschreitungen im Umgang mit Mitarbeitern bekannt geworden waren. Disneys Mitteilung gab keinerlei Gründe für Lasseters Weggang an. Sie enthält auch keine Informationen darüber, ob Disney Nachforschungen zu seinem Verhalten bei der Arbeit angestellt hat.

"In den vergangenen sechs Monate hatte ich Gelegenheit, über mein Leben, meine Karriere und persönlichen Prioritäten nachzudenken", hieß es in einer Mitteilung Lasseters. Er habe beschlossen, sich ab Ende des Jahres auf neue kreative Herausforderungen zu konzentrieren.

Der 61-Jährige hatte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe bei all jenen entschuldigt, die jemals eine "unerwünschte Umarmung" oder eine andere Geste von ihm erfahren hätten, die ihrer Meinung nach eine Linie überschritten habe.

"Grapschen, Küssen und seine Kommentare über Körpermerkmale"

Zuvor hatte der "Hollywood Reporter" einen langjährigen Pixar-Angestellten zitiert, wonach Lasseter für sein "Grapschen, Küssen und seine Kommentare über Körpermerkmale" bekannt gewesen sei. Weibliche Angestellte berichteten der Zeitschrift "Variety", Lasseter habe den Ruf, Frauen im Büro unangemessen zu berühren, ihre Beine zu reiben und sie auf den Mund zu küssen.

Lasseter ist vor allem bekannt dafür, das kleine Trickfilmstudio Pixar in eines der weltweit erfolgreichsten Animationsstudios verwandelt zu haben. Der Experte für Computeranimationen kehrte 2006 zu seinem früheren Arbeitgeber Disney zurück, als der Konzern Pixar kaufte. Seit seiner Rückkehr zu Disney haben Trickfilme der beiden Studios etwa 14 Milliarden Dollar allein an Ticketverkäufen eingespielt.

Lasseter hatte zunächst offenbar gehofft, nach seiner Auszeit zu Disney zurückkehren zu können. Sein Rückzug aus der Firma zeigt nun, dass er die Situation offensichtlich falsch einschätzte. Lasseter gehört damit zu den ranghöchsten Hollywood-Machern, die im Zuge der #MeToo-Debatte ihren Posten räumen müssen.

Neben Lasseter wurde in den vergangenen Monaten zahlreichen anderen Männern aus dem Filmgeschäft und anderen Branchen sexuelle Belästigung vorgeworfen. Auslöser der #MeToo-Debatte war im vergangenen Oktober der Fall Harvey Weinstein, dem Dutzende Frauen sexuelle Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung vorwerfen. Weinstein ist inzwischen wegen Vergewaltigung angeklagt, er plädiert auf nicht schuldig.

ulz/AFP/AP



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