Johnny Depp vs. Amber Heard Schmutzige Scheidung

Die Ehe von Johnny Depp ist gescheitert, seine Frau Amber Heard wirft ihm jahrelange Misshandlungen vor. Der Fall ist noch ungeklärt, doch US-Klatschmedien verbreiten genüsslich jedes Detail.

AP

Von , New York


Amerikas Zivilgerichte sind Schauplätze familiärer Tragödien. Täglich harren Hunderte auf ihren Fluren, um sich über Scheidungen, Sorgerechte, Alimente und Kontaktverbote zu streiten. Vor allem Letztere sollen die Opfer häuslicher Gewalt schützen: US-Richter erlassen im Jahr mehr als 1,5 Millionen solcher Verbote, meist gegen Männer; ob das hilft, ist unklar.

Diese privaten Trauerspiele bleiben meist auch privat. Es sei denn, ein Beteiligter ist ein Prominenter: Dann werden sie zu schlagzeilenträchtigen Schlammschlachten, an denen die ganze Nation gierig teilzuhaben scheint.

So auch jetzt im Fall des Hollywoodstars Johnny Depp. Dessen Frau, die Schauspielerin Amber Heard ("Magic Mike XXL"), reichte vorige Woche die Scheidung ein, nach nur 15 Monaten Ehe. Sie erschien vor dem Gericht mit einem blauen Auge und einer bösen Anschuldigung: Depp habe sie "verbal und physisch" misshandelt. Der Richter verhängte daraufhin ein einstweiliges Kontaktverbot gegen Depp, gültig bis zur nächsten Anhörung am 17. Juni.

Womit der Medienzirkus ja erst richtig losging. Die Klatschwebsite "TMZ", die wieder mal als Erste von der Trennung erfuhr, meldet seither atemlos jeden Winkelzug, mit klaren Loyalitäten: "Seine Familie 'hasste' Heard." Das Celebrity-Magazin "People" dagegen bezieht Stellung für Heard und machte sie zum verprügelten Covergirl: "Hinter den Kulissen ihrer toxischen Ehe."

Die Leser der Klatschmedien ordnen sich entsprechenden Lagern zu: Die einen beschimpfen Depp, die anderen Heard. Selbst etablierte Mainstream-Medien wie die "Washington Post" haben Blut geleckt. "Wann lässt Hollywood berühmte, gefährliche Männer fallen?", fragt deren Kolumnistin Alyssa Rosenberg und nennt andere, denen Ähnliches vorgeworfen wurde: "Bill Cosby, Woody Allen und Charlie Sheen."

Die Streitparteien und deren Umfeld beliefern die Blätter mit gezielten (Miss-)Informationen, so dass täglich neue Gerüchte und angebliche Beweise für die eine oder andere Version die Runde machen. Zuletzt gelangten etwa angebliche SMS zwischen Heard und ihrem Manager an die Öffentlichkeit, die Übergriffe in der Ehe belegen sollen.

"Unüberbrückbare Differenzen"

Fest steht: Heard, 30, wirft Depp, 52, jahrelange Misshandlungen vor. Ihre Forderung nach 50.000 Dollar Unterhalt pro Monat lehnte ein Richter zwar ab, doch er gewährte ein Kontaktverbot, bis die Vorwürfe geklärt sind.

Es war die jüngste Kapriole einer turbulenten Ehe. Als sich Depp und Heard 2009 bei den Dreharbeiten des Films "The Rum Diary" kennenlernten, waren sie in anderen Beziehungen. Depp mit der Sängerin Vanessa Paradis, mit der er eine 17-jährige Tochter hat. Heard mit der Fotografin Tasya van Ree.

Kurz nach ihrer Hochzeit brachte Heard 2015 die zwei Yorkshireterrier des Paars illegal nach Australien, wo Depp die nächste Ausgabe seiner "Fluch der Karibik"-Serie drehte. Sie kam mit einer Geldstrafe davon, doch die Schlagzeilen dauerten an. Die Scheidung reichte sie nun wenige Tage nach dem Tod von Depps Mutter ein. Die Begründung: "Unüberbrückbare Differenzen."

Was genau sich hinter dem Begriff verbirgt, darüber spekuliert nun nicht nur der US-Boulevard. Überall tauchen angebliche Indizien auf, Polizeiberichte, Zeugen, Freunde, Feinde. Derweil bekämpfen sich die Anwälte der beiden via Interviews.

Es geht auch um viel Geld

Die Wahrheit kennen nur zwei Personen. Doch auch hier zeigen sich die üblichen Muster: Entweder verzichtete das Opfer lange auf juristische Schritte, aus Angst, Scham, Liebe, was eine spätere Beweisführung erschwert. Oder die Vorwürfe sind erfunden. Oder die Realität liegt in der Grauzone dazwischen.

Unterdessen geht es aber vor allem auch um viel Geld. Depp verdiente allein im vergangenen Jahr nach Schätzung des "Forbes"-Magazins 30 Millionen Dollar. 2012 landete er mit 75 Millionen Dollar sogar als bestbezahlter Schauspieler im Guinnessbuch der Rekorde. Nach kalifornischem Recht stünde Heard jedoch nur die Hälfte dessen zu, was beide während ihrer kurzen Ehe verdienten.

Depps Karriere dürfte diese schmutzige Scheidung kaum beeinträchtigen. Er hat schon vieles überstanden. Für Heard hingegen dürfte es schwieriger werden, egal was das Gericht am Ende entscheidet: Ihren Namen kennen die meisten nicht aus ihren Filmen - sondern aus der Klatschpresse.

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