Jon Stewart beim Wrestling Der mit dem Klappstuhl kämpft

Ein Stuhl, ein Schlag, kollektives Entsetzen: Jon Stewart hatte bei seinem Ausflug zum Wrestling einen denkwürdigen Auftritt. Nebenbei erklärte er noch, warum das Publikum bei den Schaukämpfen besser dran sei als bei der Politik.

Getty Images

Jon Stewarts gefährlichste Waffe war immer das Wort. Manchmal reichte ihm als Moderator der "Daily Show" ein Satz, um die Heuchelei eines Politikers zu entlarven oder konservative Kommentatoren der Lächerlichkeit preiszugeben. Nach Sonntagabend muss man einen Klappstuhl zur Liste der Stewart'schen Waffen hinzufügen. Der spielte beim SummerSlam, einer der größten Veranstaltungen der Wrestling-Liga WWE, eine zentrale Rolle.

Stewart ist leidenschaftlicher Wrestling-Fan. Als er noch die "Daily Show" moderierte, provozierten sich Stewart und WWE-Champion Seth Rollins gegenseitig. Rollins kam zu Stewart in die Show, der Moderator trat Rollins im Wrestling-Ring zwischen die Beine.

Am Sonntagabend in New York vollzog Stewart eine Wandlung aus dem Einmaleins des Wrestling: Aus dem netten Kerl wurde ein Bösewicht, die Kommentatoren sprachen vom "SummerSlam-Kriminellen".

Wrestling - Respekt für das Publikum

Was war passiert? Stewart - offiziell Moderator des Spektakels - hatte dem Publikum ein paar Beobachtungen über Wrestling und Politik mitgeteilt. "Wisst ihr, ich habe die vergangenen 16 Jahre damit zugebracht, über Politik zu reden. Es ist schön, zurück in der Realität zu sein." Was der Unterschied zwischen Politik und Wrestling sei? Wrestler hätten Respekt für das Publikum.

Stewarts großer Auftritt samt Klappstuhl kam aber beim Hauptkampf zwischen dem amtierenden WWE-Champion Rollins und John Cena. Als Rollins schon in den Seilen hing, betrat Stewart mit einem Klappstuhl den Ring.

Zu erwarten gewesen wäre, dass er damit angesichts seiner Vorgeschichte Rollins vermöbelt. Aber das passte offenbar nicht zum Drehbuch. Stewart rammte stattdessen Cena den Stuhl in den Bauch. Derart geschwächt sackte Cena zusammen, Rollins verteidigte seinen Titel.

Die Wandlung vom Moderator zum Schurken sei eben Teil des Wrestling, befand die "Washington Post". Man darf davon ausgehen, dass Bösewicht Stewart irgendwann wieder im Ring auftaucht, um sich zu erklären. Und vielleicht findet er ja zwischendurch sogar Zeit, die Wrestling-Realität zu verlassen und in die Kunstwelt der Politik zurückzukehren - zum Beispiel, um eine Debatte der Präsidentschaftsbewerber zu moderieren.

Darauf würden zumindest Stewarts Fans hoffen, meinte die Website "Daily Beast". In seiner letzten "Daily Show"-Sendung habe Stewart vor Bullshit gewarnt. Da habe es doch viele Leute verwundert, dass sein erster Auftritt danach ausgerechnet beim Wrestling stattfand - schließlich seien die Schaukämpfe mit "Phantom-Schlägen und Schauspielerei auf Striplokal-Niveau die Definition von Bullshit".

ulz



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