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Thronwechsel: Spaniens König Juan Carlos dankt ab

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Nach fast vierzig Jahren als Staatsoberhaupt dankt Spaniens König Juan Carlos ab. Prinz Felipe wird seinem Vater auf den Thron folgen. Das Königshaus war zuletzt von zahlreichen Skandalen erschüttert worden.

Madrid - Der spanische König Juan Carlos dankt zugunsten seines Sohnes Felipe ab. "Seine Majestät, König Juan Carlos, hat mich gerade über seinen Wunsch informiert, auf den Thron zu verzichten und das Verfahren für die Thronfolge einzuleiten", teilte Regierungschef Mariano Rajoy mit. Der 76-jährige Monarch bestieg im November 1975 den spanischen Thron.

Spanien werde nun "ein neues Kapitel der Geschichte" schreiben, sagte Rajoy weiter. Juan Carlos sei in den vergangenen 39 Jahren das beste Symbol für "unser Zusammenleben in Frieden und Ruhe" gewesen. "Er war der erste Impulsgeber für die Demokratie, als er damals den Thron bestieg, den er heute verlässt."

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet unter Berufung auf eine Quelle am Hof, der Wechsel auf dem Thron sei politisch motiviert und der schlechte Gesundheitszustand des Königs nicht ausschlaggebend. Die Entscheidung sei bereits im Januar gefallen, man habe jedoch die Europawahlen noch abwarten wollen, um den Schritt bekannt zu geben.

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Der ehemals sehr populäre Juan Carlos hatte dem Land in den Siebzigerjahren nach der Franco-Diktatur bei dem Übergang in eine Demokratie geholfen. Seine Sternstunde hatte der Monarch am 23. Februar 1981. Als damals Militärs um den Oberstleutnant Antonio Tejero einen Putsch starteten, hielt der König in Uniform eine Fernsehansprache, in der er die Aktion scharf verurteilte und sich zur Demokratie bekannte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte die politische Rolle des spanischen Königs. Sie schätze ihn sehr hoch, und zwar "persönlich wie auch seine historische Rolle beim Übergang Spaniens in die Demokratie", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Merkel habe Begegnungen mit Juan Carlos in sehr guter Erinnerung und wünsche ihm alles Gute.

Nach diversen Fehltritten war der 76-Jährige in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck geraten. So wurde er für einen Jagdausflug in Botswana im April 2012 heftig kritisiert. Die Elefantenjagd war nur deshalb publik geworden, weil Juan Carlos sich bei einem Sturz eine Hüfte gebrochen hatte.

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Juan Carlos: Ein König tritt ab
In einer Geste, die in der Geschichte der spanischen Monarchie ohne Beispiel war, entschuldigte sich der König öffentlich und gelobte Besserung. In einer Umfrage sprachen sich zuletzt zwei Drittel der Spanier dafür aus, dass Juan Carlos als König abdanken sollte. Zudem erschütterte eine Korruptionsaffäre das Königshaus: Infantin Cristina steht im Verdacht, in einen Finanzskandal um ihren Ehemann Iñaki Urdangarin verwickelt zu sein.

Persönliche Begründung

Der Grund des Rückzugs sei privat, sagte Rajoy. Der Monarch werde sich später persönlich an das spanische Volk wenden. Juan Carlos wird seit Monaten von gesundheitlichen Problemen geplagt. Dennoch traf die Entscheidung Spanien völlig überraschend - eine Abdankung hatte der König bislang strikt ausgeschlossen.

Juan Carlos wurde am 5. Januar 1938 im Exil in Rom geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Italien, Portugal und der Schweiz. 1962 heiratete er Prinzessin Sofía von Griechenland.

Rajoy berief für Dienstag eine außerordentliche Kabinettssitzung ein. Damit der König abdanken kann, müsse ein eigenes Gesetz verabschiedet werden, sagte der Ministerpräsident. Eine Abdankung des Monarchen ist im spanischen Rechtssystem bislang nicht vorgesehen. Er hoffe, dass das Parlament dann schon nach "sehr kurzer Zeit" der Ernennung von König Felipe zustimmen könne.

Bestens vorbereitet

Nach Überzeugung der Regierung ist der 46-Jährige bestens vorbereitet, nach der Abdankung seines Vaters den Thron zu besteigen. "Er ist eine solide Garantie dafür, dass er bei der Ausübung seines Amts als Staatschef die Erwartungen erfüllen wird", sagte Ministerpräsident Rajoy. "Davon bin ich fest überzeugt."

Felipe sei gut ausgebildet, habe eine große Erfahrung in öffentlichen Angelegenheiten und sei auch vom Charakter her bestens für die Aufgabe vorbereitet. Der Kronprinz wird künftig als Felipe VI. regieren. Er hat in Madrid Jura studiert und in den USA einen Master in Internationalen Beziehungen gemacht. Zudem ist er Offizier des Heeres, der Luftwaffe und der Marine.

vks/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 39 Beiträge
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    Seite 1    
1. 23f
magepae 02.06.2014
Der Putschversuch wird in Spanien kurz 23F genannt weil er am 23. Februar 1981 stattfand und nicht - wie Sie schreiben - am 24.
2. Endlich!
gmbr 02.06.2014
Hätte er zwar viel früher machen müssen aber wir nehmen es dankbar an! Felipe soll es besser machen und er wird es bestimmt auch tun.
3. Juan Carlos (Juan Matta Elefantes) verlässt den Thron!
juanpérez 02.06.2014
Damit sind dann auch die Tage vom "Königreich Spanien" gezählt. Weil, "reich" ist nur noch eine Minderheit in Spanien, also braucht es auch keinen "König"!
4. war ...
herrwestphal 02.06.2014
... diese Nachricht wirklich eine Eilmeldung wert? Das interessiert doch eigentlich nur die Leser der Gala. Königshäuser und vor allem die Finanzierung dieser sind doch ein absoluter Anachronismus in der heutigen Zeit. Spanien brauchte eventuell eine neue Leitfigur nach der Franco Ära, aber jetzt sind wir im 21. Jahrhundert angelangt.
5. verzockt!
mermaid2012 02.06.2014
der bis vor einiger zeit beim spanischen volk sehr beliebte monarch hat seine sympathien durch idiotische und unsensible aktionen gnadenlos verzockt. und dann noch die skandale um schwiegersohn und tochter. um noch mehr schaden von der monarchie abzuwenden, musste er längst abdanken. er war nie ein kind von traurigkeit, munkelt man in spanien. und wenn ich mir die aufgeworfenen, verdickten falten um die nase und die wässrigen augen anschaue... na ja, war auch jahrelanger alkoholkonsum im spiel? cooler kommentar in einem spiegel-report: "felipe jagt weder elephanten noch schürzen". noch nicht!
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