Skandal um Jugendpolizeisprecherin Vorliebe für Schnaps und Hasch-Brownies

Die 17-jährige Paris Brown sollte in der britischen Grafschaft Kent als erste Jugendpolizeisprecherin überhaupt das Ansehen der Behörde verbessern. Doch dann stolperte der Teenager über fragwürdige Nachrichten auf Twitter - und trat noch vor Amtsantritt zurück.


London - Als erste britische Jugendpolizeisprecherin überhaupt sollte Brown der Polizei helfen, Jugendkriminalität besser zu verstehen und das Ansehen der Polizei zu heben. Doch dann stellte sich heraus, dass die 17-Jährige sich selbst an der Grenze zum Legalen bewegt.

Die Vorwürfe sind auf einige Tweets zurückzuführen, die der Teenager unter dem Pseudonym @vilulabelle gepostet hat. Die grenzwertigen Nachrichten sind größtenteils schon etwas älter - Brown schrieb sie im Alter zwischen 14 und 16 Jahren. Doch die Posts hatten es in sich.

"Ich habe wirklich Lust, mir jetzt einen Stapel Hasch-Brownies zu machen", lautet ein Eintrag. An anderer Stelle beschreibt sich Brown selbst als rassistisch, sexistisch und gewalttätig, wenn sie Alkohol getrunken habe. Glaubt man ihren Tweets, war sie ständig betrunken.

Nach Bekanntwerden der Tweets forderten zwei konservative Abgeordnete der Grafschaft Kent der BBC zufolge Browns Rücktritt. Und die britischen Medien diskutierten erhitzt, wie sinnvoll es sei, einen Teenager in beratender Funktion in den Dienst der Polizei zu stellen. "Ist dieser unflätige, selbstbesessene Twitter-Teenager wirklich die Zukunft der britischen Polizeiarbeit?", schrieb etwa die "Daily Mail".

"Dumm und unmoralisch"

Brown versuchte zunächst, ihre Tweets zu relativieren. Sie seien "dumm und unmoralisch" gewesen. Aber Teenager machten eben auch Fehler. Den Job, den sie im Juli antreten sollte, würde sie gerne behalten wollen. Unter Tränen entschuldigte sie sich für das Debakel.

Am Ende war der öffentliche Druck wohl doch zu groß: Nur eine Woche nachdem sie offiziell die Stelle erhalten hatte, verkündete Brown ihren Rücktritt. Ihr Twitter-Account ist mittlerweile nicht mehr zugänglich. Von den 15.000 Pfund (rund 17.500 Euro), die sie jährlich für ihre Dienste bekommen sollte, sieht sie nun keinen Penny.

Auch die Einstellungsmethoden der Polizei werden hinterfragt. Laut BBC hatte die Behörde zwar einen Hintergrundcheck zu Brown gemacht, aber offensichtlich den Twitter-Account der Schülerin vergessen.

Es war ein Pilotprojekt, das scheiterte. Trotzdem will die Polizei der Grafschaft Kent vorerst daran festhalten: Die Stelle ist wieder ausgeschrieben, die Behörden wollen sich bei der Auswahl der Kandidaten aber dieses Mal mehr Zeit lassen.

gam/AP



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