Mutmaßliche Falschaussage Jussie Smollett gegen Kaution von 100.000 US-Dollar freigelassen

Gegen eine Kaution von 100.000 Dollar ist Jussie Smollet wieder auf freiem Fuß. Ermittler nahmen den Schauspieler fest, nachdem er einen Angriff auf sich vorgetäuscht haben soll. Der 36-Jährige beharrt auf seiner Unschuld.

AFP

Weil er eine homophobe und rassistische Attacke gegen sich inszeniert haben soll, wurde der Schauspieler Jussie Smollett festgenommen. Nun ist der 36-Jährige gegen Zahlung einer Kaution von 100.000 Dollar freigekommen.

Der Star aus der TV-Serie "Empire" wurde am Donnerstagnachmittag in Chicago aus dem Gewahrsam entlassen. Ihm drohen wegen einer mutmaßlichen Falschaussage drei Jahre Haft.

Der offen homosexuelle Afroamerikaner hatte Ende Januar berichtet, er sei nachts in Chicago auf offener Straße von zwei Maskierten angegriffen und rassistisch und schwulenfeindlich beleidigt worden. Nach Überzeugung der Polizei war die Attacke aber nur gestellt.

Der 36-Jährige soll zwei Männern für den vorgetäuschten Angriff 3500 Dollar (rund 3100 Euro) gezahlt haben, weil er sich von seiner Opferrolle berufliche Vorteile erhofft habe. Der Schauspieler habe "den Schmerz und die Wut über den Rassismus ausgenutzt, um seine Karriere zu befördern", sagte der Polizeichef von Chicago, Eddie Johnson, in einer Pressekonferenz.

Fotostrecke

11  Bilder
Jussie Smollett: Auf freiem Fuß

Die Anwälte des Schauspielers kritisierten die Polizei anschließend scharf: Mit der Pressekonferenz sei auf der Unschuldsvermutung "herumgetrampelt" worden. Die Polizei habe ein "Spektakel" veranstaltet, das im US-Justizsystem keinen Platz habe, sagte Anwalt Jack Prior. Smollett beharre auf seiner Unschuld und fühle sich "von einem System verraten, das anscheinend einen fairen Prozess überspringen und direkt zum Urteil übergehen will".

Der angebliche Angriff auf Smollett hatte nicht nur in der Filmbranche für Empörung gesorgt, sondern war auch von vielen Politikern scharf verurteilt worden. Er schien für die zunehmende Gewalt gegen Minderheiten in den USA zu stehen, für die Kritiker auch die aggressive Rhetorik von Präsident Donald Trump verantwortlich machen.

Tatsächlich ist die Zahl von Hassverbrechen in den USA nach Angaben der Bundespolizei FBI im Jahr 2017 um 17 Prozent gestiegen. Opfer waren vor allem Afroamerikaner und Juden. Mehrere US-Zeitungen schrieben nun aber, im Fall Smollett hätten Journalisten und Politiker vorschnell reagiert und die Angaben des Schauspielers unkritisch übernommen.

sen/AFP

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.