Kachelmann-Comeback: "Gesäßkalt" in den TV-Niederungen
Es "flöckelt" wieder im deutschen Fernsehen: Jörg Kachelmann ist nach knapp zweijähriger Abstinenz zurück auf der Mattscheibe. Mit Wollpullover, selbstgezeichneten DIN-A-4-Blättern und Kachelmannschen Wetterwörtern.
Ob es das schon einmal gegeben hat in der deutschen TV-Geschichte? Den ganzen Tag über beschäftigt sich ein Chefredakteur nur mit der Wetteraufzeichnung. "Nichts anderes" mache er an diesem Tag, sagt Marco Maier. Er leitet die Redaktion von Main TV, einem kleinen Sender in Unterfranken.
In Aschaffenburg, dem Sitz des Senders, tauchte Kachelmann jedoch nicht auf: Main TV habe Karten des Sendegebiets als PDF-Dokumente zu Jörg Kachelmann gemailt, berichtet Maier. Der einstige ARD-Mann habe sie ausgedruckt und darauf seine Wettervorhersage gestaltet. "Wir wollten bewusst keine High-End-Produktion", so der Senderchef. Die ist es denn auch nicht geworden (siehe Video oben).
Kachelmann steht vor einer weißen Wand irgendwo in seiner Schweizer Heimat und kommt direkt zur Sache: "Grüß Gott und herzlich willkommen zum Wochenend-Wetter bei Main TV." Fünf Sekunden dauert die Begrüßung, dann ist er in seinem Element: Russische Kaltluft.
In den folgenden zweieinhalb Minuten ist von dem Bärtigen im Wollpullover nicht mehr allzu viel zu sehen. DIN-A-4-Zettel in Großaufnahme, befestigt mit einem Gummiband auf der Rückseite eines Aktendeckels.
"Leicht garstiger Nordostwind" steht in Handschrift zwischen Odenwald und Spessart - auf einem Zettel, der mehr nach "Malen nach Zahlen" aussieht als nach einer Wettersendung im deutschen TV.
Kachelmann spricht über "etwas Flöckeln" und "Angezuckertsein" - der Mann ist immer noch ein Profi: Ohne einen Schnitt moderiert er die gesamte Vorhersage weg, es wirkt wie eine Livesendung im YouTube-Stil. Und der Chefredakteur jubelt.
"Großartig" sei das, "es passt wie die Faust aufs Auge zu unserem Sender", erklärt Maier und macht seinen eigenen Sender klein. Man wolle in Aschaffenburg gar nicht mithalten mit den Großen der Branche. Auch wenn man jetzt eine Branchengröße im Programm hat.
"Ab Freitag: evtl. GESÄßKALT" steht zum Schluss auf einem der Wetterzettel. "Zur Feier des Tages" verweist er hinter dem großen Aktendeckel noch auf seine iPhone-App. Der Mann ist zurück im Geschäft.
mhe
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- Freitag, 27.01.2012 – 17:45 Uhr
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