Kampagne für Flüchtling in Beirut Das neue Leben des Abdul Halim

Ein Flüchtling aus Syrien verkauft auf den Straßen von Beirut blaue Kugelschreiber, auf dem Arm trägt er seine schlafende Tochter. Ein Isländer knipst die beiden und twittert das Foto. Und dann beginnt eine wirklich gute Geschichte.


Abdul Halim al-Attar steht auf einer Straße in Beirut und versucht, etwas Geld zu verdienen. Der 35-Jährige will blaue Kugelschreiber verkaufen. Er sieht erschöpft aus. Auf dem Arm trägt er seine Tochter. Die Vierjährige schläft, ihr Kopf liegt auf der Schulter des Vaters.

Der Isländer Gissur Simonarson hat Attar bei seiner Arbeit fotografiert und das Foto auf Twitter gepostet.

Tausende Menschen teilten seinen Tweet und fragten ihn, wie sie helfen könnten. "Ich wünschte, ich könnte all die Stifte kaufen, die er in der Hand hält", schrieb ein Nutzer. "Ich möchte wissen, wie ich ihm helfen kann", twitterte ein anderer.

Simonarson entschied sich dazu, den Mann zu finden und ihm zu helfen. Unter dem Hashtag #buypens suchte er auf Twitter nach Halim. Innerhalb von 24 Stunden hatte Simonarson herausgefunden, wer er war. "Jemand brachte ihm ein Telefon, sodass wir mit ihm reden konnten", sagte Simonarson laut NBC News. Attar, ein alleinerziehender Vater, floh vor drei Jahren vor dem Krieg aus Syrien in den Libanon.

Simonarson rief schließlich über eine Crowdfunding-Seite zu Spenden auf. Mittlerweile sind schon mehr als 133.000 US-Dollar zusammengekommen.

Attar will das Geld für die Ausbildung seiner Tochter Reem und seines Sohnes Abdalla ausgeben. "Ich will nicht, dass sie mit mir auf der Straße sind." Außerdem will er auch seinen Geschwistern und Eltern helfen, die noch immer in Syrien leben.

Gissur Simonarson ist überwältigt davon, welche Wirkung seine Aktion erzielte. "Ich glaube, diese Kampagne beweist, dass wir unsere Menschlichkeit noch nicht verloren haben", twitterte er.

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ichsagwas 30.08.2015
1. Moderne Märchen, die die Welt kein bischen besser machen
Das Internet treibt immer seltsamere Blüten. Als ob dadurch grundsätzlich irgendetwas besser würde im Nahen Osten. Da wird eine von Millionen hilfsbedürftiger Familien mit Spenden in eine fundamental bessere Position gebrachtn als alle anderen. Und das Netz feiert sich. Überlassen wir die Arbeit besser den Hilfsorganisationen. Es kann nicht sein, dass sich derjenige, der sich zufällig oder mit Absicht in der richtigen Pose hat ablichten lassen die ganze Kohle abzieht. Das ist nicht viel anders als mit den Youtubestars. Nicht Religion - moderne Märchen sind das heutige Opium fürs Volk !
pharcyde 30.08.2015
2. Oder auch nicht
Ist eine schöne Geschichte und ich freue mich für den Mann aus Syrien und seine Familie. Nur: was ist mit den anderen Flüchtlingen, die kein Glück hatten, vom Isländer fotografiert zu werden? Wieso wurde das gesamte gestiftete Geld für eine Person/Familie gegeben, wenn es so zahlloses Leid gibt? Das auch noch als Gutmenschlichkeit über Twitter zu verkaufen, ist für der Beweis für das Gegenteil der finalen Behauptung. Diese gute Tat verleitet zudem Einzelne, ihr Leid absichtlich zur Schau zu tragen, da sie nun glauben, dass es Geld bringt. Warum kein Crowdfunding für die Refugee-Crowd (oder besser die UNHCR)?
infooverdose 30.08.2015
3. Tropfen auf den heißen Stein
Natürlich bewegen derartige Geschichten und beruhigen für einen kleinen Moment. Es ist schön, dass einer Familie vorerst ein wenig geholfen ist durch die mediale Aufmerksamkeit. Nach wie vielen ähnlichen Aktionen das Interesse versandet, ist leider auch ohne zynisch zu sein absehbar. Für mich stellt sich zunehmend die Frage, wie wir nachhaltig eine Lösung finden. Da bin ich ratlos.
zufriedener_single 30.08.2015
4. Einzelfallbetrachtung
"Ich glaube, diese Kampagne beweist, dass wir unsere Menschlichkeit noch nicht verloren haben" Aus einem Einzelfall auf die Gesamtheit zu schliessen ist etwas mutig, oder?
empörteuch! 30.08.2015
5. Menschlichkeit und notwendige Weltpolitik
... die radikale Forderung nach der eigenen Menschlichkeit ist die einzig angemessene Antwort eines Jeden angesichts der grauenvollen Ereignisse. Menschlich gibt es nichts anderes, das den Wert der eigenen Person, der eigenen Kultur tragen kann. Liebe gehört in diesen Kontext. .... Politisch wird noch gewaltig etwas gefordert werden müssen, denn eine (europäische) "Aussenpolitik", die das zerbrechen von mindestens 8 Staaten nicht wach bemerkt hatte und damit das Zusammenbrechen der lebensnotwendigen Infrastruktur nicht bedacht hatte ist jetzt in der Verantwortung.
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