Kanye West über Sklaverei Historisch fragwürdig

Wie war das noch mal mit den Schwarzen und der Sklaverei? In einem Interview hat Kanye West befremdliche Ansichten kundgetan. Die blieben nicht unwidersprochen.

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Die jüngste Kontroverse um Kanye West ist noch nicht einmal richtig abgeflaut, da gibt es schon die nächste: In einem Interview klang es so, als sei der Rapper der Ansicht, Schwarze hätten sich quasi für die Sklaverei entschieden.

Eigentlich war West zu Gast beim Klatschportal "TMZ", um über seine Unterstützung für Donald Trump zu reden. "Ich liebe Trump einfach", sagte West. Der US-Präsident sei im Rap eine der beliebtesten Personen.

In seinem Monolog kam West aber auch auf anderes zu sprechen - zum Beispiel sich selbst. Man reduziere ihn auf die Begriffe Künstler, Hip-Hop, schwarze Community. Er stehe dafür, aber er repräsentiere auch die Welt.

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Kanye West: Trump, Schmerzmittelsucht, Sklaverei

2016 sei er abhängig von Schmerzmitteln gewesen, nachdem er sich einer Fettabsaugung unterzogen habe. Er habe nicht als fett bezeichnet werden wollen. Die Sucht habe bei ihm einen Zusammenbruch ausgelöst, weshalb er seine "Pablo"-Tournee habe abkürzen müssen. Aus dem Zusammenbruch sei schließlich ein Durchbruch geworden, als er wieder zu sich selbst gefunden habe.

Das wären schon mehr als genug bemerkenswerte Äußerungen gewesen. Doch West war noch nicht fertig. "Wenn man für 400 Jahre von Sklaverei hört, für 400 Jahre, dann klingt das nach einer Wahl", sagte West. Schwarze seien geistig inhaftiert. Er bevorzuge diese Formulierung, weil Sklaverei zu direkt mit Schwarzen in Verbindung stehe, so wie der Holocaust mit Juden. Im Gefängnis dagegen seien alle vereint, Schwarze wie Weiße.

Als er ins "TMZ"-Büro hineinfragte, ob die Mitarbeiter dort der Ansicht seien, er denke und fühle frei, wurde West heftig widersprochen. "Ich glaube, du denkst überhaupt nichts", sagte "TMZ"-Mitarbeiter Van Lathan. Während Kanye verdientermaßen das Leben eines Superstars führe, müssten die meisten Schwarzen damit umgehen, dass ihr Leben bedroht werde. Es gebe soziale Ausgrenzung, die von 400 Jahren Sklaverei herrühre und die West als Wahl bezeichnet habe.

Es war der erste, aber nicht der einzige Widerspruch zu Wests Worten. Die CNN-Kommentatorin Symone D. Sanders twitterte, West sei eine gefährliche Karikatur einer frei denkenden schwarzen Person in Amerika. "Ehrlich, ich bin angewidert und habe mit der Sache abgeschlossen. Und (ich kann nicht glauben, dass ich das sagen muss): Sklaverei war weit entfernt von einer Wahl."

Die Bürgerrechtsorganisation NAACP, die sich seit Jahrzehnten für die Rechte von Schwarzen einsetzt, twitterte, von dem Moment an, als Schwarze zum ersten Mal auf dem amerikanischen Kontinent gelandet seien, hätten sie gegen Sklaverei gekämpft.

Da half es auch nicht, dass West versuchte, die Sache später auf Twitter wieder einzufangen. "Selbstverständlich weiß ich, dass Sklaven nicht aus freiem Willen gefesselt und auf ein Schiff gebracht wurden. Mein Punkt ist, dass wir in dieser Position verharrten, obwohl wir in der Mehrzahl waren. Das bedeutet, dass wir geistig versklavt waren." Er habe die Sache mit den 400 Jahren erwähnt, weil man nicht für weitere 400 Jahre geistig inhaftiert bleiben könne. Man brauche freie Gedanken - so wie seine Aussage.

ulz/AP/Reuters



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