Erzbistum Köln Kardinal Joachim Meisner ist gestorben

Einer der wichtigsten deutschen Kirchenmänner ist tot: Kardinal Joachim Meisner starb im Alter von 83 Jahren in Bad Füssing.


Kardinal Joachim Meisner ist tot. Der frühere Erzbischof von Köln sei während seines Urlaubs in Bad Füssing "friedlich eingeschlafen", sagte ein Sprecher des Erzbistums der Deutschen Presse-Agentur. Meisner wurde 83 Jahre alt.

Im Februar 2014 hatte Papst Franziskus den Kölner Erzbischof abberufen. Meisner wurde damals auf eigenen Wunsch in den Ruhestand geschickt. Er stand ein Vierteljahrhundert an der Spitze des größten deutschen Bistums.

Meisner galt als Vertreter des konservativen Flügels der katholischen Kirche in Deutschland, der sich selbst als "Wachhund Gottes" bezeichnete. Die Kirche und ihre Lehre sollten sich ihm zufolge nicht an den Zeitgeist anpassen. Er lehnte das Frauenpriestertum, die Abschaffung des Zölibats, Homosexualität oder das Mitfeiern des evangelischen Abendmahls für katholische Priester ab.

Abtreibung war ein Tabu. Beim Thema "Pille danach" vollzog Meisner allerdings 2013 eine Kehrtwende: Zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatten eine vergewaltigte Frau abgewiesen, woraufhin die Kirche aufs heftigste kritisiert wurde. Meisner lenkte ein und ließ das Präparat für vergewaltigte Frauen zu.

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Der Geistliche pflegte ein enges Verhältnis zu Papst Johannes Paul II. und insbesondere zu Papst Benedikt XVI., dem vormaligen Kardinal Joseph Ratzinger. Dem Reformkurs von Papst Franziskus stand er skeptisch gegenüber. Zusammen mit drei weiteren katholischen Hardlinern hatte Meisner zuletzt zwei offene Briefe an den Papst verfasst, in denen die Geistlichen Zweifel an Franziskus' Öffnung der Sakramente für wiederverheiratete Geschiedene formulierten.

Meisner wurde am 25. Dezember 1933 in Breslau geboren und stammte aus einer einfachen, frommen Familie. Er hatte während seiner Amtszeit immer wieder Aufsehen erregt und für Empörung gesorgt, etwa als er 2005 Abtreibungen mit dem Holocaust verglich oder vor "entarteter Kunst" warnte. Auch sein an Katholiken gerichtetes Bekenntnis "Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien" sorgte für heftige Kritik. Der Bischof bediene mit solchen Bemerkungen Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen, hieß es. "Meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich", sagte Meisner später.

Meisner lebte die vergangenen Jahre zurückgezogen in der Kölner Innenstadt. Sein Nachfolger als Erzbischof von Köln wurde Rainer Maria Woelki, der einen liberaleren Kurs fährt und sich unter anderem für Flüchtlinge einsetzt.

ala/asc/dpa

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