Keira Knightley über Drehbücher "Immer etwas Geschmackloses daran, wie Frauen dargestellt werden"

Keira Knightley kritisiert, dass es in Filmen zu viel sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt. Deshalb verzichte sie auf bestimmte Rollen, sagte die Schauspielerin - und sprach auch über ihre Erfahrungen mit Harvey Weinstein.

AP

Keira Knightley hat wenig für Filme übrig, die in der Gegenwart spielen. Auf solche Rollen verzichte sie, sagte sie in einem Interview mit "Variety". Sie finde immer "etwas Geschmackloses daran, wie die Frauen dargestellt werden". Deshalb drehe sie "keine Filme, die heutzutage spielen, weil die weiblichen Figuren fast immer vergewaltigt werden".

Im Gegensatz dazu seien Figuren in Historienfilmen inspirierend, sagte Knightley. Und langsam bessere sich die Lage. "Plötzlich bekomme ich Drehbücher zugeschickt, in denen Frauen aus der Gegenwart auftauchen, die nicht innerhalb der ersten fünf Seiten vergewaltigt werden und nicht bloß die liebende Freundin oder Ehefrau sind."

Knightleys aktuelle Rolle ist die der französischen Schriftstellerin und Künstlerin Colette (1873 - 1954). Der Film spielt in der Belle Époque und soll erstmals beim Sundance Filmfestival gezeigt werden. Zudem spielte Knightley schon in einer Reihe anderer Historienfilme mit - unter anderem "Stolz und Vorurteil" und "Anna Karenina".

Knightley sprach mit "Variety" auch über ihre Erfahrungen in der Filmbranche. Es gebe eine Kultur, Frauen zum Schweigen zu bringen und zu schikanieren. Männer könnten sich ein anderes Verhalten herausnehmen als Frauen.

Knightley spielte in zwei Filmen der Weinstein Company mit ("Can a Song Save Your Life?" und "The Imitation Game"). Sie selbst habe nur sehr gute und professionelle Erfahrungen mit Harvey Weinstein gemacht. "Er hat mich nie um eine Massage oder so etwas gebeten", sagte sie. Dutzende Frauen werfen dem Filmmogul sexuelle Belästigung und Vergewaltigung vor. Weinstein bestreitet die Vorwürfe.

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Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung: Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein

Sie selbst sei bei Dreharbeiten nie Übergriffen ausgesetzt gewesen, sagte Knightley. aber privat habe es vier kleinere Vorfälle gegeben. Sie gehe davon aus, dass jede Frau Ähnliches erlebt habe. Sie spreche nicht von Vergewaltigung, sondern von Grapschereien in der Kneipe, Griffen an die Brust oder unter den Rock. "Zu lange hat man gesagt: 'Oh, das ist halt normal.' Es ist beängstigend, dass das unsere Antwort war."

Knightley kritisierte zudem, dass es zu wenige Regisseurinnen gebe. Sie habe mit einigen zusammengearbeitet, "und sie waren alle wundervoll". Dennoch hätten die Filmmacherinnen oft Probleme gehabt, weitere Projekte anzuschieben - selbst wenn die vergangenen Filme sehr erfolgreich gewesen seien.

ulz

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