Kinderbuchautorin Die dunkle Seite der Enid Blyton

Für Millionen Kinder gehören die Bücher von Enid Blyton zur Lieblingslektüre. Ein neuer Fernsehfilm über die englische Autorin offenbart nun deren seelische Untiefen. Besonders ihre jüngere Tochter geht hart mit der Mutter ins Gericht.

Getty Images

London - Die Schauspielerin Helena Bonham Carter spielt die Hauptrolle in einem Fernsehfilm der BBC, der das Leben der berühmten Kinderbuchautorin Enid Blyton nachzeichnet und ihre seelischen Abgründe zeigt.

"Die Rolle hat mich gereizt, weil Enid Blyton schlicht bekloppt war", zitiert die "Daily Mail" Helena Bonham-Carter. "Sie war ein emotionales Wrack und einfach komplett irre."

Bonham-Carter ließ sich während der Dreharbeiten unter anderem von der jüngeren der beiden Töchter Blytons, Imogen Smallwood, 74, beraten. Während die ältere, Gillian, die Mutter als "gerecht und liebevoll" beschrieb, lässt Smallwood kein gutes Haar an Blyton: "Sie war arrogant, unsicher und anmaßend."

Blyton, so der britische "Telegraph", werde in dem Film als Frau porträtiert, die nie erwachsen geworden sei. Mit Problemen setzte sie sich demnach nicht auseinander, sie verdrängte sie. Weil sie beispielweise ihre eigene Mutter nicht mochte, erzählte Blyton herum, die Mutter sei tot. Als ihr erster Ehemann nach der Scheidung wieder heiratete, verbot sie den gemeinsamen Töchtern den Umgang mit ihm, obwohl sie selbst einen neuen Partner gefunden hatte.

"Sie benahm sich wie ein Kind", sagte Imogen Smallwood, "sie konnte boshaft sein wie ein Teenager."

Blyton, die insgesamt 753 Bücher verfasste - darunter Genreklassiker wie "5 Freunde", die "Abenteuer"-Reihe oder "Hanni und Nanni", ordnete alles andere in ihrem Leben dem Beruf unter. 10.000 Wörter schrieb sie am Tag, mehr als 600 Millionen ihrer Werke wurden weltweit verkauft.

Der Film "Enid" wird am Montag vom Sender BBC ausgestrahlt.

pad



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