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Kriminalität: Erpressung sorgt für Aufregung in Milliardärsfamilie Quandt

Es klingt wie ein Fall aus einem Kriminalroman: Susanne Klatten, BMW-Großaktionärin und reichste Frau Deutschlands, soll von einem Schweizer um Millionensummen erleichtert worden sein. Wie mehrere Zeitungen aus Ermittlungsakten zitieren, sollte die Milliardärin mittels kompromittierender Videos erpresst werden.

Susanne Klatten gilt als die reichste Frau Deutschlands. Vielleicht ist sie auch die Mächtigste. Doch gegen Verstrickungen der Gefühle ist auch diese Frau machtlos: Die milliardenschwere Unternehmerin ist offenbar Opfer einer Erpressung geworden.

BMW-Hauptaktionärin Susanne Klatten: Ein Schweizer Bekannter soll die Milliardärin hereingelegt haben
DPA

BMW-Hauptaktionärin Susanne Klatten: Ein Schweizer Bekannter soll die Milliardärin hereingelegt haben

Nach Zeitungsberichten ist die Erbin der erfolgreichen Quandt-Familie in ein Netz italienisch-schweizerischer Banditen geraten. Monatelang sei die Münchnerin von einem Mann erpresst worden, berichten unter anderem die "Süddeutsche Zeitung", die italienische Tageszeitung "La Repubblica" und verschiedene Zeitungen in Großbritannien.

Aus Ermittlungsakten der italienischen Polizei, die mit deutschen Kollegen aus München kooperierte, geht demnach hervor, dass sich die Mutter dreier Kinder mit dem Schweizer Helg S., 41, regelmäßig in Luxushotels getroffen haben soll. Nach einigen Monaten soll S. behauptet haben, von der Mafia bedroht zu werden, daraufhin habe er Klatten um finanzielle Unterstützung gebeten. Im November 2007 zahlte sie dem Mann offenbar 7,5 Millionen Euro.

Doch allem Anschein nach forderte S. im Dezember 2007 noch einmal 40 Millionen Euro und drohte, andernfalls Videos von Klatten zu verbreiten. Sein Komplize Ernano B., 63, gab laut Ermittlungsakten an, aus denen der "Daily Telegraph" zitiert, er habe die Zusammenkünfte heimlich gefilmt.

Festnahme in Monte Carlo

Klatten soll sich daraufhin mit S. in Monte Carlo zur Übergabe des Geldes verabredet, aber gleichzeitig die Polizei informiert und Strafanzeige gegen S. und B. gestellt haben. Beim vereinbarten Übergabetermin in Österreich warteten deutsche und italienische Polizisten, die S. wegen Betrugs und Erpressung festnahmen. Der Beschuldigte befinde sich nun in Untersuchungshaft in Deutschland.

Bis jetzt sei die Identität der betrogenen Unternehmerin von der Staatsanwaltschaft geschützt worden, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Aber in den vergangenen Tagen sind sowohl Ermittlungsergebnisse als auch Inhalte der Protokolle in der Öffentlichkeit aufgetaucht.

Oberstaatsanwalt Anton Winkler versicherte auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung", dass die Untersuchungen in dem Fall laufen. "Unsere Ermittlungen in diesem Fall sind noch nicht abgeschlossen." Zum näheren Sachverhalt wollte er sich nicht äußern. Aus dem Umfeld der Quandt-Familie heiße es, man wolle die italienischen Medienberichte nicht kommentieren, man könne sie aber auch nicht dementieren.

Dass Susanne Klatten nun derart in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, dürfte für die Unternehmertochter einem demütigenden Alptraum gleichkommen. Die 46-Jährige kontrolliert 50,1 Prozent der Aktien des Chemiekonzerns Altana und hält zusammen mit Bruder Stefan Quandt und Mutter Johanna Quandt 46,6 Prozent der Anteil an BMW. Ohne diese Familie geschieht bei diesen Konzernen nichts.

Häuser und Luxusautos beschlagnahmt

Wie viele andere Milliardäre auch gilt Klatten als zurückhaltend, scheu, unauffällig. Eine Art, die sie auf besondere Weise pflegte, zum Beispiel, als sie einst im BMW-Werk Regensburg ein Praktikum absolvierte und sich dafür zur Tarnung den Namen Susanne Kant zulegte.

Auch andere, mit Klatten befreundete Millionärinnen sollen Millionensummen an S. und B. gezahlt haben. Laut dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" beschlagnahmte die italienische Polizei Bargeld und wertvolle Güter, deren Wert über die gezahlte Summe von Klatten hinausging. Zwei Millionen Euro in bar seien unter einem Dach der vielen Gebäude versteckt gewesen, die die Beschuldigten besitzen. Luxusautos wie Lamborghinis, Ferraris und ein Rolls-Royce seien sichergestellt worden.

All dies soll mit den sieben Millionen der BMW-Hauptaktionärin und mit weiteren zehn Millionen der Freundinnen finanziert worden sein. Stets seien Verabredungen in Luxushotels arrangiert worden, dabei sollen die Komplizen jeweils zwei miteinander verbundene Zimmer gebucht haben. In einem war das Paar zugegen, aus dem anderen Hotelzimmer filmte B. die Szenen. Ob es diese Videos wirklich gibt, ist noch unklar. Bislang ist noch kein Film in die Öffentlichkeit gelangt.

cpa

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