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Kristen Stewart: Das große Rassismus-Missverständnis

Kristen Stewart: Gefangen zwischen Debatten Fotos
AP

Kristen Stewart findet die Diskussion über Rassismus in Hollywood langweilig. Das sagte die Schauspielerin angeblich in einem Interview - und wurde dafür heftig kritisiert. Dabei sprach sie über ein ganz anderes Thema.

Rassismus in der Filmbranche ist derzeit ein besonders heikles Thema. Die Oscars stehen in der Kritik, weil in den Schauspiel-Kategorien alle 20 Nominierten weiß sind. Deswegen haben schwarze Stars wie Jada Pinkett Smith und ihr Mann Will Smith angekündigt, nicht zu der Preisverleihung zu gehen. Auch der schwarze Gastgeber Chris Rock wurde aufgefordert, aus Protest die Moderation abzugeben.

Ein Interview erweckte den Eindruck, als wolle Kristen Stewart die Debatte weiter befeuern. Der Zeitschrift "Variety" sagte sie: "Tut etwas, statt nur herumzusitzen und sich darüber zu beschweren." Es sei leicht zu sagen, "scheiße, es ist schwierig, einen Film zu machen". Das Thema sei derzeit aber allgegenwärtig, "und es ist langweilig".

Stewart sei von der Benachteiligung schwarzer Filmschaffender gelangweilt - so interpretierten zahlreiche Kommentatoren die Aussage. "Vielfalt ist super-langweilig für weiße Leute, die die nachteiligen Auswirkungen des systemischen und institutionellen Rassismus auf allen Gebieten nicht spüren, deswegen kann ich voll verstehen, was sie meint", ätzte etwa eine Kritikerin der Site "The Frisky".

Nun zeigt sich: Das war falsch. Denn tatsächlich war Stewart nach fehlenden Möglichkeiten für Frauen in der Filmbranche gefragt worden. Sie könne sich über mangelnde Arbeit nicht beschweren, sagte Stewart. Sie sei nicht gelangweilt und habe immer Neues vor sich. "Also ist es seltsam, wenn ich herumsitze und sage: 'Es ist unfair.'"

"Variety" hat inzwischen eine Korrektur veröffentlicht und für das Missverständnis um Entschuldigung gebeten. Das Video-Interview sei im Internet missverständlich präsentiert worden. Stewarts Antwort sei zu sehen gewesen, aber nicht die Frage, die sie beantwortet habe.

Abzuwarten bleibt, ob die Kritik an Stewart nach der Korrektur abebbt - oder nur eine neue Richtung nimmt. Denn mit ihrer Aussage dürfte die Schauspielerin bei vielen Kolleginnen nicht gerade auf Begeisterung stoßen. In jüngster Vergangenheit haben Stars wie Jennifer Lawrence, Meryl Streep, Sandra Bullock, Kate Winslet, Rooney Mara, Sharon Stone die schlechtere Bezahlung von Frauen in Hollywood verurteilt. Patricia Arquette sprach das Problem sogar in ihrer Oscar-Dankesrede an.

ulz

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