Kritisierter Formel-1-Boss Ecclestone fühlt sich missverstanden

Formel-1-Chef Ecclestone ist wegen seines Lobliedes auf Hitlers Tatkraft heftig in die Kritik geraten. Nun versucht er, seine Aussagen zu relativieren, gibt den Missverstandenen - und macht alles nur noch schlimmer. Thema diesmal: die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zur NS-Zeit.


Hamburg - Der wegen seiner Äußerungen über Adolf Hitler stark in die Kritik geratene Formel-1-Boss Bernie Ecclestone versucht, seine Aussagen zu entkräften: "Das alles war ein großes Missverständnis. Wir haben über Strukturen gesprochen und dass es manchmal gut sein kann, wenn etwas uneingeschränkt und stringent behandelt und entschieden wird. Dann bin ich gefragt worden, ob ich Diktatoren kennen würde", sagte der 78-jährige Engländer der "Bild"-Zeitung.

Er habe Hitler nicht als positives Beispiel aufgeführt, sondern nur darauf hingewiesen, dass dieser vor seinen fürchterlichen Verbrechen erfolgreich gegen Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise gewirkt habe, so Ecclestone.

Er wäre niemals auf die Idee gekommen, die Gefühle einer Gemeinschaft zu verletzen, sagte Ecclestone. Viele Personen seines engsten Freundeskreises seien Juden. "Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich niemals Minderheiten attackieren würde", sagte der 78-Jährige.

Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, hatte den Rücktritt Ecclestones gefordert. Dieser sei wegen seiner Einstellung nicht geeignet, eine Organisation wie die Formel 1 zu leiten. Daher sollten sich dessen Vertragspartner, Formel-1-Teams und Fahrer von Ecclestone distanzieren.

Seine Aussagen haben bereits zu ersten Konsequenzen geführt: So sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger ein geplantes Treffen mit dem britischen Formel-1-Chef ab. "Das hat der Ministerpräsident am Wochenende nach Bekanntwerden der Äußerungen entschieden", sagte Regierungssprecher Christoph Dahl.

"Mit Faschisten verhandelt man nicht"

Ursprünglich wollte Oettinger an diesem Sonntag am Rande des Großen Preises von Deutschland auf dem Nürburgring mit Ecclestone über die Zukunft des Formel-1-Rennens auf dem Hockenheimring verhandeln. Das Gespräch solle nun ein Anwalt oder ein anderer Beauftragter des Landes führen, sagte Dahl. "Ich bin schockiert über das, was passiert ist", sagte Karl-Josef Schmidt, einer der Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH. Andererseits sei die Formula One Administration (Foa) "unser Vertragspartner, mit dem wir verhandeln. Sie wird durch Herrn Ecclestone repräsentiert. Ich kann über die Auswirkungen für das Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring im Moment noch nichts sagen".

Vor Oettingers Absage hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland den CDU-Politiker aufgefordert, sich nicht mit Ecclestone zu treffen. Eine Begegnung mit dem Briten sei nun "natürlich vollkommen unmöglich geworden das ist eine bare Selbstverständlichkeit", sagte Vizepräsident Dieter Graumann. "Mit Faschisten verhandelt man nicht, man muss sie verdammen und verachten", so Graumann in einem Gespräch mit handelsblatt.com.

"Kein Team sollte mehr mit ihm zusammenarbeiten, ein Boykott wäre nun mehr als angebracht", sagte Graumann. "Gerade eine Woche vor dem Start am Nürburgring sollten alle Teams sehr klar machen: Wer Hitler lobt, katapultiert sich selbst rasant sofort aus der Seriosität heraus." Ecclestone sei "ein übler politischer Geisterfahrer und fährt so die gesamte Formel 1 an die Wand".

Graumann sagte über Ecclestone: "Der Herr ist entweder strohdumm oder unglaublich bösartig vermutlich aber beides." Auch englische Politiker hatten Ecclestone wegen seiner Aussagen heftig kritisiert.

jar/dpa/sid



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