30. April 2013, 11:30 Uhr

Königin der Niederlande

Máxima Lider

Von Klaus Ehringfeld

Sie ist ein Glücksfall für die niederländische Monarchie: Nach 33 kühlen Jahren Beatrix-Herrschaft ist nun die junge, herzliche Máxima Königin. Schon jetzt liegen ihr die Untertanen zu Füßen - wie hat sie das geschafft?

Mexiko-Stadt - Alles begann mit ein paar Tränen. Es waren nicht nur Tränen der Freude, die Máxima Zorreguieta vor elf Jahren vergoss, als sie den niederländischen Kronprinzen Willem-Alexander heiratete. Die Argentinierin weinte auch aus Trauer.

Die Bürgertochter aus Buenos Aires und Investmentbankerin bei der Deutschen Bank in New York, groß, blond und schön, musste bei der Hochzeit auf ihre Eltern verzichten. Vater Jorge Zorreguieta war Landwirtschaftsminister während der argentinischen Diktatur Ende der siebziger Jahre gewesen und ein Freund von Gewaltherrscher Jorge Videla. Daher wurde er zur Hochzeit gar nicht erst eingeladen.

Ehefrau María del Carmen Cerruti blieb aus Solidarität gleich mit zu Hause. Überhaupt konnte die Ehe angesichts der Vorgeschichte erst geschlossen werden, nachdem das niederländische Parlament zustimmte.

Willem-Alexander musste kämpfen

Und dann diese Tränen: Jeder Niederländer weiß heute, dass sie der Beginn einer wunderbaren Freundschaft waren zwischen der Frau aus Südamerika und den Nordeuropäern. Die Holländer rührte die Traurigkeit Máximas damals sehr. Und so begann eine Beziehung, die von unterkühlt sehr schnell in warmherzig umschlug.

Máxima eroberte die Herzen der Holländer im Sturm, und Biografen heben ihre Herzlichkeit, ihre Direktheit und ihr Charisma hervor. Für ein Mitglied des Königshauses ist sie schon fast zu wenig distanziert zur Bevölkerung, vor allem wenn man sie mit der scheidenden Königin Beatrix vergleicht. Máxima, erste Lateinamerikanerin auf einem Königsthron in Europa, geht auf die Menschen zu, herzt sie und hört ihnen zu. Sie ist heute das mit Abstand beliebteste Mitglied des niederländischen Königshauses.

Dabei war die heute 41 Jahre alte Frau, die nun Königin Máxima, Prinzessin der Niederlande und Prinzessin von Oranien-Nassau heißt, vor elf Jahren den Holländern weitgehend unbekannt. Willem-Alexander hatte die damalige Bankerin 1999 bei einer Party auf einer Europa-Reise im spanischen Sevilla kennengelernt und sich sofort in sie verliebt. Bei ihr, so erzählen Freunde, dauerte es ein bisschen mit der tiefen Zuneigung. Willem-Alexander half mit Geschenken und zahlreichen Anrufen nach.

Aber nach der Hochzeit beeilte sich Máxima, eine Vorzeige-Holländerin zu werden. Sie lernte zügig die Sprache des Landes, das sie noch nie betreten hatte, bevor sie ihren Prinzen traf. Und sie paukte die Geschichte der Niederlande. "Máxima machte so eine Art Holland-Examen im Schnelldurchlauf, um eine gute Prinzessin zu werden", sagt Soledad Ferrari, Co-Autorin der Biografie "Máxima - una historia real".

Die künftige Königin der Niederlande stammt aus einer Familie der gehobenen Mittelklasse von Buenos Aires. Sie wuchs in dem Bürgerviertel Barrio Norte mit zwei Brüdern, einer Schwester und drei Halbschwestern auf. Ihr Vater ist gelernter Landwirt und arbeitete lange für die Regierung. Erst wurde er Staatssekretär und dann Minister während der Diktatur.

"Ein Tango für Máxima"

Die Familie hatte das Geld, die Tochter auf eine englisch-spanische Mädchenschule zu schicken. 1995 machte Máxima dann ihren Abschluss in Wirtschaftswissenschaften an der Katholischen Universität UCA von Buenos Aires und zog nach New York, wo sie bei verschiedenen internationalen Banken arbeitete, bevor sie Kronprinz Willem-Alexander kennenlernte.

In Máximas Heimat, wo die Prinzenfamilie jedes Jahr Urlaub macht, weckt die Inthronisierung gemischte Gefühle. Ingrid Beck, Chefin des argentinischen Satire-Magazins "Barcelona", schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: "Die Krönung von Máxima als Königin der Niederlande interessiert mich so sehr wie die Reinigung meiner Toilette. Vielleicht noch ein bisschen weniger." Weder die Argentinier noch die Medien des Landes sind den Königshäusern dieser Welt sehr zugewandt. Und die Vergangenheit von Máxima Zorreguieta als Tochter eines Diktatur-Ministers steigert nicht gerade das Interesse.

Immerhin das Tango-Orchester von Buenos Aires feierte die Königin aus Argentinien mit den schönsten Stücken von Legende Astor Piazzola. "Ein Tango für Máxima" hieß das Konzert im Zentrum der argentinischen Hauptstadt.

Vater Jorge Zorreguieta übrigens wird auch dieses Mal die Feierlichkeiten aus der Ferne betrachten müssen. Er ist aus den gleichen Gründen wie bei der Hochzeit seiner Tochter 2002 nicht zum Thronwechsel eingeladen.


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