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Kultstar Bud Spencer: Der ewige Dampfhammer

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Als schwergewichtiger Haudrauf wurde Bud Spencer zusammen mit seinem Partner Terence Hill weltberühmt. Doch der Mann hinter der Filmfigur war viel mehr: Olympionike, Erfinder, Abenteurer. Nun blickt der 81-Jährige auf sein Leben zurück.

Bud Spencer: Ein Leben in Bildern Fotos
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Berlin - Es gibt so viele schöne Geschichten über Carlo Pedersoli, man weiß gar nicht, welche man zuerst erzählen soll. Vielleicht diese: Als er 1967 für einen neuen Film einen englischen Namen braucht, da denkt er an sein Lieblingsbier Budweiser und an seinen Lieblingsschauspieler Spencer Tracy und nennt sich fortan Bud Spencer.

Oder die Episoden, wie er als erster Italiener die 100 Meter unter einer Minute schwimmt und 1952 und 1956 bei den Olympischen Spielen startet. Oder wie er als Mitglied der italienischen Wasserball-Nationalmannschaft nach Moskau reist und dabei den Glauben an den Kommunismus verliert.

Carlo Pedersoli verdingt sich außerdem drei Jahre lang als Straßenbauer am Amazonas, ehe er in Rom sein Studium der Rechtswissenschaft wieder aufnimmt und mehrere Prüfungen mit der Note "sehr gut" besteht. Er besitzt mehrere Patente, darunter so bemerkenswerte Erfindungen wie die Einweg-Zahnbürste mit integrierter Zahncreme und der Spazierstock mit eingebautem Stuhl. Solche Geschichten kennt man ansonsten höchstens von Käpt'n Blaubär. Doch keines seiner Abenteuer hat den 81-Jährigen so berühmt gemacht wie seine Filmrollen als schwergewichtiger Haudrauf.

Zwei Sicherheitsmänner stehen vor der Tür, hinter der Bud Spencer in einem Berliner Hotel wartet. Die Frau vom Buchverlag öffnet, und mitten in einem kleinen Zimmer sitzt: ein alter Mann. "Guten Tag", sagt Bud Spencer mit leiser Stimme und deutet auf den freien Stuhl. Der einst schwarze Vollbart ist weiß geworden und auch ein bisschen zottelig. Der Händedruck ist schwächer als erwartet, die Augen schmal, aber hellwach.

Für seine Fans bleibt er ewig der starke Mann

Er ist nach Deutschland gekommen, um seine Autobiografie vorzustellen. Schon am Flughafen hatten ihn Fans empfangen, auch vor dem Hotel warteten Autogrammjäger, obwohl eigentlich keine Details zu seiner Ankunft bekannt werden sollten.

Erwähnt man Freunden gegenüber den Namen Bud Spencer, lässt sich ein witziger Effekt beobachten: Fast alle lachen, denn fast alle haben sofort die Bilder aus seinen Filmen vor Augen. Wie er, einem Dampfhammer gleich, mit der Faust von oben auf den Kopf eines Gegners haut. Oder wie er mit gestreckten Armen eine seiner Doppelbackpfeifen verteilt. "Vier Fäuste für ein Halleluja", "Die rechte und die linke Hand des Teufels", "Buddy haut den Lukas" - so heißen seine Filme. Für Millionen Fans bleibt er auf ewig der starke Mann, der alle Schurken weit und breit vertrimmt.

Sein ganzes Leben hat Bud Spencer von seinem mächtigen Körper profitiert: als Schwimmer, als Arbeiter, als Schauspieler. Heute hat er eine künstliche Hüfte und braucht eine Krücke. In "null Komma nix" sei er alt geworden, ohne es zu merken, schreibt Pedersoli in seiner Biografie. Wünscht er sich seine Jugend zurück? "Nein, ich muss das nicht noch einmal erleben", antwortet er langsam. "Ich hatte in meinem Leben genug Glück, das war wirklich toll."

Wenn Bud Spencer redet, bewegt er den Oberkörper kaum, die Hände liegen ruhig in seinem Schoß. Alles an diesem Mann strahlt Ausgeglichenheit aus. Wenn er lacht, blitzen seine schmalen Augen so angriffslustig wie in den Filmen. Nur einmal, als er nicht gleich verstanden wird, hebt er die Stimme und rutscht plötzlich auf seinem schmalen Stuhl nach vorn. In diesem Moment entsteht der Eindruck, dass er auch gelernt hat, sich im Leben durchzusetzen.

Er kann nicht reiten. Die Rolle bekommt er trotzdem

Eine Autobiografie ist immer auch eine Bilanz. Im Fall von Bud Spencer kann sie nur positiv ausfallen. Er wird am 31. Oktober 1929 in Neapel geboren, erlebt eine glückliche Kindheit in einer wohlhabenden Familie. Im Zweiten Weltkrieg fliehen die Pedersolis nach Brasilien. Nach seiner Rückkehr 1951 steigt er in Italien zum Schwimmstar auf, er gewinnt Meistertitel in Serie, er liebt die Frauen, und die Frauen lieben ihn. Ausgelastet scheint er dennoch nicht zu sein: Er schreibt sich in Rom für Jura ein, handelt nebenbei mit Autos. Doch irgendwann erreicht er einen toten Punkt. "Letztlich hatte ich nichts in den Händen", sagt er heute. "Ich war ein berühmter Sportler, ein Champion, ein Olympionike, aber alle diese Dinge konnten mir nicht sagen, wer ich wirklich bin."

Als 27-Jähriger geht Pedersoli für drei Jahre nach Venezuela und heuert als Arbeiter im Straßenbau an. Er lässt alles hinter sich: seine Heimat, seine Familie, seine Freunde, seinen Sport. Ein radikaler Schritt. "Die ersten Monate habe ich nur geheult", erinnert er sich. "Aber diese große Herausforderung war mein Glück. Ich veränderte mich." 1960 zieht es ihn nach Italien zurück, er heiratet Maria Amato, die er schon vor seiner Auswanderung kennengelernt hatte. Drei Kinder ziehen sie gemeinsam groß, die Ehe hält bis heute. Ohne Skandale, wie Bud Spencer betont.

Nach dem Ende seiner Schwimmkarriere nimmt Pedersoli mächtig zu. Als 1967 ein korpulenter Westernheld gesucht wird, stolpert er eher zufällig ins Filmgeschäft. Er kann kein Englisch, er kann nicht reiten - die Rolle in "Gott vergibt... Django nie!" bekommt er trotzdem. Einen Schauspieler mit seiner Statur fand der Regisseur nicht.

Schon damals spielt Terence Hill an seiner Seite, der blonde Italiener mit den blauen Augen, der eigentlich Mario Girotti heißt. Ohne ihn wäre Bud Spencer undenkbar. Das ungleiche Duo feiert gigantische Erfolge mit 17 gemeinsamen Klamaukfilmen und aufwendig choreografierten Prügelorgien. Spencer rechnet anfangs noch damit, dass jeder Film der letzte sein könnte: Im Gegensatz zu Terence Hill hat er die Schauspielerei nie gelernt. Sein Englisch ist miserabel, trotzdem dreht er mehr als 60 Filme.

Beim Interview hilft eine Dolmetscherin, geduldig wartet Bud Spencer, wenn sie seine Worte übersetzt."Das wichtigste ist", sagt er zum Ende des Gesprächs, "man darf keine Pläne machen. Wünsche muss man immer haben. Aber keine Pläne."

"Bud, du bist der King"

Ein paar Stunden später, ein Einkaufszentrum am Berliner Alexanderplatz. Draußen ist es kalt und nass. Trotzdem sind 1500 Menschen gekommen, für eine Unterschrift oder ein Foto von ihrem Idol. Ein paar Halbstarke rufen "Bud, du bist der King!"

Der King sitzt jetzt hinter einem langen Tisch und signiert ein Buch nach dem anderen. Filmkritiker haben ihn und seine Streifen immer belächelt. In den Archiven finden sich kaum Preise für den Mann, der von sich selbst sagt, er sei nie ein Schauspieler gewesen, sondern immer nur ein Charakter. Vielleicht lieben die Menschen ihn auch deshalb besonders. Auf Bud Spencer war in seinen Filmen immer Verlass.

Tony Belz, 24, wartet seit 11.30 Uhr. Sechseinhalb Stunden für fünf Sekunden mit Bud Spencer. Der Star unterschreibt mit dickem Filzstift auf der ersten Seite des Buches, eine Signatur wie ein schwungvoller Fausthieb. Tony Belz, der Fan, ist ein stämmiger Bursche, tätowiert. Jetzt sagt er: "Ich hab ganz wackelige Knie." Eine Frau weint sogar vor Glück.

Carlo Pedersoli weiß, was er seinen Fans schuldet. Die vereinbarten 60 Minuten der Autogrammstunde sind eigentlich abgelaufen, er braucht eine kurze Pause, er leert sein Glas Wasser in einem Zug. Dann gibt er ein kurzes Signal: Die nächsten Fans können kommen.

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1. Ich sag' dazu nichts.
GrafZahl 14.04.2011
Sonst krieg' ich wieder Haue. Auf die Omme. Auf's Freßbrett. Auf die Goschn. Nee, nee, das können diesmal andere schreiben und sich dafür von oben mit der Faust auf die Nuß kloppen lassen.
2. ..
stevie76 14.04.2011
tolle filme, tolle fressszenen, tolle dialoge, tolle musik (oliver onions).
3. Prügel mit Niveau
GrafZahl 14.04.2011
Zitat von stevie76tolle filme, tolle fressszenen, tolle dialoge, tolle musik (oliver onions).
Anbiedern hilft auch nicht. Es gibt trotzdem Prügel. Wer hätte übrigens vor 20 Jahren gewußt, daß heute die x-te Wiederholung von "Zwei wie Pech und Schwefel" im deutschen Fernsehen als niveauvolles Highlight der Unterhaltung erscheinen könnte? Die automaische Niveauabsenkung des Privatfernsehens macht es möglich. Und ARD und ZDF senken mit. Auch dafür sollte jemand Zähne spucken, finde ich.
4. Neusynchronisation?
robi-wan-kenobi 14.04.2011
Ein Wehrmutstropfen bleibt leider: Die Filme von Bud Spencer & Terence Hill sind unglaublich schlecht deutsch synchronisiert. Ich hätte große Lust, die Filme mal wieder zu sehen, aber leider gibts die in Deutschland nur mit deutscher Tonspur zu kaufen. Wenn man sich die Mühe macht, und mal englische Synchonisationen dieser Filme besorgt, merkt man, wie pseudowitzig und lieblos die deutsche Bearbeitung ist. Besonders die Western sind relativ problemlos zu bekommen: Die Trinity Filme (auf deutsch "Die rechte und die linke Hand des Teufels" und "Vier Fäuste für ein Halleluja") gibts in einer DVD Box namens Comedy Western Collection. Auch dort drin: "My Name is Nobody" mit der ABSOLUT erschreckend schlechten deutschen Synchonisation. Lasst doch zum Jubiläum von Bud Spencer mal die Filme neu synchronisieren - das wäre wirklich angemessen.
5. Flying Through the Air
DJ Doena 14.04.2011
Ich hab alle Bud & Terence-Filme auf DVD und auch die meisten Soloprojekte (mit Ausnahme der Plattfußfilme). Die kann man immer wieder angucken. Ein kleiner roter Buggy mit einem gelben Häubchen! Ich spreche möwisch!
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