Kultstar Wussow tot Halbgott aus dem Schwarzwald

Als Professor Brinkmann wurde er unsterblich, in die Gazetten ging er als ewig zeternder Ehemann ein - zuletzt war er nur noch ein Schatten seiner selbst. Jetzt ist der Schauspieler Klausjürgen Wussow in Berlin gestorben.

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Berlin - Nicht zuletzt Klausjürgen Wussow ist es zu verdanken, dass die Königsdisziplin populärer TV-Formate, die Ärzte-Soap, im deutschen Fernsehen eine nie gesehene Beliebtheit erlebte. Mit sonorem Timbre und grauen Schläfen dokterte Wussow seit 1985 als Professor Brinkmann in der ZDF-"Schwarzwaldklinik" - ein TV-Straßenfeger, der ihn ins Rampenlicht katapultierte und Fan-Heerscharen ins bis dato touristisch weitgehend unerschlossene Glottertal lockte.

"Mit dem Professor Brinkmann ist eine Fernsehlegende geschaffen worden", sagte TV-Produzent Wolfgang Rademann, der die Serie kreierte, zu SPIEGEL ONLINE. "Wussow, dem dieser Erfolg mit zu verdanken ist, war die absolute Idealbesetzung."

Ein Erfolg als Halbgott in Weiß, der Wussow völlig seiner Privatsphäre zu entziehen schien. Die bewegte Vita des Burgschauspielers versorgte die Boulevardpresse jahrzehntelang mit immer neuen Geschichten, mit Skandalen und Banalem. Vor allem die Amour fou, die ihn mit seiner dritten Ehefrau Yvonne verband, gestaltete sich furios. Sie endete nach einem jahrelangen Rosenkrieg mit einer en detail dokumentierten Scheidung.

An der Wiege sang Wussow dieses Schicksal als umschwärmter Kittelträger wahrlich niemand. Geboren in Cammin/Pommern, absolvierte er seine Ausbildung ab 1948 an der Schauspielschule des Berliner Hebbel-Theaters, es folgten Engagements am "Theater am Schiffbauerdamm" in Berlin, dann in Düsseldorf und Köln, Zürich und München. Seit 1964 gehörte Wussow dem Ensemble des Wiener Burgtheaters an. Kaum ein klassischer Held, den Wussow im Laufe der Zeit nicht gespielt hätte. Er war Don Carlos und Marquis Posa, Faust, Mephisto, Karl Moor, Mortimer, Ferdinand, Macbeth und Max Piccolomini.

Das Fernsehen machte Wussow in Deutschland und Österreich zum Star. 1970 spielte er die Titelrolle der ZDF-Serie "Kurier der Kaiserin". Aus der Serie "Sergeant Berry" war der Schauspieler, besorgt um sein Image als Klassiker-Darsteller, nach zwölf Folgen vorzeitig ausgestiegen. Skrupel, die sich in späteren Jahren zerstreuen sollten: Die größte Popularität - mit der nachhaltigsten Wirkung - erzielte Wussow in der "Schwarzwaldklinik", der bis dahin erfolgreichsten deutschen TV-Serie mit bis zu 60 Prozent Einschaltquote und Verkäufen in mehr als 70 Länder. Noch 2004 stand Wussow für das als "Drama in Mull" bespöttelte Format vor der Kamera, damals schon äußerst gebrechlich wirkend. Seine letzten Lebensjahre waren von einer Demenzerkrankung überschattet. Wussow lebte seit 2006 in einem Pflegeheim, lag seit März dieses Jahres auf der Intensivstation einer Berliner Klinik.

Der Pakt, den Wussow in seinen Glamour-Jahren mit den Medien geschlossen zu haben schien - er war Reportern ewig verfügbar, plauderte bis weit über die Schmerzgrenze hinaus über Persönliches, wohl, um sich durch diese Art der Öffentlichkeit der Liebe seines Publikums zu versichern - wurde zum Fluch. Als es in Wussows letzen Lebensmonaten der Presse darum ging, auch das Sterben des einstigen Halbgotts abzubilden, appellierten Wussows Kinder mit der Bitte um Mäßigung an die üblichen Verdächtigen. "Es ist keine Sensation, gehen zu müssen", schrieb Wussows Sohn Alexander, auch er Schauspieler, in einer Mitteilung. "Unsere Familie hat genügend erlebt, das reicht für mehrere Leben, und es wäre schön, wenn man der Geschichte meines Vaters, der so vielen Menschen so viele schöne Stunden beschert hat, den nötigen Respekt entgegenbringt und ihn in Ruhe gehen lässt."

Tochter Barbara Wussow sagte, sie wünsche für ihren Vater, "dass man ihn seinen letzten Lebensweg gehen lässt, ohne persönlich in den Medien abgebildet und vorgeführt zu werden. In Ruhe und Würde und mit Respekt".



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